Eishockey:Das Momentum für die Oilers

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Der deutsche NHL-Profi Leon Draisaitl hat mit Edmonton seine Final-Chance gewahrt: Die Oilers trafen sogar in Unterzahl und am Ende ins leere Tor. (Foto: Getty Images via AFP)

Die Edmonton Oilers schaffen ein erstaunliches Comeback und gleichen die Halbfinal-Serie gegen die Dallas Stars aus. Der deutsche Angreifer Leon Draisaitl trifft schon wieder.

Von Jürgen Schmieder

Eigentlich war’s schon vorbei. Die Edmonton Oilers hatten in Spiel vier dieser Best-of-seven-Halbfinalserie nicht ein Mal aufs Tor geschossen, da führten die Dallas Stars bereits 2:0. Torwart Stuart Skinner hatte die schon vor der Serie einhellige These bestätigt, der anfälligste der noch verbliebenen Torhüter zu sein – wie also sollte das noch was werden für die Oilers?

1:3 hätte es wohl nach diesem Spiel gestanden, das hätten sich die ohnehin favorisierten Stars angesichts von zwei Heimspielen in den letzten drei Partien nicht mehr nehmen lassen. Es war so still in der Halle in Edmonton, in der kurz davor noch 18.500 Kehlen die kanadische Hymne geschmettert hatten, dass beim Bully zu hören war, wie der Puck aufs Eis klatschte. Dann, ein „Let’s Go, Oilers“ aus einer Kehle, die eher verzweifelt klang. Doch es dauerte keine fünf Sekunden, da brüllten 18.500 Kehlen: „Let’s Go, Oilers!“

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Und wie es losging für Edmonton, es war kein „Let’s Go“, sondern eher ein tombradyeskes „Let’s-fucking-goooooooo!“ Die Oilers trafen, immer wieder, sogar in Unterzahl und am Ende ins leere Tor. Durch Treffer unter anderem auch von Leon Draisaitl, der sein zehntes Tor in diesen Playoffs schoss, hieß es am Ende 5:2 für die Oilers. 2:2 steht es nun in der Serie – mehr noch: Skinner hielt seinen Kasten sauber, er wehrte nach den Gegentoren 18 Schüsse ab. Er ist nun wieder diese coole Socke, durch nichts aus der Ruhe zu bringen. „Er hat uns zum Sieg getragen, und wir haben für ihn gespielt“, sagte Angreifer Corey Perry.

In der zweiten Halbfinal-Serie ist die Lage ähnlich: die New York Rangers verlieren die vierte Partie trotz Führung

Sie haben viel über „Momentum“ gesprochen bei den Oilers während diesen Playoffs; und tatsächlich könnte man Doktorarbeiten schreiben darüber, was sportpsychologisch in dieser spannenden Serie passiert: Edmonton gewann Spiel eins nach Verlängerung und dominierte auch die nächste Auswärtspartie – verlor jedoch 1:3. Sie führten 2:0 in Spiel drei – und verloren 3:5. Es folgte diese verrückte vierte Partie in Edmonton, nach der offenbar die Oilers wieder das Momentum auf ihrer Seite haben.

In der zweiten Halbfinal-Serie ist es ganz ähnlich, die New York Rangers verloren die vierte Partie trotz Führung nach Verlängerung. Gegen die Florida Panthers steht es ebenfalls 2:2. „Es ist erstaunlich, was da passiert“, urteilte selbst Eishockey-Legende Wayne Gretzky im US-TV. Adrenalin sei ein wichtiger Faktor angesichts dessen, dass nach einer langen Saison und intensiven Playoffs kein Profi in Bestform sei: „Alles tut weh, du kannst nicht mehr – alles, was dir einen Schub verleiht, hilft normalerweise. In diesen Halbfinal-Serien scheint es dem Team mit Momentum eher zu schaden. Es geht nun auch um mentale Fitness und Balance.“

Die fünfte Partie findet am Samstag in Dallas statt. Und in dieser Serie ist nur eines gewiss: Es ist noch nicht vorbei.

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