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Eishockey:Mit anderen Augen

Mike Connolly Straubing mit Puck EHC Eisbären Straubing Tigers Eishockey Deutsche Eishockey Lig

"Das war schon ein Risiko, ihn zu verpflichten": Als Mike Connolly im Sommer 2015 aus Augsburg nach Straubing kam, hatte er sich zum zweiten Mal in seiner Karriere das Kreuzband gerissen.

(Foto: Bernd König/imago)

Mike Connolly ist der Vorlagenkönig beim DEL-Zweiten Straubing - und mittlerweile der Allzeit-Topscorer der Tigers in der Liga.

Kurz bevor Mike Connolly im vergangenen Sommer wieder aufs Straubinger Eis zum Trainieren ging, da hatte sich der Eishockey-Spieler der Tigers noch etwas Besonderes überlegt. Sozusagen als ersten Schritt der Saisonvorbereitung im Juli: Gemeinsam mit dem Straubinger Golf-Pro Graeme Aspinall spielte der Kanadier 24 Stunden lang auf der Anlage in Kirchroth, knapp 100 Löcher schafften sie. So ganz ohne Schläger hält es der Kanadier Connolly eben nicht aus. Wie auch einige seiner Kollegen, weil die Hochsaisons der Sportarten ganz gut miteinander harmonieren. Dabei kamen knapp 5000 Euro für den guten Zweck zusammen. Connolly sagt, er wollte mit dem Charity-Event der Stadt etwas zurückgeben. Der Stadt, in der er glücklich ist und - das hängt vielleicht zusammen - zu einem der stärksten Spieler der Deutschen Eishockey Liga (DEL) reifte.

An diesem Freitagabend (19.30 Uhr) steht für Connolly und sein Team das Spitzenspiel beim Tabellenführer in München an. Sonderlich überrascht, dass das Team des kleinsten DEL-Standorts Straubing als Zweiter ganz oben dabei ist, wirken anders als zu Saisonbeginn nicht mehr allzu viele, Connolly eingeschlossen. Auch Münchens Topscorer Mark Voakes sagt: "Die haben ein paar richtig starke Spieler da."

Und damit meint er auch sein Pendant Connolly, das sie bei seinem früheren Klub, den Augsburger Panthern, einst "Zaubermaus" nannten - und das keinesfalls despektierlich. Connolly ist mit seinen 1,75 Metern Körpergröße eher den Mäusen als den Elefanten im Eishockey zuzuordnen. Nach 21 Saisonspielen ist er im niederbayerischen Winter mit 22 Punkten (fünf Tore, 17 Vorlagen) der Topscorer der Straubing Tigers. Selbst als 30-Jährigem entfährt ihm noch mit kindlicher Freude alle paar Sätze: "Ich liebe Eishockey. Und ich liebe es jedes Mal wieder, aufs Eis zu gehen." Und diese Spielfreude bringt er auch jedes Wochenende glaubhaft aufs Eis.

Bei den Vorlagen zählt Connolly alljährlich zu den stärksten Angreifern der Liga, meist profitiert davon der Straubinger Top-Torschütze und Reihenkollege Jeremy Williams: "Ich sehe das Spiel mit anderen Augen als Jeremy oder andere Stürmer", sagt Connolly. Statt selbst das Tor anzuvisieren, sehen diese Augen eben besonders bevorzugt die gut postierten Mitspieler, seit Kurzem ist er der Allzeit-Topscorer der Tigers in der DEL. Einen "Glücksgriff" nennt ihn sein Sportlicher Leiter Jason Dunham. Er findet, dass sich Connolly in den mehr als vier Jahren in Straubing zum "ruhigen Leader" gewandelt hat, mittlerweile ist er Assistenzkapitän. Er geht mit starken Leistungen voran, weniger als Ansager. Connolly ist ein Typ, der mit eher weniger Worten viel erzählen will. Aber in den ungewohnt starken Monaten in Straubing braucht es den großen Antreiber wohl nicht unbedingt, zumal die Tigers gerade das Miteinander des über Jahre gewachsenen Kaders auszeichnet. Daraus entsteht so langsam ein neues Selbstbewusstsein: Schon seit Wochen schielen sie statt des Saisonziels Top zehn auf die Top sechs.

Und zumindest mit einem Augenzwinkern sagt Connolly jetzt vor dem Spiel in München darüber, was er dem Klub noch zurückgeben will in den nächsten Jahren: "Hoffentlich können wir die Meisterschaft gewinnen." Das wolle schließlich jeder Eishockeyspieler. Vor einem Jahr hätte den Satz wohl noch kein Straubinger gesagt. Wenngleich allein der Weg bis zu den Playoffs, die im März beginnen, noch weit ist.

In Niederbayern fällt Connolly vor allem damit auf, dass er einer der akribischsten Arbeiter ist. Von Dienstag bis Sonntag sieht ihn Dunham trainieren. Connolly antwortet darauf im Scherz: "Ich trainiere immer, den ganzen Tag." Aber ein wahrer Kern sei schon dran: "Man kennt seinen Körper mit der Zeit - und weiß, was er braucht. Zudem werde ich auch nicht jünger, da muss ich etwas tun."

Vor seiner Zeit in Deutschland war der Angreifer öfter verletzt, unter den Ligatopscorern hat er die meisten Wechsel pro Spiel. Sein Trainer Tom Pokel gibt ihm inzwischen die Auszeiten, die er braucht, um im richtigen Moment den Mitspielern zu assistieren. 2015 kam Connolly ja noch als verletzter Spieler aus Augsburg nach Straubing, er hatte sich zum zweiten Mal in seiner Karriere das Kreuzband gerissen. "Das war schon ein Risiko, ihn zu verpflichten", sagt Dunham. Dass er ihn trotzdem geholt hat, hat ihm der Stürmer nicht vergessen. Zur vergangenen Vertragsverlängerung Anfang des Jahres kam Connolly ins Büro des Sportlichen Leiters und sprach ihn darauf an. Er wisse schon, dass er dem Klub noch etwas zurückzugeben hat.

© SZ vom 29.11.2019
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