Eishockey Gegen alle Widrigkeiten

Einer der jungen Wilden Landshuter: Alexander Ehl (Mitte).

(Foto: Holger John/Imago)

Der EV Landshut steht als Aufsteiger der Eishockey-Oberliga bereits fest - zwei weitere Siege gegen Tilburg fehlen zum Meistertitel. Und dieses Mal will der Klub in der DEL2 länger bestehen.

Von Johannes Kirchmeier

Als sie ihren großen Erfolg bejubeln durften, da waren der Trainer Axel Kammerer und seine Spieler einige Kilometer und ein paar Grad Celsius voneinander entfernt. Die Spieler des Eislaufvereins Landshut feierten mit mehreren Hundert Fans im heimischen Stadion, Kammerer saß am warmen Karsamstagabend auf seiner Terrasse in Reichersbeuern bei Bad Tölz und stellte fest, dass er dort auch noch nie einen Aufstieg erreicht hat. Wieso er nicht im Stadion mitgefeiert hat? "Für mich ist die Saison noch nicht beendet", sagt er. "Wir wollen jetzt noch Meister werden." Die große Party folgt danach.

Wie in den vergangenen drei Jahren steht der Aufsteiger der Oberliga bereits vor der Finalserie fest, weil Landshuts Gegner Tilburg Trappers als niederländischer Klub nicht spielberechtigt ist in den ersten beiden deutschen Ligen (DEL, DEL2). Die Landshuter könnten nun dafür sorgen, dass Tilburg erstmals in dieser Zeit eine Finalniederlage hinnehmen muss. Am Ostermontag gewann der EVL bei den Trappers 4:1, an diesem Mittwoch gastieren nun die Niederländer in Niederbayern. Zwei Siege benötigt Landshut noch, um die "Best-of-five"-Serie für sich zu entscheiden. Kammerer baut dabei auch auf die eigenen Anhänger: "Wir haben hier eine richtige Euphorie entfacht", sagt er über die vergangenen Wochen. 4500 Zuschauer verfolgten das Playoff-Halbfinale gegen die Hannover Scorpions. In dieser Hinsicht kann es der Standort Landshut auch mit den Erstliga-Klubs aus Ingolstadt, Schwenningen, Straubing oder Bremerhaven aufnehmen.

Das zeigt, welch große Sehnsucht nach hochklassigem Eishockey in Landshut herrscht. Fast alle großen Städte im eigentlich nicht gerade schnee- und eissicheren Ostbayern sind ja stolz auf ihr eigenes Eishockey-Team, doch kein Ort in der Gegend hat eine solche Historie wie die Bezirkshauptstadt Niederbayerns: Alois Schloder und Butzi Auhuber, die Olympia-Bronzegewinner von 1976, begannen hier mit dem Eishockeyspielen, ihr Kollege, der Spieler des Jahrhunderts, Erich Kühnhackl startete seine Bundesliga-Karriere in Landshut. Zwei Meistertitel feierte er als EVL-Stürmer (1970, 1983), zwei weitere mit Köln. Und selbst "The Russian Rocket" Pawel Bure spielte 1994 mal ein Spiel beim EVL.

Neben der Muttermilch, ihrem ersten Strampler und Söckchen bekommen die Kinder in Landshut eben auch schon sehr früh ein Paar Schlittschuhe und eine Eintrittskarte fürs Eishockey. Der Landshuter Lebensweg führt so fast zwangsläufig ans Eisstadion am Gutenbergweg.

Noch immer gilt Landshut als Talentschmiede des deutschen Eishockeys. In Kammerers Team haben junge Spieler wie die Angreifer Alexander Ehl, 19, Marco Baßler, 19, oder Torwart Patrick Berger, 21, bereits Schlüsselrollen inne. Baßler wechselt nach der starken Oberliga-Spielzeit in der kommenden Saison per Förderlizenz zum nahen DEL-Klub Straubing Tigers. Vorgänger der jungen Landshuter haben es bis in die nordamerikanische Profiliga NHL geschafft: darunter der frühere Bundestrainer Marco Sturm, 40, Kühnhackls Sohn Tom, 27, der mit Pittsburgh zweimal den Stanley Cup gewinnen konnte, oder Tobias Rieder, 26. Neben dem EV Regensburg ist der EVL einer von nur zwei Oberligisten unter den zwölf stärksten Ausbildungszentren des Deutschen Eishockey-Bundes.

Nur im Erwachsenenbereich verschwand der EVL zuletzt aus den höchsten Ligen. 2015 wurde dem Klub die DEL2-Lizenz entzogen, ein Jahr darauf ging es für den Klub ums Überleben. Erst nach einem Schuldenschnitt glückte der Neustart mit einem Kreis aus 17 Gesellschaftern. Die nun dabei helfen, den Weg für den Aufstieg freizumachen. Bis Ende Mai muss der Klub seine Lizenzunterlagen einreichen. "Jetzt wollen wir den Pott holen. Danach wird gefeiert und dann werden wir unsere Hausaufgaben für die DEL2 machen", sagte EVL Spielbetrieb GmbH-Geschäftsführer Ralf Hantschke nach dem Finaleinzug.

Er hat gemeinsam mit Kammerer das Team aufgebaut, das sich von Widrigkeiten nicht aufhalten ließ. "Wir hatten eine schwierige Saison", sagt Kammerer, "im Herbst hatten wir sechs, sieben Verletzte." Er wirkt fast etwas überrascht von der Entwicklung seiner jungen Spieler. Vor zwei Jahren stieg Kammerer schon einmal in die DEL2 auf, als Coach der Tölzer Löwen, die damals im Finale Tilburg unterlagen. Direkt danach wechselte er nach Landshut. Nun schließt sich der Kreis: Mit etwas Verspätung könnte er nun erst Oberliga-Meister und dann DEL2-Trainer werden.