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Eishockey-Nationalmannschaft:Der Hut kommt wieder ins Museum

Deutschland - Slowakei

Allein auf weitem Eis: Nationalspieler Mathias Plachta (Mitte) wird beim Deutschland-Cup von seinen slowakischen Gegnern umzingelt.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Beim Abschied von Marco Sturm als Bundestrainer gelingt der Eishockey-Auswahl kein Sieg. Ein Nachfolger wird gesucht.

Von Ulrich Hartmann, Krefeld

Der Pepita-Hut hat vorläufig ausgedient. Die Kopfbedeckung mit dem Karomuster kommt erst einmal zurück ins Eishockeymuseum nach Augsburg. Von dort hatte sich der Bundestrainer Marco Sturm den Hut seines legendären Vorgängers Xaver Unsinn vor drei Jahren ausgeliehen, um ihn nach jedem gewonnenen Länderspiel als Trophäe an seinen besten Nationalspieler zu verleihen; seitdem saß also nach jedem Sieg ein Spieler mit dem Hut auf dem Kopf in der Kabine. Aber wenn Sturm an diesem Montag nach Los Angeles fliegt, um dort am Dienstagabend beim Spiel der Kings gegen Toronto erstmals als Assistenztrainer in der nordamerikanischen Profiliga NHL hinter der Bande zu stehen, muss der Hut wohl zurück nach Augsburg. Bei Olympia vor neun Monaten in Südkorea hat der Hut Sturm und seine Spieler beim erfolgreichsten Kapitel in der Geschichte des deutschen Eishockeys begleitet, insofern war er am Wochenende beim Deutschland-Cup in Krefeld auch ein Symbol der Wehmut. "Der Abschied tut weh", sagte Sturm. Sein Nachfolger müsse entscheiden, ob der Hut noch gebraucht wird oder endgültig im Museum bleibt. Doch ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

Der Deutschland-Cup, bei dem Sturm vor drei Jahren mit dem Titelgewinn seine Premiere gefeiert hatte und der nun erstmals in Krefeld ausgetragen wurde, war rein sportlich ein mittelprächtiger Abschied. Nach einem 3:4 nach Verlängerung gegen den späteren Turniersieger Russland und einem 3:4 nach Penaltyschießen gegen den späteren Turnierzweiten Schweiz spielte das deutsche Team am Sonntag im letzten Gruppenspiel gegen die zuvor ebenfalls sieglosen Slowaken um Platz drei. Deutschland verlor 0:2 und wurde Letzter. Am Donnerstag war der Pepita-Hut nicht vergeben worden, am Samstag nicht, am Sonntag auch nicht.

Es war schon vorher klar, dass dieser Deutschland-Cup, wie auch immer er enden würde, die Bilanz des Bundestrainers Sturm nicht mehr trüben konnte. Mit der Finalteilnahme bei Olympia hat er sich unvergessen gemacht. Er selbst sagt, diese Silbermedaille als Referenz habe ihm den neuen Job bei den Los Angeles Kings überhaupt erst ermöglicht. Nur der in Kanada geborene Ralph Krueger hat zuvor als Deutscher mal ein Team in der National Hockey League (NHL) trainieren dürfen: von 2010 bis 2013 die Edmonton Oilers. Sturm ist also erst der zweite Deutsche, dem diese Ehre zuteil wird.

"Das macht auch uns Spieler stolz", sagt der Nationalmannschaftskapitän Marcus Kink. "Das ist gut fürs deutsche Eishockey, möglichst viele Deutsche dort drüben zu haben in der stärksten Liga der Welt", sagt der Münchner Frank Mauer. Sturm wird von Los Angeles aus auch die deutschen Eishockey-Talente beobachten, und wenn mal einer heraussticht, dann könnte er behilflich werden. Das ist gut zu wissen für die jungen Spieler, aber ist das auch gut für die deutschen Klubs?

Sturm hat ja entscheidend darauf hingewirkt, dass mehr junge Deutsche eingesetzt werden in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), in der in den vergangenen Jahren viele Ausländer zum Einsatz gekommen sind. "Powerplay 26" haben sie beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) ein Perspektivkonzept genannt zur Stärkung des Nachwuchses. Ziel des Konzepts ist es, von 2026 an bei den großen Turnieren mit Medaillenchancen anzutreten.

Die Umsetzung dieses Projekts sieht nun mancher in Gefahr, weshalb der DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel über die Nachfolgersuche klipp und klar sagt: "Inhalt geht vor Person." Der Verband sucht folglich einen neuen Bundestrainer, der "Powerplay 26" genauso akribisch angeht wie Sturm. Vor seinem Abflug nach Los Angeles hat sich der 40 Jahre alte Dingolfinger deshalb auch noch einmal mit einem flammenden Appell ans deutsche Eishockey gewandt. Über die Bemühungen der deutschen Klubs zur Entwicklung von jungen deutschen Spielern sagte er in Krefeld: "Im Moment reicht das einfach noch nicht." In der Nachwuchsarbeit gebe es noch viel zu tun.

Auch beim Deutschland-Cup hat Sturm wieder viele junge Spieler ins Team geholt: den 20 Jahre alten Iserlohner Lean Bergmann, den 22 Jahre alten Straubinger Stefan Loibl, den gleichaltrigen Düsseldorfer Leonhard Niederberger, die beiden 23 Jahre alten Markus Eisenschmid aus Mannheim und Fabio Pfohl aus Düsseldorf. "Wir haben viele Talente, die in diesen Kader drängen", sagt der Mannheimer Nationalspieler David Wolf. Aber Achtung: In Krefeld waren am Wochenende 30 Scouts aus der NHL auf Talentsuche. Das Vermächtnis des Trainers Sturm jedenfalls soll an den Nachfolger weitergegeben werden. Der zurzeit bei Sparta Prag tätige Uwe Krupp, aber auch der Trainer des Zweitligisten Bad Nauheim, Christof Kreutzer, werden gehandelt.

"Die Liste ist lang", sagt DEB-Präsident Franz Reindl, "wir haben viele Mails bekommen, da melden sich Agenten, da bringen sich Coaches in Erinnerung - das Interesse ist viel größer als vor drei Jahren." Man nehme sich jetzt alle Zeit zur Suche. Anschließend will Reindl überlegen, ob er 2020 für das Amt des Präsidenten im Weltverband kandidiert.

© SZ vom 12.11.2018
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