Erstmals seit einem Vierteljahrhundert wird es in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nächste Saison kein rheinisches Derby mehr geben. Das bedauert nicht nur die abgestiegene Düsseldorfer EG. Das bedauert auch der Erzrivale aus Köln. „Wir hoffen, dass Ihr so schnell wie möglich zurückkommt“, haben die Haie der DEG im Internet geschrieben.
Der Abstieg des Düsseldorfer Traditionsklubs in die zweite Liga hat in der Branche auch deshalb breite Anteilnahme ausgelöst, weil er so dramatisch geriet. Die Düsseldorfer hatten ihr Schicksal nicht mehr selbst in der Hand. Sie konnten nur noch zuschauen und hoffen. Das ist mit das Schlimmste im auf- und abstiegsrelevanten Mannschaftssport. Die Düsseldorfer mussten dieses Gefühl der Hilflosigkeit binnen zwei Monaten gleich zwei Mal ertragen.

Düsseldorfer EG:Der bitterste Abstieg in 90 Jahren Klubgeschichte
Die Düsseldorfer EG wird Letzter der Deutschen Eishockey-Liga, der Gang in die zweite Liga ist kaum noch zu verhindern. Nach dem letzten Spieltag herrschen Wut und Frust, vor allem in Richtung Klubbesitzer.
Am 7. März haben sie mitansehen müssen, wie drückende Iserlohner gegen Augsburg den Ausgleich nicht mehr schafften. Dadurch war Düsseldorf am Ende der Hauptrunde Tabellenletzter. 53 Tage später mussten sie Dienstagnacht dann aushalten, wie in der Verlängerung des ultimativen siebten Finalspiels der Zweitliga-Playoffs die nicht aufstiegsberechtigten Ravensburger gegen die aufstiegsberechtigten Dresdner Eislöwen ein Tor kassierten. Durch Dresdens Meisterschaft war Düsseldorfs Schicksal endgültig besiegelt.
Natürlich hätte die DEG das alles verhindern können, indem sie eine bessere Saison gespielt hätte und mindestens Vorletzter geworden wäre. Aber das hatte sie eben nicht geschafft. Jetzt steigt dieser ruhmreiche Klub zum dritten Mal in seiner 90-jährigen Vereinsgeschichte aus der ersten Liga ab: 1959 konnte er in der neu gegründeten Bundesliga sportlich nicht mithalten, 1998 musste er sich wegen Überschuldung aus der DEL zurückziehen und stieg zwei Jahre später wieder auf.
Für die nächsten zwei Jahre gibt es ein „tragfähiges Konzept“. Aber dann?
Sportlicher Abstieg und finanzielle Notlage – das traf auf die DEG zuletzt sogar beides zu. Von drohender Insolvenz war zu lesen. Doch dann schufen der Verein, die Gesellschafter der DEG Eishockey GmbH und die Stadt Düsseldorf Fakten: Vergangene Woche vermeldete man „ein tragfähiges Konzept für die kommenden Spielzeiten 2025/26 und 2026/27“ als „gute Grundlage für die mittelfristige Zukunft“.
Die ehemaligen DEG-Spieler Rick Amann, 64, und Andreas Niederberger, 62, sind die neuen Geschäftsführer. Der gebürtige Kanadier Amann war in den Neunzigern vier Mal Meister mit der DEG, der Münchner Niederberger fünf Mal. Insgesamt acht Mal, zuletzt 1996, wurde Düsseldorf Meister. Mit im Schnitt 9100 Zuschauern pro Heimspiel lag die DEG in der Zuschauertabelle der DEL immer noch auf Platz fünf.
Die Mannschaft soll nun derart neu aufgestellt werden, dass man mittelfristig in die höchste Liga zurückkehren kann. Das wird allerdings eine Herausforderung sein, wie die Beispiele der ehemaligen Erstligisten Kassel oder Krefeld zeigen, die sich seit Jahren – erfolglos – um eine Rückkehr in die DEL bemühen. Die DEG verfügt momentan über keinen einzigen vertraglich gebundenen Spieler und auch keinen Trainer. Ein Kandidat soll der Kanadier Rich Chernomaz, 61, sein.
Der Reset-Knopf ist aber noch nicht gedrückt. „Weitere Sponsoren müssen akquiriert werden“, mahnt unmissverständlich der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller und kündigt einen „Zukunftsgipfel“ an, bei dem potenzielle Geldgeber zusammenkommen sollen, um die finanzielle Stabilität der DEG zu organisieren. Es wird ein Zukunftsgipfel auf dem Tiefpunkt der Klubhistorie. „Eishockey, verdammte Hölle!“, schrieben die Düsseldorfer Dienstagnacht, als Dresden gewonnen hatte und der DEG-Abstieg feststand.
Der Sportchef Nikolaus Mondt war da längst freigestellt, der Vertrag des Trainers Steven Reinprecht nicht verlängert und der Geschäftsführer Harald Wirtz (auch Gesellschafter) zurückgetreten. Im großen Vakuum hängt nun alles an Amann und Niederberger, dem Perspektiv-Duo mit glorreicher DEG-Vergangenheit. Niederberger sagt: „Wir sehen diese Phase auch als Chance, die DEG wieder auf ein stabiles Fundament zu stellen.“
Ein Mann, der an den Erfolgen des Vereins in den Sechzigern als Torwart und in den Neunzigern als Schatzmeister beteiligt war, ist unterdessen mit 83 Jahren gestorben. Die DEG würdigt Rainer Gossmann, von 1995 bis 2002 Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, als „eine der bedeutendsten Figuren in der 90-jährigen Vereinsgeschichte“.

