Eishockey Pelé aus Saskatchewan

"Er ist der größte, der je gespielt hat": Wayne Gretzky über Gordie Howe, der hier 1968 den Puck hochhält, mit dem er sein 700. Tor als Profi schoss.

(Foto: AP)

Der Kanadier Gordie Howe hat das Eishockey geprägt wie keiner Spieler vor oder nach ihm, die Fans liebten ihn. Ein Nachruf auf "Mr. Hockey", der am Freitag im Alter von 88 Jahren gestorben ist.

Von Johannes Kirchmeier

Eishockeyfans lieben Spieler, die Tore schießen. Sie lieben Spieler, die Tore vorlegen. Und, das ist eine Besonderheit dieses Sports, sie lieben auch solche Spieler, die nie ein Tor schießen und nie eine Vorlage geben, wenn sie hier und da einen Gegenspieler verhauen. Aber ganz besonders bewundern Eishockeyfans solche Spieler, die alle Komponenten des Eishockeys - Leidenschaft, Kampf und Torgefährlichkeit - vereinen. Wenn einem Spieler das seltene Kunststück gelingt, in einem Spiel ein Tor zu schießen, eines vorzubereiten und an einer Rauferei teilzuhaben, aus der mindestens eine fünfminütige Zeitstrafe folgt, dann nennt man dies einen "Gordie-Howe-Hattrick".

Eishockeyfans lieben Spieler wie Gordon "Gordie" Howe einer war. Jener Mann, den sie "Mr. Hockey" nannten - und der am Freitag im Alter von 88 Jahren gestorben ist.

Auf dem Eis brach er nahezu alle Rekorde in der nordamerikanischen Profiliga NHL. Und in diversen Faustkämpfen sei nie seine Nase gebrochen worden, betonte er einmal, wohl "aber bei elf anderen" Spielern. Er habe immer an "pures Eishockey" geglaubt, sagte er: "Dazu gehörte auch, dass ich während des Spiels jeden Gegenspieler hasste. Hinterher waren wir wieder Freunde."

Laut auf dem Eis, leise daneben

Als eines von neun Geschwistern wurde Howe am 31. März 1928 geboren, zur Zeit der großen Wirtschaftskrise in Nordamerika, der "Great Depression". Er wuchs in der Provinz Saskatchewan auf. In diesem Seenland mitten in Kanada lernen noch heute die Kinder vor dem Laufen das Eislaufen. So dürfte es auch bei Howe gewesen sein.

1946, mit 18 Jahren, in einer Zeit, in der die Eishockeyspieler noch keine Helme trugen, wechselte Howe in die NHL zu den Detroit Red Wings. Er sollte die Liga verändern wie keiner vor ihm: Insgesamt 1850 Punkte erreichte Howe, was nach ihm erst Wayne Gretzky übertrumpfen sollte, viele Jahre später. Die Presse taufte Howes Angriffsreihe mit Sid Abel und Ted Lindsey in den 1940er und 50er Jahren "production line", was einerseits gut zur Autostadt Detroit passte, andererseits zu den vielen Scorerpunkten und den vier Stanley Cups, die Howe bis zum Ende seiner Karriere produzierte. Als Zeichen der Anerkennung vergibt Detroit seine Rückennummer neun nicht mehr.

So kämpferisch Howe auf dem Eis war, so leise war er daneben. Die Karriereplanung überließ er seiner Frau Colleen, der "Mrs. Hockey", mit der er bis zu ihrem Tod 2009 55 Jahre verheiratet war. Sie fädelte auch ein ganz besonderes Comeback ein: Nachdem Howe aufgrund einer Handgelenksverletzung 1971 die Karriere scheinbar beenden musste, stand er ab 1973 noch einmal vier Jahre mit seinen Söhnen Marty und Mark auf dem Eis. 1980, mit 52 Jahren und nach bisher unerreichten 1767 NHL-Spielen, beendete er seine Karriere ein zweites Mal.

Bis er mit knapp 70 Jahren von einer Reporterin gefragt wurde: "Sagen Sie mal, was für eine Art von Ruhestand verstehen Sie nicht?" Howe antwortete mit einem Lächeln: "Ruhestand." Grauhaarig und als einziger Spieler ohne Helm flitzte er für ein einmaliges Comeback 1997 noch einmal übers Eis.

Wayne Gretzky trauert um den "größten Eishockeyspieler, der je gespielt hat"

Howe war wie Wilt Chamberlain im Basketball oder Pelé im Fußball, das Vorbild das weit über seine Sportart hinaus bekannt wurde, und zu dem die Nachfolger aufblickten. Besonders beeinflusst hat er etwa seinen Landsmann Wayne Gretzky, der inzwischen fast alle NHL-Rekorde hält: "Für mich ist er der größte Eishockeyspieler, der je gespielt hat", sagte Gretzy, "er wird schmerzlich vermisst werden." In den vergangenen Jahren war es ruhiger um Howe geworden, nachdem er 2014 einen Schlaganfall erlitten hatte und an Hautkrebs erkrankte.

Mit dem "Mr. Hockey" ist ein Mann gestorben, der Eishockey lebte und liebte. Der kanadische Reporter Dan Robson verbreitete am Freitag im Internet einen Ausschnitt seines Artikels, in dem er über Howe schrieb. Robson beschreibt dort einen Spaziergang mit Howe und dessen Sohn Murray. Dabei fragt Murray seinen Vater, was er in seiner Trauerrede über ihn sagen sollte. Gordie Howe antwortete: "Das dritte Drittel der Partie ist vorbei. Ich hoffe, dass sie ein gutes Eishockey-Team im Himmel haben."