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Eishockey:Runde Sache

NHL: Ottawa Senators at Edmonton Oilers

Liegt da noch irgendwo ein Scorerpunkt herum? Leon Draisaitl (links, gegen Ottawas Connor Brown) gelang am Mittwochabend der dritte Hattrick seiner NHL-Karriere - Bestmarke für einen deutschen Spieler.

(Foto: Perry Nelson/USA TODAY Sports)

NHL-Profi Leon Draisaitl bringt mit drei Treffern für Edmonton Trainer und Teamkollegen ins Schwärmen. Leidtragender sind wieder einmal Tim Stützle und die Ottawa Senators.

Von Johannes Schnitzler, München

Leon Draisaitl ist zu jung, um den Claim noch zu kennen. Zumal er sich als Profisportler von hochprozentigen Spirituosen tunlichst fernhalten sollte. Aber "wenn einem so viel Gutes widerfährt", dann war das dem Werbespruch der ältesten deutschen Weinbrandmarke zufolge schon eines ihrer Feuerwasser wert.

Nun neigt der gebürtige Kölner Draisaitl trotz seiner rheinischen Provenienz nicht zum Überschwang; er berauscht sich ja nicht einmal an seinen eigenen Leistungen. Aber am Mittwochabend hätte sich der Eishockey-Nationalspieler, Topscorer und wertvollste Spieler (MVP) der vergangenen Saison in der nordamerikanischen Eliteliga NHL, vermutlich sogar mit Genehmigung seines Trainers Dave Tippett einen genehmigen dürfen. Mit drei Treffern und zwei Vorlagen war der 25-Jährige der Mann des Abends beim 7:1-Sieg seiner Edmonton Oilers gegen die Ottawa Senators. Für Draisaitl, der in jedem Drittel traf, war es der dritte Hattrick seiner NHL-Karriere - so viele hatte noch kein Deutscher - und schon das vierte Spiel mit fünf Scorerpunkten. Mit nun 42 Zählern (14 Tore/28 Vorlagen) in 28 Partien rückte er in der Scorerwertung der Liga auf den zweiten Platz hinter seinem Teamkollegen Connor McDavid (16/32). Die Oilers liegen in der Nord-Division hinter Toronto aussichtsreich im Playoff-Rennen.

Draisaitl selbst beschrieb seine Leistung ganz nüchtern. "Wir hatten einen wirklich guten Start, das hilft sehr", sagte er, nachdem Darnell Nurse (4.) und Jujhar Khaira (6.) die Oilers schnell 2:0 in Führung geschossen hatten. Draisaitl traf zum 3:0 (13.), 5:0 (28.) und 7:0 (48.), McDavid (14.) und James Neal (29.) erledigten den Rest. "Alle vier Reihen haben getroffen, unser Torwart Mike Smith war großartig", sagte Draisaitl: "Das war eine runde Sache."

Draisaitl? McDavid? "Wenn du beide zusammen aufs Eis stellst, ist das eine ziemlich tödliche Kombination", sagt Trainer Dave Tippett

Teamkollegen und Trainer gerieten dagegen wieder einmal ins Schwärmen. "Connor und Leon sind unglaubliche Spieler, jeder auf seine Weise Weltklasse", sagte Oilers-Verteidiger Tyson Barrie. Cheftrainer Dave Tippett lobte: "Leon ist so stark. Er hält den Puck, setzt seinen Körper gut ein, Vorhand, Rückhand, das scheint ihn nicht zu interessieren. Wenn du beide zusammen aufs Eis stellst, ist das eine ziemlich tödliche Kombination."

Leidtragende waren wieder einmal Tim Stützle und die Ottawa Senators, die im sechsten Duell gegen die Oilers in dieser Saison zum sechsten Mal als Verlierer vom Eis gingen. Erst am Montag waren sich beide Teams gegenüber gestanden. Trotz eines Treffers von Stützle unterlag der Tabellenletzte 2:3. Das so genannte game winning goal, also den letztlich entscheidenden Treffer zum 3:1-Zwischenstand, hatte Draisaitl erzielt und damit seine Serie von acht Spielen ohne Torerfolg beendet. Beim 8:5 gegen Ottawa Ende Januar hatte Draisaitl mit sechs Vorlagen einen persönlichen Rekord aufgestellt.

Auch Stützle muss nun nicht zum Cognacschwenker greifen. Der 19 Jahre alte "Rookie des Monats" Februar liegt mit 15 Scorerpunkten auf Platz zwei der Liga-Neulinge - hinter einem gewissen Kirill Kaprisow, 23, im olympischen Finale 2018 Siegtorschütze für die Auswahl Russlands gegen Deutschland. Das einzige, was Stützle Sorgen bereiten dürfte, ist der nächste Gegner Ottawas an diesem Freitag: die Edmonton Oilers.

© SZ/jkn/moe
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