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Eishockey:Ein Land stützt seine Sehnsüchte auf Winnipeg

Winnipeg Jets v Montreal Canadiens

"Ich liebe Winnipeg. Das ist meine Heimat": Patrick Laine (links) schoss in dieser Saison für die Jets die zweitmeisten Tore aller NHL-Spieler.

(Foto: Minas Panagiotakis/AFP)
  • Im Juni jährt sich der letzte kanadische Stanley-Cup-Triumph zum 25. Mal - seither haben nur Teams aus den USA den Titel gewonnen.
  • Die Winnipeg Jets sollen die Sehnsucht stillen. Mit Patrik Laine spielt einer der begabtesten Eishockeyspieler der Welt für das Team.
  • Ein Nachteil dürfte jedoch die Unerfahrenheit der jungen Mannschaft sein.

Von Johannes Kirchmeier

Es gibt Menschen, die vergleichen ihn mit einem Obdachlosen, andere dichten ihm ein Vogelnest ans Kinn. Wieder andere sehen ihn als Mitglied der Amish People, einer Glaubensgemeinschaft in den USA, die immer noch so lebt wie ihre Vorfahren vor 300 Jahren. Die sozialen Netzwerke sind bisweilen soziale Hetzwerke, auch wenn in diesem Fall die Hetze nicht ganz so ernst gemeint ist. Denn diese Internetnutzer wissen alle, wie falsch sie mit ihren Behauptungen liegen.

Patrik Laine ist einer der begabtesten Eishockeyspieler der Welt. Er hat halt einen auffallend zauseligen, blonden Bart, den er sich wegen einer Wette mit seinem Cousin wachsen ließ. Laine, 19, schoss in dieser Saison die zweitmeisten Tore in der nordamerikanischen Hockey-Liga (NHL). 44 Mal traf er, lediglich Laines früherem Idol Alexander Owetschkin gelangen fünf Tore mehr. Owetschkin, 32, sagte jüngst, er bewundere die Art und Weise, wie Laine trifft.

Der Finne Laine prägt neben dem Kanadier Mark Scheifele und den früheren Münchnern Blake Wheeler und Paul Stastny den Angriff der Winnipeg Jets. In den Playoffs, die in der Nacht zum Donnerstag begonnen haben, ist Winnipeg nach Platz zwei in der Hauptrunde ein nicht mehr ganz so geheimer Geheimfavorit auf den Stanley Cup. Doch nicht nur das: Das Team tritt in diesen wilden Wochen nicht nur als Winnipeg Jets an, sondern auch als "Canada's Team", auf das ein ganzes Land seine Hoffnungen und Sehnsüchte stützt.

Die Hochbegabten spielen eher im Süden - um mehr zu verdienen

Im Juni jährt sich der letzte kanadische Stanley-Cup-Triumph zum 25. Mal. Oder vielmehr: Er soll sich nach Meinung der Kanadier am besten gar nicht mehr jähren. 1993 siegten die Montreal Canadiens, seit 1994 stammt die stärkste Mannschaft der Welt alljährlich aus den deutlich traditionsärmeren USA - ein fatales Jubiläum für das Mutterland des Eishockeys.

"Deine Geschichte ist ein Epos der außergewöhnlichsten Leistungen", heißt es in der Nationalhymne. Und damit sind schon auch die Eishockey-Leistungen gemeint. 2016 qualifizierte sich sogar gar kein Team aus dem Norden, in diesem Jahr haben immerhin zwei der sieben kanadischen Mannschaften die Playoffs erreicht: neben Winnipeg die Toronto Maple Leafs. Was natürlich einerseits an einer recht leicht erkennbaren zahlenmäßigen Unterlegenheit liegt: 24 Amerikaner balgen sich gegen sieben Kanadier um 16 Plätze.

Andererseits steckt jedoch auch eine schwerer erkennbare Unterlegenheit dahinter: 0,79. So viel US-Dollar ist ein kanadischer Dollar wert - Tendenz in den vergangenen Jahren fallend. Während die Teams ihre Einnahmen zu einem großen Teil in der kanadischen Währung generieren, müssen sie ihre Spieler in US-Dollar honorieren. Der bestbezahlte Deutsche Leon Draisaitl, 22, verdient bei den Edmonton Oilers, mit denen er die Playoffs in diesem Jahr überraschend deutlich verpasste, etwa 8,5 Millionen US-Dollar pro Jahr. Andere Hochbegabte ziehen im Laufe ihrer Karrieren die Klubs aus dem Süden vor.

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