DEL Winter Game:Der Vulkan brodelt wieder

Lesezeit: 3 min

DEL Winter Game: Erweckungsruf und Lebenszeichen: Das fünfte Winter Game findet im Rheinenergie-Stadion zwischen den Kölner Haien und den Adlern Mannheim statt. Zuletzt wurde 2019 in einem Fußballstadion Eishockey gespielt, im Kölner Rheinenergiestadion standen sich die Kölner Haie und die Düsseldorfer EG gegenüber.

Erweckungsruf und Lebenszeichen: Das fünfte Winter Game findet im Rheinenergie-Stadion zwischen den Kölner Haien und den Adlern Mannheim statt. Zuletzt wurde 2019 in einem Fußballstadion Eishockey gespielt, im Kölner Rheinenergiestadion standen sich die Kölner Haie und die Düsseldorfer EG gegenüber.

(Foto: Michael Ruffler / masterpress/imago/masterpress)

Alle zwei Jahre feierte die DEL mit dem Winter Game vor großer Kulisse im Fußballstadion den Eishockeysport. Nun folgt das erste nach der Corona-Zeit - und es ist viel mehr als nur Spektakel.

Von Uli Hartmann

Eishockey in leeren Arenen war über zwei Jahre hinweg immer wieder eine surreale Erfahrung. Plötzlich war jedes Kratzen der Kufen auf dem Eis zu hören, jeder Schlag gegen den Puck und jedes Wort der Spieler. Unwirklich haben sich diese Spiele in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) angefühlt während der Corona-Pandemie und besonders seltsam in Europas größter Eishockey-Halle, der Lanxess-Arena. Die Heimstatt der Kölner Haie, normalerweise ein brodelnder Vulkan, war leer und wie taub.

Die betäubende Pandemie ist auf bestem Weg, bewältigt zu werden. Auch die Haie spielen in ihrer 18 500-Zuschauer-Arena mittlerweile wieder vor im Schnitt 12 000 Menschen. Ihren großen Corona-Befreiungsschlag aber wollen sie am Samstag im Kölner Fußballstadion feiern - mit mehr als 40 000 Zuschauern. Das "DEL Winter Game" war einst als reines Spektakel gedacht, alle zwei Jahre als winterliches Freiluft-Event vor Rekordkulisse - aber das fünfte Winter Game, im Rheinenergie-Stadion zwischen den Kölner Haien und den Adlern Mannheim, ist darüber hinaus diesmal Erweckungsruf und Lebenszeichen zugleich. Im 50. Jahr des Kölner Eishockey-Klubs wird die Sache sogar richtig rund.

Haie-Chef Walter schwärmt von der "totalen Loyalität" der Kölner Fans

Geschäftsführer Philipp Walter hat sich im Laufe der Pandemie für mehr zuständig gefühlt als nur für seine Haie und fürs Eishockey. Er hat gespürt, wie sehr den Fans das Eishockey gefehlt hat und dem Eishockey sein Publikum - ein komplexes Abhängigkeitsverhältnis. "Sport ist in jeder Hinsicht ein Erlebnis, das die Menschen brauchen", sagt er. "Sport tut der Gesellschaft gut", und damit meint er mal nicht nur die Bewegung, sondern auch das Gefühl des Miteinanders, das die Menschen auf der Tribüne am Rande eines Sportevents erleben. Mit der gewaltigen Kulisse im Fußballstadion dürfte dieses Gefühl des Miteinanders noch intensiver werden.

Corona kann in mancherlei Hinsicht wohl auch für die Kölner Haie sukzessive abgehakt werden. Die 12 000 Zuschauer, die im Schnitt in dieser Saison bislang zu den Heimspielen gekommen sind, bedeuten Ligaspitze. Berlin kommt auf 10 500 Zuschauer, Mannheim auf 9 300. Haie-Chef Walter, der in der Pandemie manch schlaflose Nacht hatte, schwärmt jetzt von der "totalen Loyalität" der treuen Kölner Fans. Wirtschaftlich, sagt er, sei man wieder auf dem Weg zu Zahlen, wie man sie vor Corona schrieb.

Drei Heimspiele werden die Haie im Fußballstadion bestreiten

Allerdings hat Corona in einer bestimmten Hinsicht weiterhin einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Saison der Haie, denn die Arena, in der sie ihre Heimspiele austragen, ist auch eine relevante Halle für Künstler, Sänger und Stars aus der ganzen Welt. Sie alle müssen Termine nachholen, die in den vergangenen Jahren ausgefallen sind. Daraus ergibt sich fürs Eishockeyteam ein Terminproblem. Dass die Haie in diesem Winter zusätzlich zum Winter Game zwei weitere Spiele im örtlichen Fußballstadion austragen, ist nicht nur dem Spektakel geschuldet, sondern der Terminknappheit in ihrer Halle.

Sechs Heimspiele in der Eishockey-Arena plus drei im Fußballstadion bestreiten die Kölner vom kommenden Sonntag bis zum 8. Januar auch deshalb, weil sie im Februar kein einziges Heimspiel in ihrer Halle austragen können. Robbie Williams (drei Mal) und Michael Bublé beispielsweise oder auch "Panic at the Disco"- sie alle treten im Februar in der Kölner Arena auf. Deshalb spielen die Haie nach dem Winter Game auch noch einmal am 22. Dezember gegen Bremerhaven im Fußballstadion sowie am 8. Januar gegen Augsburg. Für diese beiden Spiele erwarten sie eine Kulisse zwischen 15 000 und 20 000 Zuschauern.

Die Eisfläche im Kölner Stadion bleibt folglich liegen, dort darf zu gewissen Zeiten sogar jeder Schlittschuhlaufen. Öfter als drei Mal wollen die Haie aber nicht ins Stadion ausweichen, weil es sonst zu beliebig wird und weil jeder Umzug mit großem Aufwand verbunden ist. Auch das Derby gegen Düsseldorf am 16. Dezember findet nicht im Stadion statt, sondern in der Halle.

Der Weg zurück zur Normalität ist nämlich ebenfalls wichtig. "Wir atmen wieder", sagt Walter über die Erholung seiner Haie. Er will den Blick auf gesellschaftsrelevanten Sport allerdings nicht aufs Eishockey reduzieren. Seit Corona schauen Sportmanager noch mehr über den Tellerrand hinaus, weshalb Walter über die Signalwirkung eines zuschauerträchtigen Eishockeyspiels im Fußballstadion auch sagt: "Wir wollen Mutmacher sein" - für den Sport, die Zuschauer und die Eishockeyspieler.

Man darf nicht vergessen, dass es auch im Winter Game um Punkte für die DEL-Tabelle geht. Punkte können die Haie mit ihrem Trainer Uwe Krupp nach etwa der Hälfte der Hauptrunde gut gebrauchen. Köln steht im Mittelfeld, Mannheim ist Zweiter. Aber das ist diesmal wirklich nur sekundär.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema