Eishockey Matchball München

Wieder entscheidend beteiligt: Derek Joslin (links), der schon Spiel vier entschieden hatte, gab in Partie fünf den Schuss ab, der von Trevor Parkes (Zweiter von links) ins Tor abgefälscht wurde.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Der EHC gewinnt eine umkämpfte Partie gegen Augsburg mit dem knappsten aller Ergebnisse. Am Sonntag kann München das Endspiel erreichen.

Von Christian Bernhard

Wayne Gretzky ist die größte Referenzmarke, an der man sich in der Eishockeywelt orientieren kann. Der Kanadier, Spitzname "The Great One", gilt als der größte Spieler aller Zeiten, seine Trikotnummer 99 ist ein heiliger Eishockey-Gral. Wenig überraschend sind auch einige seiner Aussagen in das weltweite Eishockey-Vokabular eingegangen. Eine davon lautet: "100 Prozent der Schüsse, die du nicht abgibst, verfehlen ihr Ziel."

Der EHC Red Bull München, dessen Trainer Don Jackson als Spieler gemeinsam mit Gretzky den Stanley Cup gewonnen hat, hält sich in der Playoff-Halbfinalserie gegen die Augsburger Panther strikt an dieses Credo. Der amtierende Meister der Deutschen Eishockey Liga (DEL) schießt und schießt und schießt - und erntete in den vergangenen Tagen die Früchte dafür. Nach dem 2:1-Erfolg am Mittwoch in Augsburg siegte er am Freitagabend auch zuhause, diesmal mit 1:0 (0:0, 1:0, 0:0). Dadurch ging er in der Best-of-7- Serie mit 3:2 in Führung, er kann nun den Final-Einzug am Sonntag in Augsburg fixieren (14 Uhr).

Jackson schickte dieselbe Aufstellung wie beim 2:1 in Augsburg aufs Eis. Nationalspieler Patrick Hager, der am Mittwoch für einen Bandencheck an Simon Sezemsky eine Spieldauerdisziplinarstrafe bekommen hatte, war wieder dabei, da er von der Liga nicht nachträglich noch bestraft wurde. Jackson bekam am Freitag eine Geldstrafe wegen "unsportlichen Verhaltens" aufgebrummt, er war die Schiedsrichter am Mittwoch nach der Schlusssirene verbal angegangen. Augsburgs Coach Mike Stewart hieß zwei Rückkehrer willkommen: Kapitän Steffen Tölzer und Thomas Holzmann waren wieder mit dabei.

Die Anfangsphase gehörte wieder einmal den Münchnern. Auch dank eines frühen Überzahlspiels machte der Meister Druck auf die Augsburger Defensive und Torhüter Olivier Roy, der in den ersten Minuten mehrfach eingreifen musste. Seine beste Tat war eine Fanghand-Abwehr gegen den direkt vor ihm freistehenden Matt Stajan (9.). Daran änderte auch der auf dem Videowürfel eingeblendete und vom Heimpublikum bejubelte Dominik Kahun nichts. Der Nationalspieler, der Teil der vergangenen drei Münchner Meister-Mannschaften war, war nach seiner ersten NHL-Saison bei den Chicago Blackhawks in der ausverkauften Münchner Olympia-Eishalle zu Gast. Die Kahun-Einlage schien ein Startsignal für die Augsburger zu sein, die fortan auch mitspielten. Simon Sezemsky kreierte mit einer feinen Körpertäuschung und einem guten Schuss die beste Gäste-Chance (14.). "Wir arbeiten uns Stück für Stück ins Spiel rein", sagte Kapitän Steffen Tölzer nach dem Startdrittel. "Und jetzt kommen wir richtig."

Richtig geprüft wurde zu Beginn des zweiten Drittels aber erst einmal das Gestänge des Gäste-Tors, da Keith Aulie die Scheibe von der Blauen Linie an den Pfosten zimmerte (21.). Der EHC machte weiter Druck, die Statistiker notierten in den ersten zehn Spielminuten des Mitteldrittels nicht einen Schuss, den Münchens Nationaltorhüter Danny aus den Birken parieren musste. "Wir haben Augsburg nur wenige große Chancen gegeben", hatte EHC-Stürmer Mark Voakes vor der Partie mit Blick auf das Mittwochsspiel gesagt. Am Freitag traf das lange Zeit ebenso zu.

Offensiv belohnte sich der Meister in Minute 35: Derek Joslin zog im Powerplay von der Blauen Linie ab und Trevor Parkes fälschte den Puck mit seinem rechten Bein zum 1:0 ab. Der ehemalige Augsburger war erst der vierte Münchner Spieler, der Augsburgs Keeper Roy überwand in dieser Serie überwand. "Wir müssen einfach so weitermachen, dann wird schon der ein oder andere noch reinfallen", sagte Parkes nach seinem ersten Playoff-Treffer überhaupt im Münchner Trikot. Erzielt habe er ihn mit der Hose, fügte er an. Im Schlussdrittel waren die Münchner sehr passiv, was die Gäste fast nutzten. Sahir Gill traf erst den Pfosten, den Nachschuss von Matt Fraser wehrte aus den Birken glänzend ab (47.).

Auch danach kam der EHC nur noch schwer aus dem eigenen Drittel, doch die Mannschaft, die an diesem Abend nicht traf, war die der Augsburger - trotz zahlreicher Versuche im Schlussdrittel.