Deutsche Eishockey-NationalmannschaftDas Gerüst schwankt

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Glückwunsch, Kollege: Leon Hüttl (links) gratuliert dem gebürtigen Landshuter Fabio Wagner zu seinem Tor zum 3:0-Endstand.
Glückwunsch, Kollege: Leon Hüttl (links) gratuliert dem gebürtigen Landshuter Fabio Wagner zu seinem Tor zum 3:0-Endstand. (Foto: ActionPictures/Imago)
  • Das DEB-Team gewinnt den Deutschland Cup durch ein 3:0 gegen die Slowakei, hinterlässt aber nach dem 2:5 gegen Österreich einen bedingt olympiatauglichen Eindruck.
  • Während Tor und Angriff für Olympia weitgehend besetzt sind, haben Bundestrainer Kreis und Assistent Sulzer in der Abwehr noch kein stabiles Gerüst gefunden.
  • Moritz Seider gilt als idealer Verteidiger, stand aber beim Deutschland Cup nicht zur Verfügung und wird erst bei Olympia im Februar wieder dabei sein.
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Das DEB-Team gewinnt dank eines 3:0 gegen die Slowakei den Deutschland Cup, hinterlässt aber nur einen bedingt olympiatauglichen Eindruck. Vor allem in der Abwehr liegt noch viel Bastelarbeit vor dem Bundestrainer.

Von Johannes Schnitzler, Landshut

Wenn Alexander Sulzer sich den idealen Eishockeyverteidiger zusammenbasteln dürfte, dann bräuchte er nicht viele Bauteile. Im Grunde nur ein einziges: „Der Mo Seider ist schon sehr nah dran am Ideal“, sagt Sulzer, der ehemalige NHL-Verteidiger. Warum Seider? „Weil er alle Attribute mitbringt: Er ist ein guter Schlittschuhläufer und offensiv sehr, sehr kreativ. Auf der anderen Seite ist er körperlich super präsent, blockt Schüsse, checkt. Er macht alles, was von ihm verlangt wird.“

Moritz „Mo“ Seider, 24, Abwehrchef der Detroit Red Wings, gilt als einer der besten Defensivspieler in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL – und damit als einer der besten weltweit. „Wie Matthew Tkachuk (Florida Panthers, Anm. d. Red.) als Stürmer ist, so ist der Mo Seider für mich als Verteidiger“, sagt Sulzer, ein Komplettbausatz quasi: alles drin, alles passt zusammen.

DEB-Kapitän Moritz Müller
:Der alte Mann will noch mehr

Drei Monate vor den Olympischen Spielen gehen dem deutschen Eishockeyteam die Abwehrspieler aus. Für Kapitän Moritz Müller die Chance zu zeigen, dass er auch mit 39 Jahren unentbehrlich ist.

Von Johannes Schnitzler

Beim Deutschland Cup in Landshut stand Seider dem Bundestrainer Harold Kreis und seinem Assistenten Sulzer nicht zur Verfügung. Seider ist gesetzt, wenn es im Februar zu den Olympischen Spielen nach Mailand geht, und auch ohne ihn gewann das Team des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) am Sonntag in Landshut durch Tore von Parker Tuomie, Bennet Roßmy und Fabio Wagner 3:0 (2:0, 1:0, 0:0) gegen die Slowakei und damit den 36. Deutschland Cup. Im Gegensatz zum ernüchternden 2:5 tags zuvor gegen die nicht für Mailand qualifizierten Österreicher zeigten sich die Deutschen wieder deutlich konzentrierter.  Hinter vielen Namen stehen aber Fragezeichen.

Nach dem überzeugenden 4:1 gegen Olympia-Gruppengegner Lettland hatte die Mannschaft gegen Österreich jede Körperspannung vermissen lassen, das sah auch Kapitän Moritz Müller so: „Das war kein gutes Spiel von uns, eigentlich von der ersten Minute weg. Die Österreicher hatten ein Messer zwischen den Zähnen, und wir waren nicht bereit, den Kampf zu erwidern.“ Müller, bald 39 und womöglich in seiner letzten Saison auf dem Eis unterwegs, vermisste das Aufbäumen im Team: „Man kommt so selten zur Nationalmannschaft zusammen, die Gelegenheiten sind rar gesät. Da müssen wir mental anders auftreten und nicht erst die Zehen ins Wasser tippen und schauen, wie kalt es ist.“ So wie am Sonntag. „Ich bin sehr froh, dass wir heute ein anderes Gesicht gezeigt haben, so wie gestern wollten wir nicht auftreten“, sagte Müller nach dem Sieg gegen die Slowaken bei Magentasport. „Das war einfach nix. Blutleer. Umso wichtiger war die Antwort heute.“

Während drei Monate vor den Olympischen Spielen im Tor und im Angriff viele Plätze bereits vergeben sind und sich um die übrigen die Bewerber drängeln, haben die ehemaligen Verteidiger Kreis und Sulzer in der Abwehr noch kein stabiles Gerüst. Acht Verteidiger sollen es werden. Seider, der Berliner Jonas Müller (der wie alle anderen Berliner beim Deutschland Cup geschont wurde) – aber dann? Berlins Kapitän Kai Wissmann hat nach seiner Achillessehnenverletzung im August noch kein Saisonspiel bestritten, Teamkollege Korbinian Geibel wird wohl nicht rechtzeitig von seiner Knieverletzung genesen. In Maksymilian Szuber (Tucson) steht noch ein WM-Silbermedaillengewinner von 2023 aus der American Hockey League auf der Liste, ein weiterer in Torschütze Wagner. Dahinter wird es dünn.

„Wir sprechen nicht über individuelle Fehler. Es ist eine mannschaftliche Gesamtleistung und die war heute nicht ausreichend“, sagt der Bundestrainer

Wie extrem weit die Leistungen gegen Lettland, gegen Österreich und gegen die Slowaken auseinander lagen, ließ sich beispielhaft am jüngsten und am ältesten Spieler nachzeichnen. Der Jüngste, der Münchner Philipp Sinn, ausgebildet in der Red-Bull-Akademie in Liefering, zweimal österreichischer Meister mit dem EC Red Bull Salzburg, hatte gegen Lettland beherzt aufgespielt und sein erstes Länderspieltor erzielt. Olympia dürfte vielleicht noch zu früh kommen, aber der 21-Jährige ist ein Spieler für die Zukunft. Am Samstag gegen Österreich leistete er sich nach fünf Spielsekunden ein schlampiges Abspiel und eine Strafzeit, vor dem 0:1 vertändelte er im Überzahlspiel die Scheibe.

Sinn war weder schuld an der Niederlage noch wurde er zum Sündenbock erklärt. Er sollte sich in Landshut zeigen, an die Mannschaft und an das internationale Niveau heranarbeiten. Sinn war nur einer von vielen im deutschen Team, die ihr eigenes Level, das gewohnte oder das behauptete, gegen Österreich nicht erreichten. „Natürlich bin ich unzufrieden mit meiner Performance, das habe ich mir ganz anders vorgestellt, vor allem gegen die vielen ehemaligen Kollegen“, sagte er hinterher. „Ich habe mich ein bisschen schwergetan mit dem ganzen Lob, das ich jetzt bekommen habe. Und dann will man es noch mal extra gut machen und, ja, das hat nicht ganz hingehauen. Vielleicht habe ich den Druck selbst in meinem Kopf fabriziert.“ Am Sonntag hatte auch er sich neu kalibriert und spielte wie am ersten Turniertag.

Bundestrainer Harold Kreis (rechts) und sein Assistent Alexander Sulzer.
Bundestrainer Harold Kreis (rechts) und sein Assistent Alexander Sulzer. (Foto: Hafner/Nordphoto/Imago)

Sinn agierte in Landshut vorwiegend an der Seite von Moritz Müller, dem Teamältesten, dem großen Mo sozusagen. „Von Mo kann man extrem viel mitnehmen“, sagte Sinn: „Er ist so erfahren, das sieht man in der Kabine, wenn er Ansprachen hält, was er sagt, wie seine Körperhaltung ist.“ Müller war es dann auch, der gegen Österreich zwischenzeitlich zum 1:1 ausglich und sich mit seriöser Abwehr- und Kabinenarbeit noch am nachdrücklichsten für sein Olympiaticket empfahl. „Unsere Entscheidungsfindung war heute einfach zu langsam“, sagte der Bundestrainer.

Vor dem 1:3 waren die deutschen Verteidiger zu tief und ohne genügende Absicherung aufgerückt, vor dem 1:4 hinderte niemand Vinzenz Rohrer an seinem zweiten Treffer. Auch der Mannheimer Leon Gawanke, laut Kreis ein Spieler, „der mit der Scheibe wirklich gut umgehen kann“, ließ sich vor dem 1:5 viel zu leicht vom Puck trennen. „Ja, auch für Leon war es ein frustrierendes Spiel heute“, sagte Kreis. „Aber wir sprechen nicht über individuelle Fehler. Es ist eine mannschaftliche Gesamtleistung und die war heute nicht ausreichend.“ Am Sonntag nannte er die Teamleistung in seiner Kabinenansprache dann „fantastisch“.

Trotz des Turniersiegs werden Kreis und Sulzer bis zu den Olympischen Spielen Lösungen finden müssen, um die Lücken in der Abwehr zu schließen; zu harmlos waren die Slowaken am Sonntag, um sie einem echten Härtetest zu unterziehen. Wenn die Nächte jetzt wieder länger werden, schlägt aber bekanntlich die hohe Zeit der Bastelarbeiten.

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