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Eishockey:Riskant, aber alternativlos

Nach der Weltmeisterschaft wechselt Bundestrainer Uwe Krupp zu den Kölner Haien. Diese Entscheidung birgt für den früheren NHL-Spieler Risiken.

Fünfeinhalb Jahre sind genug, findet Uwe Krupp; so viele werden es sein, wenn er im Mai 2011 sein Amt als Eishockey-Bundestrainer aufgibt und zu den Kölner Haien wechselt. Das ist eine lange Zeit im Tagesgeschäft Leistungssport - und eine Zeit, die wenigstens nötig ist, um Vorgänge anzustoßen, die langfristig Wirkung zeigen.

German Ice Hockey Cup 2010

Trainer, Sportdirektor, Fan-Liebling: Uwe Krupp hat bei den Kölner Haien das Sagen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Krupp wird, sollte die WM in der Slowakei nicht gänzlich daneben gehen, als erfolgreicher Bundestrainer gehen - dass das Team bei zwei Olympischen Spielen sieglos blieb, wird überstrahlt vom Glanz der Heim-WM, bei der Deutschland den größten WM-Erfolg seiner Geschichte feierte.

Uwe Krupp hat die fünfeinhalb Jahre genutzt. Er hat nicht alles richtig gemacht, bei vereinzelten Personalentscheidungen musste er sich Kritik gefallen lassen. Doch dank seines Blickwinkels, in dem der Nachwuchs ein Fixpunkt war, hinterlässt er seinem Nachfolger einen Spielerpool mit einer beachtlichen Auswahlmöglichkeit. Der Aufbauprozess ist wichtiger als das reine Spielergebnis, auch für den neuen Bundestrainer muss das die Vorgabe sein.

Die Arbeit im Ligaalltag allerdings ist anders, gerade die Haie haben zuletzt nachhaltig bewiesen, dass sie im Erwartungsdruck am Rhein Zeit als kostbares Gut betrachten, das sie nicht haben. Dennoch reizt Krupp der Job als Klubtrainer, weshalb es nicht überrascht, dass er den Haien zugesagt hat.

Mit seiner Entscheidung, erst im Sommer zu wechseln, kommt er dem DEB entgegen: Krupp weiß, dass der Verband vor der WM keinen Trainer finden würde, der sein mühsam aufgebautes Konstrukt festigen kann. Die Entscheidung zu bleiben, obwohl das nachfolgende Engagement klar ist, birgt Risiken: Krupps Konzentration wird aus Köln gestört werden, bei Spielerverpflichtungen wird er im Hintergrund schon jetzt mitentscheiden. Doch sie ist alternativlos.

Der DEB betrachtet seinen Cheftrainer nicht als Maßnahmentrainer, sondern als Gesamtleiter. Hätten Krupp und der Verband sich auf eine Doppelfunktion als Vereinstrainer und Bundestrainer verständigt, hätte sich nicht nur der Verband unglaubwürdig gemacht, sondern auch Uwe Krupp selbst. Er hätte dann seine Aufsicht über den Nachwuchs aufgeben müssen - und damit genau das, was ihn stark gemacht hat.

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