bedeckt München 16°

Eishockey:Pläne mit Publikum

Ausverkaufte Mercedes-Benz Arena am Ostbahnhof und damit neuer Zuschauerrekord in einem Dezember - Aktion - Spielszene

Spiele vor Fans sind von existenzieller Bedeutung: Ausverkaufte Arena in Berlin beim Spiel der Eisbären gegen Augsburg im Dezember 2019.

(Foto: Mario Stiehl/Imago)

Eine "Task Force" stellt das Hygienekonzept für die kommende Eishockey-Saison vor, die im Herbst beginnen soll - vor Zuschauern. Das Konzept orientiert sich an den Erfahrungen aus anderen Sportarten.

Von Johannes Schnitzler

Luftströmungen und die Verteilung von Aerosolen in Hallen sind nicht die Themen, mit denen sich das deutsche Eishockey normalerweise auseinandersetzt. Das eine lässt sich momentan vom anderen aber nicht trennen. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) plant, im November in die neue Saison zu starten, so viel ist seit vergangener Woche klar. Der traditionelle Deutschland Cup (7. bis 10. November) wird deshalb zum doppelt symbolischen Datum. "Das ist ein eminent wichtiges Turnier für den Deutschen Eishockey-Bund, an dem wir auch festhalten wollen", sagte DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel am Donnerstag: Nicht nur, weil die Nationalmannschaft auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2022 nur wenige Gelegenheiten haben wird, sich einzuspielen - wegen des Coronavirus ist bereits die WM im Mai ausgefallen; sondern auch, weil das Vier-Nationen-Turnier in Krefeld vor Zuschauern stattfinden soll, so wie im Anschluss die DEL-Saison. Grundlage für Spiele vor Zuschauern ist das Hygienekonzept, das die "Task Force Eishockey" aus Vertretern von DEB, Profiligen, Ausrüsterfirmen und Gesundheitsexperten am Donnerstag in einer Videokonferenz vorstellte.

"Das ist ein ziemlich gutes Konzept, mit dem wir die Spieler wieder aufs Eis bringen", sagte DEL-Spielbetriebsleiter Jörg von Ameln. Rund 80 Seiten umfasst das Papier, das vom Trainingsbetrieb bis zum Abstand der Trinkflaschen auf der Spielerbank detaillierte Vorgaben macht und am Bundesstützpunkt in Füssen einem Praxistest unterzogen wurde. Dennoch sind viele Fragen offen. So gibt es bislang keine Rückmeldung aus der Politik, der das Konzept bereits seit Anfang des Monats vorliegen soll. "Stand heute haben wir das Feedback noch nicht", räumte Schaidnagel ein. Neben einem Weg, Zuschauer möglichst kontaktfrei durch die Stadien zu schleusen, "müssen wir einen Rhythmus finden, in dem wir Spieler regelmäßig testen", sagte der medizinische DEB-Koordinator Lutz Graumann. Überlegungen, die Spieler zum Schutz mit Vollvisierhelmen auszustatten, werden nicht mehr verfolgt. "Durch die Kälte des Eises werden die Partikel schnell zu Boden fallen. Deshalb ist ein Vollvisier nicht notwendig", erklärte Graumann.

Spiele vor Publikum seien für die Profiklubs von existenzieller Bedeutung, das betonten die Teilnehmer der Konferenz noch einmal. Für die Entscheidung über die Anzahl der zugelassenen Zuschauer sind drei Kategorien vorgesehen: "Pandemie-Level hoch": keine Zulassung; "mittel": eingeschränkte Zulassung unter Auflagen; "niedrig": sukzessive Rückkehr zum Normalbetrieb. Wie die Tests erfolgen sollen und wer für die Kosten aufkommt, ist indes ungeklärt. "Jetzt sind die Klubs gefordert. Das Entscheidende muss vor Ort passieren", sagte von Ameln. Zudem müssen die lokalen Gesundheitsbehörden und die jeweiligen Bundesländer den Spielbetrieb mit Zuschauern erst genehmigen.

© SZ vom 17.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite