Eishockey Matchball Mannheim

Dritte Niederlage in fünf Tagen: Der EHC München muss nach dem 0:4 gegen Mannheim am kommenden Freitag unbedingt gewinnen, um das Finale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft am Leben zu halten.

Von Christian Bernhard

Christian Winkler hat als Manager des EHC Red Bull München eine prominente Rolle beim Serien-Meister der Deutschen Eishockey Liga (DEL) inne. Öffentlich tritt er aber nur selten in Erscheinung, da der österreichische Eigentümer die Devise verfolgt, beinahe ausschließlich Spieler und Trainer sprechen zu lassen. Am Mittwochabend gab Winkler eines seiner seltenen Interviews. In der ersten Drittelpause des vierten Finalspiels zwischen dem EHC und den Mannheimer Adlern plauderte er über das intensive Spiel und gab am Ende einen Tipp ab: "3:1 für uns." 0:0 stand es da.

Als Winkler das improvisierte TV-Studio neben der Eisfläche verließ, kamen die Spieler bereits wieder aufs Eis zurück. Das zweite Drittel begann. Nicht einmal sechs Spielminuten später hatte eine Mannschaft tatsächlich drei Treffer erzielt - allerdings war es nicht Winklers. Die Mannheimer zogen mit einem Dreifachschlag auf 3:0 davon, wovon sich der EHC nicht mehr erholte. Zwischen den drei Treffern vergingen nur etwas mehr als zwei Minuten. Das 0:4 (0:0, 0:3, 0:1) war die dritte Münchner Niederlage binnen fünf Tage, der EHC liegt nun in der Best-of-seven-Serie mit 1:3 Spielen zurück. Am Freitag muss er in Mannheim gewinnen, um die Serie am Leben zu halten. Ansonsten ist er nach drei Meisterschaften in Serie entthront. "Es ist jetzt natürlich eine Herkulesaufgabe", sagte Münchens Patrick Hager, "aber wir werden versuchen, am Freitag zurückschlagen."

Nachdem er in den vorangegangenen Partien den Start verschlafen hatte, war der EHC diesmal zu Beginn hellwach und deutlich aktiver als in den Spielen zuvor. Beide Teams schraubten die Intensität in der ohnehin packenden Finalserie noch einmal hoch. Stellvertretend dafür stand Hager, der alleine in seinem ersten Wechsel drei Checks setzte. Top-Chancen gab es auf beiden Seiten: Eine von Münchens Tobias Eder abgefälschte Scheibe ging an den Pfosten (4.), auf der Gegenseite rettete EHC-Profi John Mitchell auf der eigenen Torlinie gegen den einschussbereiten Chad Kolarik (6.). Zwei Minuten später brachte Mauer Mannheims Torhüter Dennis Endras mit einer schicken Bewegung ins Wanken, setzte die Scheibe aber neben das Tor. Ex-Nationalspieler Rick Goldmann sagte am Mikrofon von Sport 1, er könne sich nicht erinnern, wann er ein DEL-Spiel auf so hohem Niveau erlebt habe.

Die Münchner mussten wie am Montag verletzungsbedingt auf ihren Playoff-Topscorer Mark Voakes verzichten. Trevor Parkes, der in Spiel drei bereits nach zweieinhalb Minuten eine Spieldauerdisziplinarstrafe aufgebrummt bekommen hatte, war wieder von Beginn an dabei. EHC-Trainer Don Jackson hatte all seine Angriffslinien durcheinandergewürfelt und Ryan Button in den Sturm versetzt. Bei den Adlern fehlte Nationalspieler Sinan Akdag, der am Montag von Parkes am Knie erwischt worden war. Für den Verteidiger rückte Cody Lampl ins Aufgebot. Die Münchner waren im Startdrittel die spielbestimmende Mannschaft, dennoch verdankten sie es ihrem Torhüter Danny aus den Birken, dass sie nicht mit einem Rückstand in die erste Pause gingen. Der Nationaltorhüter vereitelte nach einem Querpass eine gewaltige Chance von Tommi Huhtala (15.).

Im Mitteldrittel kam Mannheim besser aus der Kabine und setzte seinen Dreifach-Stich. Erst traf der arg freistehende Lampl (24.), dann beförderte Benjamin Smith die Scheibe aus spitzem Winkel über aus den Birkens rechte Schulter (25.), zum Abschluss bugsierte Phil Hungerecker sie aus kurzer Distanz über die Linie (26.). Damit schien der Münchner Widerstand gebrochen zu sein, das Spiel des Meisters war nun zerfahren und beruhte oft auf Einzelaktionen. "Wir waren nicht wachsam", sagte Yasin Ehliz später zu den verhängnisvollen zwei Minuten und sechs Sekunden. Für die endgültige Entscheidung sorgte Matthias Plachta mit dem 4:0 nach 92 Sekunden des Schlussdrittels, Kevin Reich ersetzte aus den Birken daraufhin.

Münchens größtes Problem bleibt die Offensiv-Ausbeute. Nur drei Tore gelangen dem Meister der vergangenen drei Jahre in den ersten vier Finalspielen. Bereits im Halbfinale gegen Augsburg hatte der EHC einige Probleme mit dem Toreschießen. Da lag es hauptsächlich daran, dass er seine Chancen selten nutzte. Gegen die körperlich beeindruckenden Adler tut er sich mit Ausnahme des Auftaktdrittels am Mittwoch nun schwer, überhaupt zu guten Chancen zu kommen. "Wir wissen, dass wir zur Zeit nicht so viele Tore schießen", hatte Münchens Kapitän Michael Wolf vor Spiel vier gesagt. "Dann müssen wir einfach hinten gut stehen." Das misslang in der Anfangsphase des Mitteldrittels gewaltig. Manager Winkler hatte auch darauf verwiesen, dass man in einer Best-of-seven-Serie "erst einmal vier Spiele gewinnen" müsse. Mannheim ist davon nur noch einen Schritt entfernt.