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Eishockey:Gegen die Statistik

(v.l.n.r.) Wayne Simpson (ERC Ingolstadt) Kristopher Foucault (ERC Ingolstadt) GER, Eishockey, DEL, Schwenninger Wild Wi

Zuletzt häufig Grund zum Jubeln: Die Ingolstädter Eishockeyprofis mit (von links) Brett Olson, Wayne Simpson Kristopher Foucault, Maury Edwards.

(Foto: Eibner/imago)

Immer wieder hat sich der ERC Ingolstadt in der Liga aus Rückständen befreien müssen, dennoch steht er auf dem sechsten Tabellenplatz. Im Derby gegen Straubing will er die Gunst der Stunde nutzen.

Die Gelegenheit ist gerade günstig, das weiß auch der Sportdirektor Larry Mitchell vom ERC Ingolstadt. An diesem Freitag (19.30 Uhr) spielt sein Klub gegen die Straubing Tigers, die zuletzt von sechs Spielen nur eines gewonnen haben. "Wir müssen das ausnützen", sagt Mitchell, 52, vor der Partie. "Wenn man eine Niederlagenserie hat, fällt es manchmal schwer, den Weg zum Sieg zu finden. Das haben wir ja selbst schon erlebt." Die Ingolstädter hatten ihren Durchhänger gleich zu Saisonbeginn, als sie Spiel zwei bis sechs verloren. Und der Derbygegner Straubing, der vor wenigen Wochen noch kurz davor stand, die Tabellenführung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vom EHC München zu übernehmen, ist zwar immer noch Tabellenzweiter, allerdings nun schon 13 Punkte hinter München. Noch einmal zwölf Zähler dahinter liegen die Ingolstädter Panther auf Rang sechs, der als letzter zur direkten Qualifikation fürs Playoff-Viertelfinale berechtigt.

In etwa dort ordnet sich der ERC auch Jahr für Jahr ein. Mitchell, der sich eine Saison wie ein Jahr in vier Teile zerlegt, ist daher bislang zufrieden mit den ersten zweieinhalb Vierteln. "Wir haben eine Konstanz reingebracht", sagt er - nach dem holprigen Start wohlgemerkt. Der Dezember wurde dabei zum Glanzmonat. In den vergangenen neun Spielen punktete Ingolstadt nur einmal nicht: zuletzt beim 3:4 gegen Bremerhaven im letzten Spiel des Jahres 2019. Aber das lag vor allem daran, dass alte Muster wieder auftauchten. 0:4 lag der ERC zurück, ehe er sich in die Partie kämpfte. Das war selbst für eine der besten Offensiven der Liga zu viel des Guten, steht aber eben auch so ein bisschen für die Saison. Immer wieder müssen sich die Ingolstädter aus Rückständen befreien, was oft noch gelang. Daran sehe man den Charakter seines Teams, findet Mitchell. "Dieses Mal darf uns das aber nicht passieren. Wir müssen einen guten Start hinlegen und dann unsere Leistung bringen."

Im Derby dürfte die Einstellung aber aller Voraussicht nach schon von der ersten Minute an stimmen. Das liegt auch daran, dass die Mannschaft etwas gutzumachen hat. Gegen kein Team fiel den Oberbayern das Siegen zuletzt so schwer wie gegen die Tigers. Von den vergangenen zehn Ligapartien gewann der ERC nur eine, 6:4 im März.

Mitchell selbst war von 2014 bis 2017 Trainer der Straubing Tigers, ehe er auf die planerische Position in Ingolstadt wechselte. Aus einem profanen Grund: "Ich liebe das Scouting." Und in der Tat haben nur wenige Klubverantwortliche solche Top-Spieler für vergleichsweise wenig Geld in die DEL gelockt wie Mitchell. Michael Connolly, den mit 24 Assists Top-Vorlagengeber der Liga aus Straubing, holte der Deutsch-Kanadier beispielsweise erst nach Augsburg und dann nach Straubing. Maury Edwards, der punktbeste Verteidiger der Liga, kam einst unter Mitchell zu den Tigers und brilliert nun beim ERC. Kurz vor Weihnachten haben die Ingolstädter den Vertrag mit Mitchell langfristig verlängert.

Der Sportdirektor hat immer noch einen guten Draht zu Straubings sportlichen Leiter, Jason Dunham, telefoniert regelmäßig mit ihm. "Respekt, sie spielen eine super Saison. Hut ab!", sagt Mitchell zur Leistung des Klubs vom kleinsten DEL-Standort, der so stark spielt wie noch nie in den knapp 14 Jahren DEL-Zeit. Ähnlich äußert sich aber auch sein Nachfolger in Straubing, Tom Pokel, über Ingolstadt. "Die sind gut drauf, eine offensive Mannschaft. Alles läuft über ihre vier starken Sturmreihen", analysiert Pokel, dessen Team die Torgefahr der ersten Saisonhälfte zuletzt vermissen ließ. Mehr als zwei Treffer brachte es seit Weihnachten nicht mehr zusammen in der regulären Spielzeit. Das könnte sich aber schon im Derby ändern. "Unser Vorteil ist: Wenn unsere Defensive gut steht, bekommen wir über die Konter Möglichkeiten." Als einziges der Topteams haben die Panther in den 33 Partien mehr als 100 Gegentore gesammelt. Pokels Team wäre nicht das erste, das den Platz gegen Doug Sheddens Mannschaft nützt.

Die Gelegenheit ist gerade tatsächlich günstig, um den ersehnten Erfolg zu schaffen. Nur hat der Satz vor dem Derby für beide Klubs seine Gültigkeit.

© SZ vom 03.01.2020
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