Eishockey:"Dämlicher geht es nicht"

13.10.2021, Zug, Bossard Arena, CHL: EV Zug - Red Bull München, Red Bull München nach dem Sieg gegen Zug Zug Bossard Ar

Fast schon zu einfach für großen Jubel: Das Münchner Eishockey-Team gewann das entscheidende Gruppenspiel gegen Zug nach ausgeglichenem ersten Drittel noch mit 6:1.

(Foto: Vedran Galijas/Just Pictures/Imago)

Der EHC München und die Adler Mannheim qualifizieren sich fürs Achtelfinale der Champions Hockey League. Massive Kritik üben derweil die ausgeschiedenen Bremerhaven Pinguins - an der DEL, die bei der Abstimmung beider Ligen zu wenig Rücksicht auf die deutschen CHL-Klubs nehme.

Von Christian Bernhard, München

Leonardo Genoni ist in der Schweiz eine feste Eishockey-Größe, womöglich die verlässlichste der vergangenen Jahre. Der 34-jährige Torhüter gilt in der Alpenrepublik als Magier, sein Spitzname "The Wall" ist seit vielen Jahren Programm. Sechsmal gewann er die Schweizer Meisterschaft, fünfmal wurde er zum Torhüter des Jahres gewählt. 2018 erreichten die Eidgenossen das WM-Finale, weil er herausragend hielt. Genoni sei "in jeder Beziehung" ein außergewöhnlicher Torhüter, sagt sein Klub-Trainer Dan Tangnes, der den EV Zug im Mai dieses Jahres zum ersten Meistertitel seit 23 Jahren geführt hat. Genoni hatte selbstverständlich auch daran großen Anteil.

Am Mittwochabend entzauberte sich Genoni in der Champions Hockey League (CHL) allerdings selbst. Der EHC Red Bull München sorgte beim 6:1-Sieg in Zug dafür, dass Genonis Arbeitsabend bereits zur Hälfte des Spiels beendet war. Zu diesem Zeitpunkt führten die Münchner dank der Tore von Bastian Eckl (3.), Frederik Tiffels (25.) und Justin Schütz (31.) mit 3:1, Genoni hatte bei allen drei Gegentreffern keine gute Figur abgegeben. Sein Ersatzmann Luca Hollenstein konnte weitere Treffer von Philip Gogulla (42.) und abermals Schütz (55.) auch nicht verhindern, Elias Lindner traf ins leere Tor (55.).

Dem meist stoisch auftretenden Münchner Trainer Don Jackson huschte beim Ertönen der Schlusssirene ein Lächeln über sein Gesicht. Wenig später stimmte er vor den mitgereisten Münchner Anhängern sogar die Welle an und betonte, er sei "unfassbar stolz" auf seine Spieler, deren Einstellung super gewesen sei. "Spiele wie dieses schweißen die Mannschaft noch enger zusammen", erklärte der erfahrene US-Amerikaner.

Die Münchner mussten ihr letztes Gruppenspiel in der regulären Spielzeit gewinnen, um die Zuger noch zu überholen und sich für die K.o.-Runde zu qualifizieren. Sie taten das mit "geilem Eishockey", wie Nationalspieler Tiffels fand, einer der fünf deutschen EHC-Torschützen. Der Achtelfinaleinzug sei verdient. Die Münchner stehen damit bei ihrer sechsten CHL-Teilnahme zum sechsten Mal in der K.o.-Runde. Die Gruppenphase-Hürde nahmen auch die Adler Mannheim. Die Kurpfälzer verloren zwar am Mittwoch gegen den HC Lausanne mit 1:3, waren aber davor schon für die Runde der letzten 16 qualifiziert. "Wir haben uns mental heute schwergetan, sind nur holprig in die Partie gekommen und letztlich zu spät aufgewacht", bilanzierte Adler-Verteidiger Sinan Akdag.

München und Mannheim erfahren ihre Gegner in der K.o.-Runde am Freitag bei der Auslosung

München und Mannheim, die auch in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) die Plätze eins und zwei belegen, sind die zwei letzten deutschen Klubs im CHL-Rennen. Die Eisbären Berlin gewannen ihr letztes Vorrundenspiel beim HC Lugano 4:2, hatten aber schon vor der abschließenden Gruppenpartie keine Chance mehr aufs Weiterkommen. Am Dienstag waren die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven durch eine 1:3-Heimniederlage gegen Sparta Prag in der Gruppenphase gescheitert.

Dass die Abstimmung zwischen den nationalen Ligen und der Champions Hockey League immer noch nicht optimal ist, obwohl die laufende CHL-Saison bereits die siebte ist, machte der Debütant aus Bremerhaven deutlich. Pinguins-Trainer Thomas Popiesch war vor der abschließenden Gruppenpartie gegen Prag die DEL verbal hart angegangen. Wie in der DEL geplant werde, sei "katastrophal" und "respektlos", sagte er in der Nordsee-Zeitung. Die Bremerhavener mussten bei ihrer CHL-Premiere zwei Tage vor und zwei Tage nach der entscheidenden Gruppenpartie in der Liga antreten. "Dämlicher geht es nicht mehr. Das ist eine Provokation", unterstrich Popiesch. Seiner Meinung nach habe sich von Anfang an gezeigt, dass die DEL kein Interesse daran habe, dass die CHL auf eine "höhere Ebene" komme. Das interessiere die DEL-Verantwortlichen nicht, "deswegen kommen wir keinen Millimeter weiter".

München und Mannheim erfahren ihre Gegner in der K.o.-Runde am Freitag bei der Auslosung in Zürich (12 Uhr). Da beide Klubs ihre Vorrundengruppen als Zweite abgeschlossen haben, treffen sie in der Runde der letzten 16, die am 16./17. und 23./24. November ausgetragen wird, jeweils auf einen Gruppensieger. Bei der Auslosung gibt es nur eine Regel: Es dürfen keine Teams aufeinandertreffen, die bereits in der Gruppenphase gegeneinander gespielt haben. Möglich ist ein Münchner Achtelfinalduell mit dem Red-Bull-Schwesterklub aus Salzburg.

Ein solches würde beim EHC unweigerlich Erinnerungen an die Spielzeit 2018/19 wecken. Damals mussten die Münchner nach der 2:3-Hinspielniederlage im Achtelfinale gegen Zug das Rückspiel in der Schweiz gewinnen. Sie taten das dank eines starken Danny aus den Birken im Tor, der damals laut Don Jackson das beste Spiel seiner Karriere gemacht hatte, mit 2:0, räumten danach noch Salzburg aus dem Weg und erreichten als erste deutsche Mannschaft das CHL-Endspiel; dort war der HC Frölunda aus Göteborg zu stark.

Bis ins Finale ist es für die Münchner und Mannheim noch ein weiter Weg, für beide geht es erst einmal in der DEL weiter. Die Mannheimer müssen an diesem Freitag nach Schwenningen, die Münchner nach Augsburg (jeweils 19.30 Uhr). Selbstvertrauen dürfte der EHC nach dem Auftritt in Zug genug haben - und eine Sorge weniger ebenfalls. Nachdem die Augsburger am vergangenen Sonntag gegen Nürnberg ein Tor erzielt hatten, das gar keines war (die Scheibe war seitlich durchs Tornetz ins Tor geflogen, ohne dass die Schiedsrichter es bemerkten), teilte die Liga mit, dass die Augsburger Tornetze nun ausgetauscht wurden.

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