Wenn das Thema Playoffs angesprochen wird, können sich viele Profispieler ein Grinsen nicht verkneifen. Die Vorfreude auf diese besondere Eishockeyzeit im Jahr ist in solchen Momenten nicht zu übersehen und überhören. Der Tenor: Hauptrunde? Schön und gut. Aber so richtig zur Sache geht es in den Playoffs – speziell, was die Intensität und die Emotionen betrifft.
An diesem Mittwoch gehen die Playoffs in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mit dem Start der zwei Halbfinalserien in die entscheidende Phase. Der souveräne Hauptrundensieger, die Kölner Haie, treffen auf den amtierenden Meister, die Eisbären Berlin; im zweiten Halbfinale spielt der EHC Red Bull München gegen die Adler Mannheim. Wer zuerst vier Siege erreicht, steht im Finale. „Viele sagen, die vier big boys sind im Halbfinale“, sagte Münchens Manager Christian Winkler in der BR-Sendung „Blickpunkt Sport“ mit Bezug auf das Teilnehmer-Quartett.
Bevor die vier finanzstärksten Klubs der Liga den Meister unter sich ausmachen, hat die deutsche Eishockeyszene aber immer noch den üblen Check des Münchner Nationalspielers Fabio Wagner gegen Ingolstadts Edwin Tropmann im Playoff-Viertelfinale zu verarbeiten. Tropmann war bewusstlos auf dem Eis liegen geblieben und musste die erste Nacht auf der Intensivstation des Klinikums Ingolstadts verbringen. Mittlerweile hat der 20-Jährige das Krankenhaus wieder verlassen, leidet aber noch an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas. Wagner entschuldigte sich bei Tropmann persönlich und öffentlich, er wurde für 14 Spiele gesperrt und wird in dieser DEL-Saison keine Partie mehr bestreiten.
„Wenn du einen Mitspieler einen Tag nach einem Spiel und einen Tag vor dem nächsten Spiel besuchst, und er hängt an irgendwelchen Geräten, ist das schwer aus den Klamotten zu schütteln“, sagte Ingolstadts Angreifer Daniel Pietta am Osterwochenende. Die Saison war für den ERC Ingolstadt da gerade ausgeklungen: Ingolstadt hatte den Halbfinaleinzug durch eine 3:7-Niederlage im letzten Spiel der Serie verpasst. Für den 39-jährigen Pietta stand nach seinen 13. DEL-Playoffs aber nicht das Sportliche im Mittelpunkt. „Für mich ist das Wichtigste, dass es Eddy wieder gut geht, dass er nächstes Jahr wieder bei uns ist, wieder spielen kann.“ Als sich die Ingolstädter Spieler auf dem Eis von ihren Fans verabschiedeten und „Edwin Tropmann“-Sprechchöre durch die Arena hallten, saß Tropmann in zivil auf der Spielerbank und winkte sachte ins Publikum.
Der torgefährlichste Spieler der Playoffs ist der Münchner Tobias Rieder
Pietta dachte auch an Wagner, mit dem er sechs Jahre lang in Ingolstadt zusammengespielt hat: „Fabio ist ein toller Mensch und tadelloser Sportmann. Er würde das nie mit Absicht machen“, sagte er. Ihn nur auf diese Situation zu reduzieren, sei „totaler Quatsch“. Wagner habe seine Strafe bekommen – und, was für Pietta viel wichtiger ist, „direkt reagiert“ und den Kontakt zu Edwin Tropmann aufgenommen. „Darüber war Eddy sehr glücklich.“
Nicht glücklich war Pietta darüber, wie Münchens Trainer Oliver David wenige Minuten nach dem Vorfall in einem TV-Interview aufgetreten war. „Gerade von einem Trainer erwarte ich, dass er wenige Minuten, nachdem sich ein junger Mann auf dem Eis nicht mehr bewegt hat und abtransportiert wurde, nicht sagt, dass das Teil des Spiels ist – auch wenn er es später vielleicht revidiert hat.“ Oliver David, der von der Liga „wegen mangelnder Einwirkung auf die Disziplin seiner Mannschaft“ mit einer Geldstrafe belegt wurde, sprach von einem „Lernmoment“ und nahm sich vor, seine Worte „sorgfältiger zu wählen“.
Nach der „mental beinharten Serie“ gegen Ingolstadt, wie Münchens Manager Winkler sagte, wartet auf den Klub jetzt das Halbfinale. Winkler rechnet gegen Mannheim mit einer umkämpften Serie, „die Adler und wir battlen uns jetzt ja schon über Jahre“. Es ist seit 2018 das vierte Playoff-Aufeinandertreffen zwischen den beiden Klubs, vergangene Saison setzen sich die Mannheimer im Viertelfinale 4:2 durch. Am Ende der 52 Spiele langen Hauptrunde trennten beide Teams nur drei Punkte, zwei ihrer vier Hauptrundenduelle wurden erst im Penaltyschießen entschieden. „Ausgeglichener könnten beide Mannschaften kaum aufgestellt sein“, betonte Adler-Trainer Dallas Eakins.
Den torgefährlichsten Spieler der Playoffs haben die Münchner in ihren Reihen: Tobias Rieder. „Ich versuche einfach, so gut es geht, meinen Stiefel runterzuspielen“, sagte der 33-jährige Nationalspieler nach seinen sechs Viertelfinaltoren trocken und hob dabei hervor, dass ihm auch zugutekomme, jedes Playoffspiel mit denselben Reihenkollegen – Taro Hirose und Adam Brooks – bestritten zu haben. Es sei immer schön, „wenn man mit den gleichen Zwei länger zusammenspielt“, sagte er, weil man einander „so auf dem Eis besser kennenlernt“. Das Trio hat in der Viertelfinalserie gegen Ingolstadt insgesamt beeindruckende 24 Scorerpunkte gesammelt.
Rieder, der jahrelang in Nordamerika gespielt hat, weiß, dass es in den Playoffs besonders hitzig werden kann. „Die Emotionen sind hoch, es geht um sehr viel.“ Natürlich hoffe man, „dass so etwas nicht mehr vorkommt“, sagte er, angesprochen auf die schwere Verletzung von Edwin Tropmann, „aber ich glaube auch nicht, dass es das letzte Mal in der Eishockeygeschichte war, dass ein Spiel so läuft“.


