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Eishockey-Nationalteam:Bern ist vorbei

Die Eishockey-Nationalmannschaft gewinnt nach 13 Jahren wieder den Deutschland Cup - und betreibt dabei Vergangenheitsbewältigung.

Eine Minute vor Schluss standen die Zuschauer in der Münchner Olympiahalle auf, es wurde geklatscht und gesungen, die letzten zehn Sekunden wurden laut mitgezählt, und als das Spiel zu Ende war, klopfte Uwe Krupp seinem Assistenten Klaus Merk auf die Schultern.

Grund zur Freude gab's für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft nach dem 5:1 gegen die Schweiz beim Deutschland-Cup.

(Foto: Foto: dpa)

Der Bundestrainer ist ein nüchterner Typ, dabei hätte man es verstanden, wenn er Merk um den Hals gefallen wäre: Deutschland hatte gewonnen, 5:1, gegen die Schweiz, eines der führenden Eishockeyteams Mitteleuropas, und weil später die Slowakei die USA besiegte, sogar - erstmals seit 1996 - den Deutschland Cup.

Oben auf der Haupttribüne saß Charly Fliegauf, der Sportliche Leiter des EHCWolfsburg, die ehemaligen Nationalspieler Didi Hegen, Bernd Truntschka und Harry Birk saßen neben ihm, und auch viele andere bekannte Gesichter aus der Branche waren da, zum Beispiel Berlins Manager Peter John Lee, Augsburgs Trainer Larry Mitchell, Kölns Sportdirektor Rodion Pauels. Die DEL war da beim Deutschland Cup, das gesamte deutsche Eishockey war da, und das war doch mal ein gutes Zeichen.

Nur noch acht Ausländer

Die desaströse WM 2009 in Bern hat ja wenigstens eines gebracht: Die Erkenntnis, dass sie etwas tun müssen, und zwar alle zusammen. "Wir hatten viele Gespräche nach Bern", erzählt Uwe Harnos, der Präsident des Deutschen Eishockey Bundes (DEB), "und wir haben gesagt, dass auch die Liga sich aktiv einbringen muss." Deshalb gibt es nun dieses Modell: Die Deutsche Eishockey Liga schickt zu jeder Maßnahme des Verbandes - der A-Nationalmannschaft sowie der U20- und U18-Auswahl - einen Beobachter aus dem Kreis ihrer Führungskräfte. Beim Vier-Länder-Turnier der U18 in Weißrussland war Augsburgs Geschäftsführer Max Fedra dabei, beim Turnier der U20 in Füssen fungierte Ingolstadts Sportdirektor Jim Boni als Assistenztrainer, und beim Deutschland Cup in München war Charly Fliegauf der Beobachter. Er war von Anfang bis Ende dabei, während der Spiele, Trainingseinheiten, bei Mannschaftsbesprechungen.

Harnos hätte sich zwar gewünscht, dass einer aus der DEL auch bei den Trainingseinheiten dabei ist, als Assistenztrainer quasi, aber er will nicht klagen, Fliegaufs Anwesenheit war ein positives Signal. "Es ist wichtig, dass wir gemeinsam auftreten", sagt Fliegauf, bislang war das nicht oft so. Fliegauf sagt auch, er habe Verständnis für die Verärgerung des Bundestrainers, nur den Deutschland Cup als Olympia-Vorbereitung zu haben - "man muss Kompromisse eingehen", das wolle man nun versuchen.

Er weiß wohl, dass die aktuelle Situation wenig mit einem Kompromiss gemein hat, aber der erste Schritt, das immerhin, ist die ständige Kommunikation zwischen Liga und Verband, die durch das Beobachtermodell gewährleistet wird. Krupp begrüßt das: "Die Zusammenarbeit beim Deutschland Cup ist sehr gut verlaufen", lobt er. Intern ist man allerdings noch skeptisch, wie die gemeinsame Zukunft in der Praxis aussehen wird. Noch diktiert die DEL den Spielplan der Nationalmannschaft. Während es etwa in der russischen KHL selbstverständlich ist, die Besten zu Verbandsmaßnahmen abzustellen, gehen dem in Deutschland oft noch zähe Diskussionen voraus.

Und doch bleibt vom Deutschland Cup 2009 vor allem dieses Gefühl: Das deutsche Eishockey hat sich, aller Holprigkeiten zum Trotz, gut verkauft. Das Beobachtermodell ist ein Zeichen, dass man es besser machen will, alle Beteiligten sind um Harmonie bemüht, weshalb Fliegauf nicht einmal die harte Kritik Krupps am Niveau der DEL zum Anlass für Widerworte nimmt. "Mit Ligen wie der KHL, der tschechischen oder auch den skandinavischen Ligen können wir allein finanziell nicht mithalten", sagt er diplomatisch, und gibt zu, dass das Niveau in der DEL "in den letzten Jahren nicht gestiegen ist". Und auch, was Krupps ewige Forderung nach einer Ausländerreduzierung betrifft, zeigt sich die Liga einsichtig: "Die Reduzierung wird kommen", sagt Fliegauf; für nächste Saison wurde zwar bereits ein Festhalten an den maximal zehn Ausländerlizenzen beschlossen - für das Jahr darauf aber soll die Zahl auf acht reduziert werden. "Es laufen Gespräche", sagt Fliegauf. Dass die Reduzierung nötig ist, um die Nationalmannschaft zu stärken, daran zweifelt niemand, auch nicht in der DEL. Nur wolle man es "den deutschen Spielern auch nicht zu leicht machen, in die DEL zu kommen", das wäre der Qualität nicht einträglich, findet Fliegauf.

Dass die Deutschen trotz allem einen kleinen Kreis an Spielern haben, der auf internationaler Ebene mithalten kann, das ist auch eine Erkenntnis aus München. Die Deutschen spielten gefälliges Eishockey, waren in jeder der drei Partien dominierend. Sie unterlagen den USA erst im Penaltyschießen 2:3, gewannen so aber gegen die Slowakei 3:2, um sich dann mit dem 5:1 gegen die Schweiz den Gesamtsieg des mit 50000 Euro dotierten Turniers zu sichern. Es war der erste Erfolg der Deutschen gegen die Schweiz seit sieben Spielen - und erst der dritte Gesamtsieg beim seit 1987 ausgetragenen Deutschland Cup.

Uwe Krupp konnte überaus zufrieden sein mit dem Turnier, das sportliche Niveau war gut, seine Spieler wurden ausreichend gefordert. "Alles geht schneller als in der DEL, man hat weniger Zeit", fand Kapitän Sven Felski. Noch am Samstag mussten Felski, Krupp und Kollegen zahlreiche Fragen zum Debakel von Bern beantworten, es schien, als bliebe die WM 2009 ihr ewiger Begleiter.

Am Sonntagabend fragte niemand mehr.

Eishockey-WM

Unabsteigbar in der Schweiz