Eishockey Das Team triumphiert

Jubelt hier über den Einzug ins Halbfinale der Playoffs: Augsburgs Stürmer Drew LeBlanc.

(Foto: Stefan Puchner/dpa)

Nach einer unberechenbaren Serie gegen die Düsseldorfer EG stehen die Augsburger Panther im Halbfinale. Es ist Augsburgs größter Erfolg seit neun Jahren.

Von Johannes Schnitzler

Die letzte Wortmeldung gehörte Harold Kreis. Als nach dem Spiel gegen die Augsburger Panther keine weiteren Fragen aus der Presserunde kamen, richtete sich der Trainer der Düsseldorfer EG ans Plenum: "Ich habe noch eine Frage." Interessant, dachten sich die Journalisten, was jetzt wohl kommen würde? Eine Schmährede auf die Schiedsrichter, eine gepfefferte Philippika auf sein Team, das im Curt-Frenzel-Stadion gerade recht leblos 1:2 verloren hatte und aus den Playoffs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ausgeschieden war? Aber Kreis ist kein schlechter Verlierer. "Kann mir jemand sagen, wie Köln gegen Ingolstadt gespielt hat?" Das war seine Frage. Es interessierte Kreis tatsächlich, wer neben Mannheim, München und Augsburg als viertes Team ins Halbfinale eingezogen war, und in seiner Kabine habe er kein Internet gehabt. Zuvor hatte der 60 Jahre alte Gentleman die Augsburger Panther ohne jede Ironie als "würdige, verdiente Sieger" der Best-of-seven-Serie bezeichnet und deren Trainer geadelt: "Mike Stewart macht hier einen fantastischen Job."

Augsburg steht im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft, zum ersten Mal seit 2010, zum zweiten Mal überhaupt in seiner Klubgeschichte. Bereits am Mittwoch (19.30 Uhr) beginnt die Serie gegen Titelverteidiger EHC Red Bull München. "Fühlt sich gut an", sagte der Austrokanadier Stewart, "wir sind überhappy."

Daniel Schmölz mit einem Präzisionsschlenzer in den Torwinkel (19.) und Drew LeBlanc mit einem abgefälschten Schuss (44.) hatten das 0:1 durch den Überzahltreffer von Braden Pimm (14.) gedreht und die lodernde, wogende, launische Serie zu Gunsten der Panther entschieden. Auch Alexander Barta, 36, presste einen Glückwunsch zwischen den Zähnen hervor: "Augsburg hat das gut gemacht. Sie stehen im Halbfinale und haben es auch verdient." Allerdings gab es schon Filme mit Bösewichten, die weniger grimmig dreinblickten als der rotbärtige DEG-Kapitän bei seinem Abgang von der Kabine zum Mannschaftsbus. So ein siebtes Spiel sei eben "immer so eine Sache": do or die, nennen sie das, Triumph oder Tod. Im Eishockey wird ein rauer Charme kultiviert.

Die Augsburger hatten die besten Düsseldorfer Angreifer im Griff

Bartas Frust war verständlich. Seine Reihe mit Philip Gogulla und Jaedon Descheneau hatte Augsburg sechs Spiele lang große Probleme bereitet. Am Sonntag aber hatten die Panther das Trio im Griff. "Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass diese Reihe uns getragen hat", sagte Verteidiger Patrick Köppchen: "Aber am Ende ist Eishockey halt doch Mannschaftssport."

Auch Mike Stewart stellte die Mannschaft in den Vordergrund: "Unsere Teamleistung hat die Serie gewonnen." Aber weder den Trainer noch die Torschützen und auch nicht Torhüter Olivier Roy, der in der Schlussphase den Sieg mit einer Parade gegen Marco Nowak festhielt, forderten die 6000 AEV-Fans am Sonntag im Curt-Frenzel-Stadion. Als das Team vor der Kurve stand und eine Welle nach der anderen startete, riefen sie: "Chriiis-toph Ull-mann!"

Ullmann, vor seinem Wechsel nach Augsburg zweimal Meister mit Mannheim, ein Profi mit der Erfahrung aus 1040 Spielen in der DEL und im Nationalteam, hatte am Freitag nach einem Check des Düsseldorfers John Henrion das Bewusstsein verloren und seine Zunge verschluckt. Ohne Ulf Blecker, den Mannschaftsarzt der DEG, wäre der 35-Jährige wohl auf dem Eis erstickt. Ullmann durfte das Krankenhaus am Samstag verlassen, "ordentlich geschockt", wie Blecker nach einem Telefonat erzählte. Erst als der Arzt ihm die dramatischen Geschehnisse berichtete, sei ihm klar geworden, wie knapp er dem Tod entkommen war, sagte Ullmann. Acht Minuten war er ohne Bewusstsein, seine Erinnerung setzt erst wieder im Rettungswagen auf dem Weg in die Klinik ein. Trotzdem wollte er am Sonntag bei der Mannschaft sein, mit einer schweren Gehirnerschütterung, einer genähten Platzwunde an der rechten Schläfe und auf steifen Beinen zwar. Aber: "Die Situation sah auch für meine Mitspieler nicht so lustig aus", sagte Ullmann der Augsburger Allgemeinen. Deshalb habe er sich "den Jungs lebendig zeigen" wollen. Die Partie verfolgte er in der Kabine vor dem Fernseher. "Ich möchte nicht raus." Als die Fans ihn immer lauter forderten, gab Ullmann aber doch nach. John Henrion trage er nichts nach, sagte er. Der Düsseldorfer habe ihm in einer persönlichen Nachricht versichert, dass er ihn nicht verletzen wollte: "Das nehme ich ihm auch ab." Die Mannschaft feierte Ullmanns Triumph wie ihren eigenen: Done. Geschafft. Mike Stewart sagte: "Es war berührend, ihn heute in der Kabine zu haben."