Eishockey:Nächste Pleite am Pulverturm

Eishockey: Guter Lauf: Vergangene Woche erst wurde der Vertrag von Straubings Kapitän Sandro Schönberger um ein Jahr verlängert, nun traf er gegen Ingolstadt.

Guter Lauf: Vergangene Woche erst wurde der Vertrag von Straubings Kapitän Sandro Schönberger um ein Jahr verlängert, nun traf er gegen Ingolstadt.

(Foto: Maximilian Koch/Imago)

14. Niederlage im 15. Versuch: Für Ingolstadt ist die Reise nach Straubing wie so oft wenig ertragreich - obwohl der ERC aus einem 0:2-Rückstand eine zwischenzeitliche 3:2-Führung macht. Am Ende entscheidet das Penaltyschießen.

Von Christian Bernhard

Einen positiven Nebenaspekt hatte die unschöne Nachricht, die Doug Shedden Ende April mitgeteilt wurde, mit Sicherheit: Er wusste, dass er durch sein Aus als Trainer des ERC Ingolstadt nicht mehr nach Straubing reisen muss. An jenen Ort, den er nicht mochte und in jene Halle dort, die er nicht mochte, wie er mehrfach in seinen knapp viereinhalb Jahren in Ingolstadt betont hatte.

Beim ERC Ingolstadt ist auch aufgrund von Sheddens Weggang in dieser Saison vieles neu - und vieles gut. Unter dem neuen Trainer Mark French spielt die in Teilen vom neuen Sportdirektor Tim Regan zusammengestellte Mannschaft eine beeindruckende Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Hinter dem alles dominierenden Tabellenführer aus München sind die Ingolstädter mit ihrem strukturierten und wie schon in den Jahren zuvor temporeichen Spiel als Zweiter sozusagen "Best of the rest". Etwas aber ist beim Alten geblieben: ihre Aversion, in Straubing antreten zu müssen. Am Sonntag machten die ERC-Spieler im Eisstadion am Pulverturm im Schlussdrittel aus einem 0:2-Rückstand einen 3:2-Vorsprung, um 100 Sekunden vor Ende doch noch das 3:3 zu kassieren und im Penaltyschießen zu verlieren. Damit unterlagen sie in Straubing zum 14. Mal in den vergangenen 15 Versuchen.

Am Ende habe "das Quäntchen Glück gefehlt", sagte Leon Hüttl bei Magentasport. Ingolstadts Verteidiger hatte das 3:2 erzielt, an seinem emotionalen Jubel war abzulesen, wie viel den ERC-Spielern daran lag, im stimmungsvollen Straubinger Stadion endlich wieder eine positive Geschichte zu schreiben. Doch sie blieb ihnen auch diesmal verwehrt.

Begonnen hatte das Spieltags-Wochenende für beide Klubs gut: Die Ingolstädter schlugen die Düsseldorfer EG 4:3, die Tigers gewannen ebenfalls 4:3 gegen die Löwen Frankfurt. So war das Derby auch das Duell zwischen dem Tabellenvierten und dem Zweiten, ein echtes Spitzenspiel. Beide Mannschaften stünden "ziemlich gut da", sagte Straubings Benedikt Kohl vor der Partie, "zu Recht, würde ich sagen".

Mit welchem Selbstvertrauen die Ingolstädter nach Straubing gekommen waren, zeigte sich in den ersten Minuten, welche die Gäste beim heimstärksten Team der Liga bestimmten. "Wir mussten uns erst finden, um uns an ihre Geschwindigkeit anzupassen", erklärte Straubings Verteidiger Cody Lampl nach dem Startdrittel. Trotz der anfänglichen Probleme gingen die Niederbayern mit einer Führung in die erste Pause, da Lampl in Minute acht Garrett Festerling auf die Reise geschickt hatte und der erfahrene Stürmer Michael Garteig im ERC-Tor mit einem platzierten Abschluss ins rechte Kreuzeck überwand.

Ohne ihre besten Scorer fehlt den Ingolstädtern die Präzision im Abschluss

Den Ingolstädtern fehlte ohne ihre drei besten Scorer Wayne Simpson, Charles Bertrand und Mirko Höfflin, die alle verletzt sind, die Präzision im Abschluss. Die in den vergangenen Spielen starke ERC-Angriffslinie um Frederik Storm, Daniel Pietta und Tye McGinn sorgte zwar für Gefahr, aber nicht für Tore.

Als das von Tigers-Kapitän Sandro Schönberger, dessen Vertrag vergangene Woche um ein Jahr verlängert worden war, erzielte 2:0 (24.) auch in der 45. Minute noch Bestand hatte, schien die nächste ERC-Pleite in Straubing ganz nah zu sein. Doch Storm (45.), Stefan Matteau (50.) und Hüttl (55.) drehten die temporeiche Partie mit ihren Treffern. Die Tigers hatten allerdings auch diesmal eine Antwort auf die redlichen Ingolstädter Bemühungen. Mike Connolly traf, als sein Torhüter Hunter Miska zugunsten eines sechsten Feldspielers auf der Bank Platz genommen hatte, und Travis Turnbull als einziger im Penaltyschießen. Jener Turnbull, der Teil der letzten Ingolstädter Meister-Mannschaft im Jahr 2014 war.

Straubing festigte durch den Derbysieg seinen vierten Platz - in den im März beginnenden Playoffs würde er Heimrecht im Viertelfinale bedeuten. Und wie stark die Tigers zu Hause sind, weiß niemand besser als der ERC Ingolstadt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: