Eishockey 18 entscheidende Sekunden

Kurz vor Schluss noch in die Liste der Torschützen eingetragen: Auch Münchens Stürmer Trevor Parkes trifft gegen Straubing.

(Foto: M. Engelbrecht/imago/GEPA pictures)

Straubing verliert auch das neunte Derby gegen den Meister München mit 5:6.

Von Christian Bernhard

Sandro Schönberger konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, allerdings war es ein bitteres. Hervorgerufen hatte das eine Statistik, die der Kapitän der Straubing Tigers nur all zu gut kannte: Achtmal hatten die Niederbayern in den vergangenen zwei Jahren gegen den EHC München gespielt, achtmal hatten sie das Eis dabei als Verlierer verlassen. "Makaber" nannte Schönberger diese Negativserie. Am Sonntagnachmittag starteten die Straubinger den neunten Versuch. Dieser begann verheißungsvoll - endete aber genau so, wie die vorangegangenen acht. Trotz einer 1:0-Führung verloren die Tigers am 41. Spieltag der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zuhause mit 5:6.

Für den Meister aus München war es der neunte Sieg in den vergangenen zehn Ligaspielen. Da sich die Adler Mannheim gegen Iserlohn jedoch keine Blöße gaben, ist der EHC in der Tabelle als Zweiter weiter neun Punkte hinter den Mannheimern. Straubing bleibt Achter.

Beide Mannschaften waren mit einem guten Gefühl ins Derby gegangen. Die Münchner, die sich am Mittwoch in Salzburg erstmals für das Endspiel der Champions Hockey League (CHL) qualifiziert hatten, bezwangen am Freitag die Augsburger Panther mit 4:1. Die Straubinger hatten am Donnerstag beim Tabellendritten Düsseldorf mit 3:2 nach Verlängerung gewonnen. An allen drei Toren beteiligt: Das Sturmduo Jeremy Williams und Mike Connolly, das Schönberger als "unsere Säulen im Angriff" bezeichnete. Der EHC hatte den Derbysieg gegen die aufgrund eines Magen-Darm-Infekts stark dezimierten Augsburger allerdings teuer bezahlt. Maximilian Kastner, mit 13 Treffern der beste DEL-Torschütze seines Teams, fiel im letzten Drittel unglücklich auf sein linkes Knie und zog sich dabei eine Beinverletzung zu, die ihn zu einer mehrwöchigen Pause zwingt.

In Straubing begannen die Münchner mit Nationaltorhüter Danny aus den Birken, der am Freitag gegen Augsburg eine Pause bekommen hatte. Damit kehrte der statistisch beste Torwart der Liga zurück, wo er nach nur 54 Sekunden bereits erstmals überwunden wurde. Nach einem Schlenzer von Sena Acolatse fälschte Stefan Loibl die Scheibe zum 1:0 ab. Für den jungen Nationalspieler war es bereits das 18. Saisontor, damit hat er schon mehr auf seinem Konto, als in seinen ersten vier DEL-Spielzeiten zusammen. Münchens Antwort war ein Schuss von Yasin Ehliz, der in Überzahl sehr viel Platz hatte. Tigers-Torhüter Jeff Zatkoff war aber zur Stelle (6.). Schönberger hatte vor dem Derby daran erinnert, dass seine Mannschaft beim 1:3 gegen München an selber Stelle vor zwei Wochen zu viel Respekt im ersten Drittel gehabt habe. "Das müssen wir heute anders machen", betonte er. Und das gelang.

Der Meister hatte durch den freistehenden Mark Voakes zwar eine sehr gute Chance zum Ausgleich (17.), die Niederbayern beschäftigten die EHC-Defensive vor den Augen von Bundestrainer Toni Söderholm aber auch regelmäßig. "Wir müssen besser zu den Scheiben kommen und die Zweikämpfe besser spielen", erklärte Münchens Verteidiger Emil Quaas nach dem Startdrittel. Der 22-Jährige war in den Kader gerückt, da Keith Aulie gesperrt war.

Das Mitteldrittel begann mit einer unschönen Szene. Münchens Nationalspieler Patrick Hager bekam für einen üblen Kniecheck gegen Fredrik Eriksson eine Spieldauerdisziplinarstrafe, Eriksson wurde ins Krankenhaus gebracht. Das fällige Überzahlspiel lief allerdings überhaupt nicht nach dem Geschmack der Straubinger. Sie entwickelten kaum Druck und kassierten nach einem Wechselfehler auch noch den Ausgleich: Frank Mauer überwand Zatkoff mit einem Alleingang zum 1:1 (23.). "Da war komplette Verwirrung auf der Bank", sagte Tigers-Stürmer Sven Ziegler zum misslungenen Wechsel. Für die Münchner war es bereits der neunte Unterzahltreffer der Saison, kein Team der Liga hat mehr davon erzielt. Die Tigers erwischte es aber noch schlimmer. Innerhalb von 18 Sekunden stellte der Meister mit den Toren von Ehliz und Voakes in Minute 29 auf 3:1. Voakes zeigte beim Jubeln lachend auf seinen Ellbogen, mit dem er den Schuss von Andrew Bodnarchuck abgefälscht hatte. Matt Stajan legte sogar das 4:1 nach (38.). Antoine Laganiere verkürzte in Überzahl zumindest noch auf 2:4 (40.). "Das soll uns Rückenwind fürs letzte Drittel geben", sagte Ziegler. Williams nahm sich das zu Herzen und erzielte in der 52. Minute das 3:4. Michael Wolf (57.) und Trevor Parkes (60.) machten mit ihren späten Treffern aber alles klar, daran änderten auch die Tore von Loibl (59.) und Kael Mouillierat (60.) nichts. Straubings München-Fluch hält weiter an.