Eishockey Mannheim gleicht aus

Hauptrundensieger Adler Mannheim - im Bild der kanadische Center Andrew Desjardins - gewinnt das zweite Play-off-Finalspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und darf weiter vom achten Meistertitel träumen.

(Foto: Andreas Pranter/imago)

Die Adler Mannheim gewinnen das zweite Spiel der DEL-Finalserie beim EHC München. Wieder erleben die Fans ein enges Spiel, in dem zeitweise mehr diskutiert und geschubst wird als gespielt.

Von Christian Bernhard, München

Zahlreiche Dichter der Antike haben furchteinflößende Abhandlungen über Giganten in die Welt gesetzt. Sie beschrieben sie als unübertroffen in ihrer Größe und Kraft, von furchterregender Erscheinung und mit Schlangenschuppen an den Unterschenkeln. Angeblich waren sie sogar in der Lage, Berge übereinander zu türmen. Schlangenschuppen sind bei den Spielern des EHC Red Bull München und der Adler Mannheim keine auszumachen. Trotzdem stilisierte der ehemalige Eishockey-Nationalspieler Rick Goldmann das Finalduell zwischen Mümchen und Mannheim um den Titel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zum "Kampf der Giganten".

Dieser Beschreibung machten beide Mannschaften am Samstagabend alle Ehre. Sie schenkten sich in der Münchner Olympia-Eishalle nichts und ließen immer wieder ihre Muskeln spielen. So wie nach der ersten Drittelsirene, als die Schiedsrichter ihre liebe Mühe hatten, nahezu alle Spieler beider Teams voneinander zu trennen. "Das sind die Playoffs", sagte Münchens Angreifer Maximilian Daubner, da tausche man sich eben "ein bisschen aus". Er grinste dabei. Das bessere Ende hatten am Samstag die Mannheimer. Sie gewannen 3:0 (1:0, 0:0, 2:0) und glichen in der Best-of-seven-Serie zum 1:1 aus. Spiel eins war am Gründonnerstag nach Verlängerung mit 2:1 an den Meister der letzten drei Spielzeiten aus München gegangen. Dadurch setzte sich eine kuriose Serie fort: Auch im sechsten Saisonspiel zwischen dem Hauptrunden-Ersten und Zweiten siegte die Auswärtsmannschaft.

Eisenschmid überwindet den Nationaltorhüter

Die Mannheimer hatten einen perfekten Start ins Spiel: Nach nur 81 Sekunden fiel Chad Kolarik die Scheibe vom Schlittschuh Derek Joslins vor die Füße und er knallte sie zum 1:0 unter die Latte. Danach waren große Chancen Mangelware. "Beide Mannschaften spielen sehr diszipliniert ohne Scheibe", sagte Mannheims Kapitän Marcel Goc. Aktiver waren aber die Adler, die dem EHC mit ihrem aggressivem Forecheck zahlreiche Probleme bescherten. Gegen Ende des ersten Drittels wurde allerdings mehr diskutiert und geschubst als gespielt.

Im Mitteldrittel ging es so weiter. Mannheims Thomas Larkin kassierte nach nur zwei Sekunden eine Strafzeit wegen Stockschlags, was dem EHC eine mehr als einminütige doppelte Überzahlmöglichkeit bescherte. Dennis Endras parierte da gleich zweimal stark gegen Joslin (21., 22.). Die Münchner waren nun besser in der Partie. Allerdings mussten sie fortan ohne ihren Topscorer Mark Voakes auskommen, der nach einem Check von Tommi Huhtala in Minute 29 zur Behandlung in die Kabine musste und nicht mehr wiederkam.

Die Mannheimer blockten viele Schüsse und wenn etwas durchkam, war Endras zur Stelle, der mehrfach vom prall gefüllten Adler-Gästeblock gefeiert wurde. In Minute 44 konnte dieser erneut jubeln. Markus Eisenschmid, der die Streitereien nach der ersten Drittelsirene ausgelöst hatte, kam in Überzahl mit Tempo durchs Zentrum und überwand Nationaltorhüter Danny aus den Birken mit seinem achten Playoff-Tor zum 2:0. Kurz darauf vereitelte erneut Endras eine Münchner Großchance, indem er gigantisch hielt. So konnte Benjamin Smith in der 57. Minute mit einem Schuss ins leere Tor für den 3:0-Endstand sorgen.

Weiter geht es schon am Ostermontag

Am Donnerstag hatte noch Frank Mauer mit seinem Tor in der 19. Minute der Verlängerung die Partie beendet. Den Münchnern sei es "durch die Erfahrung" gelungen, das Spiel zu entscheiden, sagte Mannheims Trainer Pavel Gross, der am Tag nach der Partie von der Liga eine Geldstrafe wegen unsportlichem Verhaltens gegenüber Spieloffiziellen aufgebrummt bekam. Die Münchner waren in Mannheim zwei Drittel lang in der Position, die die Augsburger Panther im Halbfinale gegen sie inne hatten: Oft ins eigene Drittel gedrängt und reagierend statt agierend aufgrund des druckvollen Adler-Spiels. 41 Schüsse kamen auf das Tor von aus den Birken, zu Beginn der Verlängerung hatten die Münchner beeindruckende 23 weitere geblockt.

Mauer, der seine gesamte Eishockey-Karriere in Mannheim verbracht hatte, ehe er 2015 nach München wechselte, war mit dem Start des EHC überhaupt nicht zufrieden gewesen. Erst nach dem Startdrittel "haben wir angefangen mitzuspielen, nicht nur hinterherzuschauen", sagte er. Am Samstag war es ausgeglichener, diesmal verlor der Meister allerdings. Weiter geht es schon am Ostermontag in Mannheim (14 Uhr). Die Giganten haben noch einige Duelle vor sich.

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