Eishockey:Eine Kette von Problemen

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Eishockey: Verbissenes Duell: Wolfsburgs Luis Schinko und Münchens Konrad Abeltshauser kämpfen um den Puck.

Verbissenes Duell: Wolfsburgs Luis Schinko und Münchens Konrad Abeltshauser kämpfen um den Puck.

(Foto: Jan-Frederic Helbig/Eibner/imago)

Der EHC München kassiert gegen Wolfsburg die fünfte Niederlage in Serie. Von den letzten zehn Spielen hat der erfolgsverwöhnte Klub nun neun verloren. Die Defensive, das Unterzahlspiel und die Torhüter schwächeln - und am Dienstag kommt Tampere zum Halbfinal-Hinspiel in der Champions Hockey League.

Von Christian Bernhard

Justin Schütz konnte einem fast leidtun. Der junge Stürmer des EHC Red Bull München wurde in den vergangenen Tagen gleich zweimal zu einer undankbaren Aufgabe verdonnert: Er musste die beiden jüngsten der zuletzt vielen EHC-Niederlagen direkt nach Spielschluss am TV-Mikrofon einordnen. Schütz sprach dabei das aus, was seine Mimik schon verraten hatte: "Es nervt." Die 3:4-Niederlage nach Penaltyschießen bei den Grizzlys Wolfsburg am Sonntag war die fünfte Münchner Niederlage in Serie in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Von den vergangenen zehn Ligaspielen hat der EHC neun verloren. Münchens Trainer Don Jackson, der erfolgreichste der DEL-Geschichte, fühlt sich mittlerweile an den "Groundhog Day", den Murmeltiertag, erinnert. Egal was seine Mannschaft auch macht und probiert, am Ende verliert sie die Spiele. Betrachtet man den zwölf Spiele umfassenden Zeitraum seit Anfang Dezember, hat der EHC den schlechtesten Punkteschnitt aller DEL-Teams.

Die Münchner, die in den vergangenen Jahren die Liga phasenweise dominierten, "finden momentan Wege, Spiele zu verlieren", drückte es Kapitän Patrick Hager fast schon philosophisch aus. Beunruhigend ist Hagers Einschätzung, dass die jüngsten Niederlagen "immer unterschiedliche Gründe" hatten. Die Problemkette ist lang und nicht so leicht aufzudröseln. Ein paar grundlegende Schwächen ziehen sich aber wie ein roter Faden durch die überraschend erfolglosen letzten EHC-Wochen. Seit zehn Ligaspielen kassieren die Münchner, bei denen der Defensivethos unter dem ehemaligen NHL-Verteidiger Jackson groß geschrieben wird, mindestens drei Gegentore pro Partie. Das macht es schwer, regelmäßig Spiele zu gewinnen. "Hinten werden wir sehr oft für kleine Fehler bestraft", stellte Hager fest. Auch das EHC-Unterzahlspiel, in den vergangenen Jahren eine verlässliche Konstante, funktioniert diese Saison nicht wie gewohnt und ist statistisch gesehen nicht einmal unter den Top Ten der Liga. Fast schon erschreckend schwach sind die Münchner Torhüterstatistiken. Der EHC hat die zweitschlechteste Fangquote der ganzen Liga, Stammtorhüter Danny aus den Birken hat von seinen letzten neun Ligaspielen acht verloren.

Was die Defensive betrifft, hat die Münchner Klubführung um Manager Christian Winkler bereits nachgebessert. Der am Silvestertag verpflichtete kanadische Verteidiger Andrew O'Brien feierte in Wolfsburg nach nur einer Trainingseinheit sein Debüt. "Er wird sicherlich ein bisschen Härte in unser Spiel reinbringen, die wir auch brauchen", sagte Yannic Seidenberg bei Magentasport. Auf der Torhüter-Position könnte sich in den kommenden Tagen etwas tun. Der Name Henrik Haukeland, seines Zeichens norwegischer Nationaltorhüter, der noch bei Färjestad BK (Schweden) unter Vertrag steht, dort aber letztmals Anfang Dezember gespielt hat, fällt immer häufiger im EHC-Umfeld.

Selbst Yannic Seidenberg, der seit 2013 beim EHC ist, kann sich nicht an einen solchen Negativlauf erinnern

"Die Situation ist ungewohnt", sagte Seidenberg, einer der erfahrensten Münchner Spieler, der seit 2013 beim EHC ist und sich "nicht wirklich" an einen solchen Negativlauf erinnern kann. Der 37-Jährige verweist darauf, dass der EHC über eine erfahrene Mannschaft verfüge, die wisse, wie man mit solch einer Situation umzugehen habe: "Wir müssen uns auf die Sachen konzentrieren, die uns über die Jahre erfolgreich gemacht haben." Dazu gehört das aggressive Forechecking, mit dem die Münchner beim Gegner regelmäßig Scheibenverluste in gefährlichen Zonen provozierten. Aktuell greift das nicht so wie gewohnt, da es dem EHC an Geschwindigkeit mangelt, was nicht nur am aktuellen Fehlen der schnellen Yasin Ehliz, Frederik Tiffels und Frank Mauer festzumachen ist.

Im Gegensatz zu den anderen bayerischen DEL-Klubs, die in den vergangenen Wochen in Absprache mit der Liga mehrfach Spiele auf einen späteren Zeitpunkt der Saison verschoben haben, verknüpft mit der Hoffnung, sie dann wieder vor Zuschauern austragen zu können, haben die Münchner durchgespielt und aufgrund ihrer internationalen Spiele noch zusätzliche Partien zu absolvieren. Zur Veranschaulichung: Das Auswärtsspiel in Wolfsburg war das 14. EHC-Spiel seit Beginn des Dezembers. Die Straubing Tigers, Nürnberg Ice Tigers und Augsburger Panther haben im selben Zeitraum jeweils nur acht Mal gespielt.

In dieser frustrierenden Phase dürfte es den Münchnern besonders gut tun, dass sie sich nun eine kurze DEL-Auszeit nehmen können, um auf das geliebte europäische Terrain zurückzukehren. Am Dienstag (20.30 Uhr) empfangen sie den finnischen Rekordmeister Tappara Tampere zum Halbfinal-Hinspiel der Champions Hockey League, in der "wir schon einige Sternstunden erlebt" haben, wie Winkler betonte. "Daran wollen wir anknüpfen."

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