Eishockey:Die Götter sind unfair

FRENCH Max (Tölzer Löwen 16), 2020/21 DEL 2 Tölzer Löwen vs Ravensburg Towerstars 28. Spieltag am 31.01.2021 in Bad Tölz

Nicht zu ersetzen: Max French schoss vergangene Saison 42 Tore für Bad Tölz.

(Foto: Peter Roth/Eibner/imago)

Max French, DEL2-Spieler des Jahres, hat bei den Tölzer Löwen verlängert - und kommt wohl trotzdem nicht zurück.

Von Christian Bernhard

Kevin Gaudet ist dieser Tage in einer Berghütte, beim Trainer der Tölzer Löwen ist familiäres Ausspannen angesagt. Doch auch in der Abgeschiedenheit kreisen viele seiner Gedanken um die anstehenden Saison in der zweithöchsten deutschen Eishockey-Liga (DEL2) - und einige davon sind nicht angenehm. Es sei die "schlechteste Nachricht, die man haben kann", sagt der 57-jährige Kanadier, als das Gespräch auf Max French kommt. French ist ebenfalls Kanadier, allerdings noch 28 Jahre jung und der aktuelle DEL2-Spieler des Jahres.

Den Löwen war es im Mai gelungen, den Vertrag des Stürmers zu verlängern, obwohl ihm höherklassige und besser dotierte Angebote vorlagen. Nun müssen sie aber womöglich trotzdem auf French verzichten, da die Leistenprobleme, die ihn schon in den zurückliegenden Playoffs zum Zuschauen verdammt hatten, schlimmer als erwartet sind. "Es sieht aus, als käme er nicht zurück", sagt Gaudet geknickt. Er plant im Moment nicht mit French, der in seiner kanadischen Heimat "sehr frustriert" sei, da der Grund für die anhaltenden Probleme nicht gefunden wird.

"Max ist mein bester Bullyspieler, mein schnellster Spieler, mein bester Unterzahlspieler."

Wie weh den Löwen dieser Verlust täte, veranschaulicht Gaudet so: "Max ist mein bester Bullyspieler, mein schnellster Spieler, mein bester Unterzahlspieler. Und er hat vergangene Saison 42 Tore geschossen." Einen Ersatz für den besten Spieler der Liga "findest du nicht", all das sei "nicht fair von den Eishockeygöttern". Löwen-Geschäftsführer Jürgen Rumrich hat bereits eine Auflösung des French-Vertrages in den Raum gestellt.

Der Wegfall von French hätte selbstverständlich Auswirkungen auf die Erwartungen an die neue Saison der Löwen: "Wenn ich ehrlich bin, muss unser Ziel ohne Max sein, nicht abzusteigen", sagt Gaudet, der die Löwen in der vergangenen Saison auf Platz zwei der Hauptrunde geführt hatte. In den Playoffs kam das Aus im Viertelfinale gegen die Ravensburg Towerstars. Zeitweise standen Gaudet nur elf Feldspieler zur Verfügung, weshalb der Kanadier von der größten Herausforderung seiner 30-jährigen Trainerkarriere sprach. An dieser Intensität dürfte sich wenig ändern. "Das wird die schwerste Aufgabe meines Trainerlebens", sagt Gaudet nun mit Blick auf die anstehende Saison. "Wir sind die kleinste Stadt der Liga mit einem der kleinsten Etats der Liga: Das wird David gegen Goliath", prognostiziert er und spricht von einer "riesigen Herausforderung".

Die prognostizierten Schwierigkeiten haben viel damit zu tun, dass die Suche nach einem neuen Hauptsponsor bei den Löwen immer noch läuft. Der bisherige, das Digital-Unternehmen Wee, hatte mehrere Jahre einen hohen sechsstelligen Betrag pro Spielzeit beigesteuert. In der vergangenen Spielzeit kam Wee seinen Verpflichtungen aber nicht nach, weshalb die Löwen den Vertrag im April kündigten. "Eine Katastrophe", wie Gaudet den Wegfall des alten Hauptsponsors bezeichnet: "Für uns ist das so, wie wenn Red Bull dem EHC München sagen würde, wir geben dieses Jahr kein Geld."

Dass die Lage nach der ersten Pandemie-Saison bei vielen Hallensport-Profivereinen angespannt ist, machte diese Woche ein offener Brief von 16 bayerischen Eishockey-, Basketball- und Handball-Profiklubs deutlich. Darin forderten diese von der Politik einen "klaren Fahrplan, eine Perspektive und Planungssicherheit" beim Thema Corona, da "der Profisport sonst keine Überlebenschance" habe. Die Sponsorensuche werde angesichts dieser Unwägbarkeiten besonders schwierig, betonte Rumrich.

Gaudet geht im Moment davon aus, dass er mit sieben Verteidigern und nur zehn Stürmern in die Saison starten wird, da "wir nicht genug Geld für vier Reihen haben". Speziell in Sachen Verletzungen darf bei so einem kleinen Kader nicht viel passieren: "Wenn du da ein bisschen Pech hast, ist die Hölle los", sagt er. Selbst unterklassige Konkurrenz habe andere finanzielle Möglichkeiten, unterstreicht der Löwen-Coach und führt als Beispiel seinen Ex-Klub Hannover Scorpions aus der Oberliga Nord an. Gaudet war an drei Scorpions-Spielern interessiert, zog bei allen aber den Kürzeren.

© SZ/lein
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