EishockeyMehr Hühnerhaufen als Vogelschwarm

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In der Offensive weiß der Münchner Neuzugang Ville Pokka (li.) zu überzeugen, in der Defensive kommt der Verteidiger aber oft zu spät, wie hier gegen Ingolstadts Alex Breton.
In der Offensive weiß der Münchner Neuzugang Ville Pokka (li.) zu überzeugen, in der Defensive kommt der Verteidiger aber oft zu spät, wie hier gegen Ingolstadts Alex Breton. Schäfer/Fotostand/Imago
  • Der EHC München verliert das bayerische Derby gegen Ingolstadt mit 3:6 und kassiert nach fünf Spielen bereits 21 Gegentore.
  • Trotz starker Offensivleistungen fehlt dem Team die Balance zwischen Angriff und Verteidigung, was zu großen Lücken im defensiven Spiel führt.
  • Trainer Oliver David fordert synchrones Arbeiten aller Spieler wie ein Vogelschwarm, doch die Mannschaft navigiert noch nicht zeitgleich übers Eis.
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Der EHC München zeigt in der Offensive immer wieder starke Ansätze, macht sich diese aber durch schwache Defensivleistungen selbst zunichte. Das zeigt sich auch bei der 3:6-Pleite im bayerischen Derby gegen Ingolstadt.

Von Christian Bernhard

Oliver Davids Eishockey-Philosophie ist leicht auf den Punkt zu bringen: Er möchte seine Mannschaften aggressiv spielen sehen, agieren statt reagieren, das ist seine Prämisse. Dieser Stil hat dem 47-jährigen US-Amerikaner zwei Meistertitel mit Red Bull Salzburg eingebracht – und im Sommer die „Beförderung“ zum Schwesterklub nach München. Um diesen Stil zu untermauern, hat David sogar eine neue Wortkreation in den Eishockeyjargon eingebracht: das sogenannte „powerkilling“, angelehnt an das Penalty-Killing, sprich das schadlose Überstehen einer Unterzahlsituation. David wollte mit der Wortschöpfung klarmachen, dass seine Mannschaft in Unterzahl nicht nur Gegentore verhindern möchte, sondern dabei auch programmatisch Treffer erzielen will.

Das gelang am Donnerstagabend in Ingolstadt, Maximilian Kastner veredelte einen mutigen Unterzahl-Angriff sehenswert mit seinem 100. Tor in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Kastners Laune direkt nach Spielschluss war aber alles andere als euphorisch, sein Jubiläumstreffer kein Thema mehr. Stattdessen gab es sehr deutliche Worte des Nationalspielers. Seine Mannschaft habe zwei Drittel lang „Scheiße gespielt“, gab er bei Magentasport zu Protokoll, „zu viele Fehler“ hätten es Ingolstadt „zu einfach gemacht“. Das Resultat: eine 3:6 Niederlage im bayerischen Derby.

„Unser Anspruch ist ja nicht, dass wir jedes Mal vier, fünf, sechs Tore kassieren.“

Seit dem 4:2-Auftaktsieg beim Vorjahresfinalisten, den Kölner Haien, setzte es für die Münchner in vier Partien drei Niederlagen. Auf die 2:6-Derby-Pleite am vergangenen Sonntag in Straubing folgte nun dieses 3:6 – was unweigerlich die Defensivarbeit in den Fokus geraten lässt. 21 Gegentore nach fünf Partien, und damit eine der schlechtesten Defensiven der Liga, ist weit weg von dem, was man sich in München erwartet. „Unser Anspruch ist ja nicht, dass wir jedes Mal vier, fünf, sechs Tore kassieren“, konstatierte Kastner. Deswegen gelte es bei der Aufarbeitung der Fehler „konsequent mit uns selbst zu sein“.

Das neue Trainerteam und die für Münchner Verhältnisse vielen neuen Spieler (elf an der Zahl) will Kastner nicht als Ausrede für die frühen Defensivschwächen gelten lassen, denn nichtsdestoweniger sei das Spielsystem ja gleich, betonte er. Woran liegt es also, dass der EHC Gegentor um Gegentor kassiert und sich so trotz einer spielfreudigen Offensive zuletzt mehrfach selbst der Siegchancen beraubt hat? Nicht wegzudiskutieren ist die noch fehlende Balance zwischen offensivem und defensivem Spiel. Sehenswerten und mit gehörigem Spielwitz garnierten Offensivspielzügen stehen immer wieder große Lücken im Spiel ohne Scheibe gegenüber. Angreifer Tobias Rieder hatte bereits nach dem 6:3-Sieg gegen die Augsburger Panther vor einer Woche angemahnt, es gebe „noch Situationen, wo wir defensiv etwas besser stehen müssen“. Die Folge waren die beiden Derby-Niederlagen mit zwölf Gegentoren.

EHC-Manager Christian Winkler sprach bereits in der ersten Drittelpause in Ingolstadt eine zentrale Problematik an: „Vor allem im eigenen Drittel haben wir kaum Zugriff gehabt.“ Das führte nicht nur in Ingolstadt dazu, dass die Münchner Gegner schon mehrfach zu viel Platz hatten – und zu viel Platz wird im Eishockey gerne mit Gegentoren bestraft. Die „defensive Stabilität“, die Verteidiger Fabio Wagner bei seiner Rückkehr nach Ingolstadt eingefordert hatte, war auch diesmal nicht vorhanden.

Dass im Münchner Spiel die Balance fehlt, lässt sich am besten an zwei Statistiken ablesen. Die offensiv sehr auffälligen Ville Pokka (sechs Verteidiger-Scorerpunkte in fünf Spielen) und Gabriel Fontaine (sieben Scorerpunkte) haben beide trotz ihrer vielen Torbeteiligungen eine negative Plus-Minus-Statistik. Das bedeutet: Sie standen bei mehr Münchner Gegentreffern als eigenen Toren auf dem Eis. David hatte zu Saisonbeginn erklärt, in seinem Spielsystem müssten alle Spieler auf dem Eis synchron arbeiten, „wie ein Vogelschwarm, der die Flugrichtung zeitgleich ändert“. Aktuell navigiert der EHC-Schwarm noch nicht zeitgleich übers Eis.

Die nächste Chance, die Synchronisation zu verbessern, erhält der EHC am Sonntag im Heimspiel gegen die Iserlohn Roosters (16.30 Uhr). Wenige Tage nach dem einjährigen Bestehen des SAP Garden, in dem bislang knapp 440 000 Biere ausgeschenkt wurden, möchte sich der EHC dann möglichst wenige Gegentore einschenken lassen.

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