Das Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten des Deutschen Eishockey-Bundes Franz Reindl wegen des Verdachts der Untreue ist eingestellt. Wie die Staatsanwaltschaft München I auf Anfrage der SZ mitteilte, seien „die Ermittlungen zu dem Ergebnis gelangt, dass dem Beschuldigten R. ein strafbares Verhalten nicht nachgewiesen werden kann. Das Verfahren wurde daher aufgrund mangelnden Tatnachweises gemäß § 170 Abs. 2 StPO eingestellt.“ Damit endet nach mehr als drei Jahren die juristische Auseinandersetzung um Reindl, die den 70-Jährigen womöglich die Wahl zum Präsidenten des Eishockey-Weltverbands IIHF gekostet hat.
Reindl nahm am Donnerstag während der laufenden Weltmeisterschaft in Dänemark und Schweden am Kongress des Exekutivkomitees der IIHF teil. Die „Einstellung erster Klasse“ habe bestätigt, „dass sich keiner der seit Dezember 2020 von unterschiedlichen Stellen in verschiedensten Varianten erhobenen Vorwürfe als richtig herausgestellt hat“, sagte Reindl der SZ. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass er weder als Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) noch als Geschäftsführer der DEB GmbH „jemals pflichtwidrig gehandelt“ habe: „Die gegen mich erhobenen Vorwürfe waren falsch.“ Am 16. Mai ist die Akte geschlossen worden. Seine Familie und er seien „sehr erleichtert“.
Das seit Anfang 2022 laufende Ermittlungsverfahren gegen Reindl, das im Oktober 2023 in einer Durchsuchung der DEB-Geschäftsstelle in München, beim Sportrechtevermarkter Infront in Frankfurt sowie in Reindls Privaträumen in Garmisch-Partenkirchen gipfelte, wurde im Juni 2021 losgetreten. Am Tag, als Reindl seine Kandidatur für das Amt des IIHF-Präsidenten bekanntgab, berichteten das Magazin Spiegel sowie die Augsburger Allgemeine über mögliche verdeckte Einkünfte Reindls. Der ehemalige Nationalspieler und Generalsekretär des DEB soll sich in seiner Zeit als Verbandspräsident von 2014 an in einem Interessenkonflikt befunden haben.
Bereits seit 1994 führte Reindl die Geschäfte der DEB GmbH, die unter anderem für die Organisation der Heimweltmeisterschaften 2001, 2010 und 2017 zuständig war. Dafür habe er ein monatliches Gehalt von insgesamt rund 9000 Euro bezogen. „Damit habe ich mein Geld verdient“, sagte Reindl der SZ. Für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Präsident habe er „nie einen einzigen Cent“ gesehen. Kritikern aus den Reihen der DEB-Landesverbände erschien es jedoch fragwürdig, warum die DEB GmbH, die zeitweise zu 50 Prozent vom Vermarkter Infront finanziert wurde, über die WM 2017 hinaus mehrere Jahre am Leben gehalten wurde, obwohl sie keinen Gewinn abwarf. Der Verdacht lautete, Infront finanziere auf diesem Weg Reindls Geschäftsführergehalt und erhalte im Gegenzug weitreichende Rechte bei der Vermarktung der Nationalmannschaft – zu äußerst günstigen Konditionen und damit zum möglichen Schaden für den DEB.
Die Ethik-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes empfahl „dringend“, die Angelegenheit „umfassend und unabhängig zu prüfen“. Es müsse geklärt werden, „ob eine verdeckte Finanzierung der ehrenamtlichen Funktion des Präsidenten vorliegt“. Reindl beauftragte daraufhin im Oktober 2021 die Kölner Kanzlei Verte mit einem Gutachten. Diese kam zu dem Schluss, Reindl habe sich nichts Strafwürdiges zuschulden kommen lassen, die Infront eingeräumten Konditionen seien marktüblich. Die Kritiker innerhalb des Verbandes sprachen von einem bestellten Gutachten. Der Verband stand über Monate vor der Zerreißprobe.
Bei der Wahl zum IIHF-Präsidenten unterlag Reindl im Sommer 2021 dem Franzosen Luc Tardif deutlich
Reindl sieht sich durch die Einstellung des Verfahrens, in dem er als einziger Beschuldigter galt, juristisch rehabilitiert. Sein Anwalt äußert sich laut einer Mitteilung des DEB so: „Mit der Einstellung wird die mediale Berichterstattung korrigiert und die Integrität von Franz Reindl von offizieller Seite uneingeschränkt bestätigt.“ Die in den „tendenziösen Berichten einiger Medien (…) und durch den hessischen Eishockeyverband wiederholt erhobenen Anschuldigungen waren schlecht recherchiert und unzutreffend“.
Unter seiner Führung sei „stets die sportliche, wirtschaftliche und organisatorische Entwicklung“ des Verbandes vorangetrieben worden, betont Reindl. Tatsächlich gelang ihm die Schlichtung eines jahrelangen Streits zwischen DEB und Deutscher Eishockey Liga zum Wohl der Nationalmannschaft als Aushängeschild der Sportart. Diese dankte ihm mit dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 2018, der ersten olympischen Medaille seit Bronze 1976 – damals stand Reindl selbst noch auf dem Eis.
Irreparabel beschädigt sei jedoch sein Ruf, sagte er einmal der SZ. Bei der Wahl zum IIHF-Präsidenten unterlag Reindl im September 2021 dem französischen Konkurrenten Luc Tardif mit 39:67 Stimmen. Nach zwei Amtszeiten als DEB-Präsident stellte er sich im Mai 2022 nicht mehr zur Wiederwahl. Als Mitglied des IIHF-Councils ist er bis 2026 im Amt.


