Eishockey:Therapiestunde im Rheinland

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Feierabend nach Treffer Nummer sieben: Die Düsseldorfer Eishockeyspieler um Kohen Olischefski beenden eine kapitale Schicht. (Foto: Maximilian Koch/Imago)

Die Düsseldorfer EG, das angriffsschwächste Team und zwischenzeitlich Tabellenletzter, rappelt sich auf - und schlägt im Derby die Kölner Haie 7:1. Nun soll die Aufholjagd beginnen.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

Die Saison ist bislang dürftig verlaufen für die ambitionierten Eishockeyspieler der Düsseldorfer EG. Nach knapp der Hälfte der Hauptrunde ist der Playoff-Kandidat Drittletzter und schwebt in Abstiegsgefahr. Da kam der kapitale 7:1-Sieg am Sonntag im rheinischen Derby gegen die Kölner Haie gerade recht. Zwar gab es auch für diesen höchsten Derbysieg seit 34 Jahren bloß drei Punkte, und in der Tabelle konnten die Düsseldorfer nur um einen Platz klettern - allerdings hat so ein Kantersieg gegen den Erzrivalen eine gewisse therapeutische Wirkung. Und außerdem besagt die neue, weil zuvor fehlerhafte Derby-Bilanz nach einer Überarbeitung, dass die DEG den Haien jetzt tatsächlich um genau diesen einen Sieg voraus ist. Von den 240 Derbys hat Düsseldorf 115 gewonnen und Köln 114. Elf endeten remis.

Für den geschäftsführenden DEG-Gesellschafter Harald Wirtz war es im Büro tags darauf endlich einmal wieder ein angenehmer Wochenauftakt. "Nach so vielen Enttäuschungen war das Balsam für die Düsseldorfer Eishockeyseele", sagte er am Montag. "Gerade gegen Köln sind solche Erfolge natürlich etwas Besonderes, aber wir wissen auch, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben." Der Sieg sei nämlich "nichts wert", wenn man ihn in den kommenden Spielen nicht dauerhaft bestätigen könne. "Von einer Wende zu sprechen, wäre verfrüht", sagte Wirtz, "für das Selbstbewusstsein des Teams kann das aber sehr wichtig gewesen sein."

Von den ersten 15 Partien gewann die DEG nur drei

Bereits im Oktober, als die DEG sogar Tabellenletzter war, hatte Wirtz in einer offiziellen Vereinsmitteilung Fans und Öffentlichkeit zu beruhigen versucht und verkündet, dass der Klub am Trainer Thomas Dolak und am Sportdirektor Niki Mondt festhalte. Am Montag nun erinnerte Wirtz noch einmal daran, dass der Saisonstart geprägt gewesen sei von "vielen Verletzungen, Formschwankungen und schwachen Special Teams". Nun geht es aber langsam aufwärts. "Die Bilanz in den vergangenen Wochen ist vorsichtig positiv."

Als im September die Saison begann, war bereits klar, dass drei relevante Akteure, die Kanadier Kyle Cumiskey, Stephen MacAulay und Brendan O'Donnell, wegen schwerer Verletzungen länger nicht würden spielen können. Womöglich auch deshalb gewann die DEG von den ersten 15 Partien nur drei und fand sich bis Ende Oktober auf dem letzten Tabellenplatz wieder. Ursprünglich hatte sich der Klub den Einzug ins Playoff-Viertelfinale zum Ziel gesetzt. Dieses Ziel hatte die DEG auch in der vergangenen Saison erreicht, aber in der Serie 1:4 gegen Ingolstadt verloren.

Der lange verletzte Angreifer O'Donnell ist zurück - und hat schon dreimal getroffen

Erst seit November zeigt die Kurve wieder leicht nach oben. Von den jüngsten neun Spielen gewannen die Düsseldorfer fünf, darunter ein 4:1-Sieg beim Tabellenführer Eisbären Berlin und nun der spektakuläre Sieg gegen Köln. Sieben Tore sind das überraschende Statement der zuvor angriffsschwächsten Mannschaft der Liga. Noch vor dem Spiel hatte die DEG mit 49 Treffern die wenigsten verbucht, jetzt hat sie mit 56 Treffern zumindest das Schlusslicht Iserlohn (51) überholt. Seit sechs Spielen ist nach einem Jahr Pause wegen einer durchtrennten Achillessehne auch der Angreifer O'Donnell wieder dabei und hat schon drei Treffer und drei Assists beigesteuert.

Den Triumph vor 13 100 Zuschauern im ausverkauften Dome nannte der DEG-Kapitän Philip Gogulla am Sonntag zunächst einmal vorsichtig nur "eine Art Befreiungsschlag", was wohl so zu verstehen ist, dass er sich dessen noch nicht ganz sicher war. Kommenden Freitag bestreiten die Düsseldorfer ihr viertes Heimspiel in Serie gegen Schwenningen und gastieren dann am Sonntag in Frankfurt. Hinterher wird Gogulla besser einschätzen können, ob das Köln-Spiel tatsächlich nur "eine Art" Befreiungsschlag war oder schon ein wirklicher. Der Sportchef Mondt hegt jedenfalls die Hoffnung, dass die sieben Treffer die zuvor "offensiven Hemmungen" in dieser Saison "lockern können".

Der Rückstand auf den zehnten Platz, der nach 52 Hauptrundenspielen Anfang März mindestens erforderlich sein wird, um die Pre-Playoffs zu erreichen, beträgt noch immer zehn Punkte. Etwa 40 Stunden vor dem Derby-Triumph hatte die DEG am Freitagabend beim 1:2 gegen Nürnberg nämlich einmal mehr eine enttäuschende Leistung gezeigt. "Vielleicht wollen wir ja manchmal zu viel", sagte am Sonntag der Trainer Dolak, der über das 7:1 gegen Köln umso erleichterter war. "Das war eine gute Energie", lobte er die Spieler, "sie wollten eine Reaktion zeigen und haben endlich auch mal die Chancen verwertet."

Manager Harald Wirtz bremst derweil mögliche zu hohe Erwartungen. "Zunächst mal wollen wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben", sagt er und hofft, dass sich die Mannschaft weiter aus dem Tabellenkeller herausarbeiten kann. "Für alles Weitere bräuchten wir dann schon eine beeindruckende Serie."

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