Am Montag musste die Pressestelle der Eisbären Berlin schon wieder eine Meldung verschicken, auf die sie gern verzichtet hätte. Darin hieß es, dass die Berliner Nummer eins, Torhüter Jake Hildebrand, aufgrund einer Beinverletzung kein Spiel mehr in dieser Saison bestreiten wird. Dasselbe Schicksal ereilte zuvor bereits Hildebrands Teamkollegen Lean Bergmann, Korbinian Geibel, Blaine Byron und Patrick Khodorenko. Enorme Verletzungssorgen begleiten die Berliner bereits durch die gesamte Saison.
So stand fest, dass Jonas Stettmer am Montagabend das Eisbären-Tor hüten würde. Und der 24-Jährige meisterte seine Aufgabe sehr gut: Die Berliner gewannen Spiel Nummer sechs der Halbfinalserie in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bei den Kölner Haien 4:1 und entschieden die Serie dadurch mit 4:2 Siegen für sich. Am Freitag eröffnen sie die Finalserie mit einem Auswärtsspiel bei den Adlern Mannheim.
Stettmer sei unglaublich gewesen, sagte Berlins Trainer Serge Aubin nach dem Finaleinzug. Das könnte er auch über sich selbst sagen: Seit der 51-jährige Kanadier die Eisbären 2019 als Cheftrainer übernommen hat, hat er 14 Playoff-Serien mit ihnen bestritten – und alle 14 gewonnen. „Das ist einfach eine phänomenale Gruppe von Spielern“, sagte er: „Sie verblüffen mich immer wieder.“
Die Eisbären stehen zum fünften Mal in den jüngsten sieben DEL-Spielzeiten im Finale. Alles fast wie immer also? Diesmal nicht. Denn diese Saison hatte es lange Zeit nicht nach einem erneuten Finaleinzug ausgesehen. Die Hauptrunde hatten die Berliner wegen der vielen Verletzten nur als Sechste beendet, erst kurz vor Ende verhinderten sie, als Siebter den Umweg über die Pre-Playoffs nehmen zu müssen. Doch dann fanden sie rasch in jenen Playoff-Modus, der ihnen in den vergangenen fünf Spielzeiten vier Meistertitel eingebracht hat. Gegen die drittplatzierten Straubing Tigers setzten sie sich mit 4:2 Siegen durch, gegen die erstplatzierten Kölner Haie ebenso. „Wir sind eine eingespielte Truppe. Wenn wir eines haben, dann ist es Selbstvertrauen in unsere Stärken“, sagte Marcel Noebels, 34 Jahre alt und viermal Meister mit den Eisbären, im Sender Magentasport.
Für Haie-Kapitän Moritz Müller könnte es das letzte DEL-Spiel gewesen sein
Am Montag war es Stettmer, der mit seiner Ruhe im Tor aus dem Kollektiv hervorstach. Nach den zwei frühen Berliner Treffern von Jonas Müller (7. Minute) und Frederik Tiffels (10.) wurde der 24-Jährige nur von Parker Tuomie in Minute 16 überwunden. Späte Treffer ins leere Tor von Yannick Veilleux (59.) und Markus Vikingstad (60.) besiegelten den Berliner Sieg. „Wir sind kompakter in der Defensive gestanden und haben in den richtigen Momenten die Tore geschossen“, sagte Stettmer. Die Bezeichnung „Held des Spiels“ wies er entschieden von sich: „Das sehe ich gar nicht so. Wir haben so viele gute Jungs, die so einen guten Job machen.“ Die Vielzahl der Optionen, mit denen die Eisbären ihren Gegnern kontrollieren können, ist in der Tat verblüffend. Im entscheidenden Halbfinalspiel erzielte Nationalspieler Tiffels sein erstes Tor in diesen Playoffs, das direkt das Spiel und die Serie entschied.
Die Eisbären waren erneut das Kryptonit für die Haie. Im siebten Playoff-Duell mit den Berlinern setzte es für die Kölner die sechste Niederlage, auch vergangene Saison hatten sich die Haie im Finale als chancenlos gegen die Eisbären erwiesen. Diesmal war es deutlich knapper – auch weil die Haie unter ihrem scheidenden Trainer Kari Jalonen eine herausragende Hauptrunde gespielt und diese souverän auf Platz eins abgeschlossen hatten.
Der Kölner Kapitän Moritz Müller knabberte nach dem dritten Eisbären-Treffer kurz vor Spielende enttäuscht auf seiner Lippe herum, sein Traum, mit „seinen“ Haien, für die er seit 23 Jahren spielt, die Meisterschaft zu gewinnen, ging erneut nicht in Erfüllung. „Unsere Saison ist jetzt ein Spiel“, hatte Müller vor Halbfinalspiel sechs betont – 60 Spielminuten später musste er das Saisonende verdauen. Seit 24 Jahren warten die Haie bereits auf ihren neunten Titel – sie werden noch mindestens ein weiteres Jahr warten müssen. Ob Müller dann noch dabei ist oder ob das letzte Saisonspiel auch das letzte seiner Karriere war, ist offen. Zu Beginn der Saison hatte der 39-Jährige erklärt, diese werde sehr wahrscheinlich seine letzte sein. Am Montag ging er zu melancholischen kölschen Klängen kommentarlos und geknickt vom Eis.
Für die Berliner beginnt am Freitag in Mannheim das Finale. Ihren aktuellen Gemütszustand hatte Jonas Müller bereits nach Halbfinalspiel fünf ausgedrückt. Als ihm mitgeteilt wurde, dass die Adler bereits im Finale stünden, sagte er entspannt: „Ja, nehme ich. Alles gut.“ Jonas Stettmer fügte am Montag lediglich an: „Mit uns ist zu rechnen.“ Das hätte er gar nicht betonen müssen: Die vergangenen acht Playoff-Duelle zwischen den zwei Finalisten in den Jahren 2024 und 2025 haben allesamt die Eisbären gewonnen.



