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Eishockey:Aus der Bärenhöhle

Der deutsche WM-Gegner Tschechien glänzt im Verborgenen - doch das DEB-Team glaubt im Viertelfinale an seine Chance.

Im Eishockey wird alles statistisch erfasst: Die Zeit, die ein Spieler auf dem Eis verbringt, wie oft er schießt, wie häufig ihn sein Trainer aufs Eis schickt. Aber es ist kein Spieler, der bei dieser WM am häufigsten auf dem Eis zu finden ist, sondern Macejko, ein Bär in volkstümlicher slowakischer Tracht mit einem Hut, der aussieht wie eine fliegende Untertasse. Der zottelige Macejko saust vor jedem Spiel übers Eis und macht Stimmung. Bei den Kindern ist Macejko der Star. Noch haariger ist nur Jakub Voracek.

KAHUN Dominik Team GER Tor zum 2 2 Jubel mit MUELLER Moritz und TIFFELS Frederik Eishockey Weltme

Deutsche Jubel-Einheit: Frederik Tiffels, Dominik Kahun und Moritz Müller (von links) beim 4:2-Sieg gegen Finnland.

(Foto: Laci Perenyi/imago)

Der 29-Jährige trägt einen Bart, der vermuten lässt, Voracek habe die vergangenen sieben Jahre in einer Bärenhöhle gelebt. Dabei ließe es sich durchaus bequemer einrichten mit einem Gehalt von 8,25 Millionen Dollar pro Saison. Der NHL-Profi (Philadelphia) ist mit drei Toren und zwölf Assists statistisch gesehen der drittbeste Stürmer bei dieser WM. Er ist der Kapitän und Fixpunkt im Team der Tschechischen Republik, Gegner der deutschen Auswahl im Viertelfinale am Donnerstag (20.15 Uhr) in Bratislava. Und wie ihr Kapitän hinter seinem gewaltigen Gesichtsvorhang, so haben die Tschechen ihr wahres Gesicht bei diesem Turnier bislang verborgen. Der sechsmalige Weltmeister hat Titelverteidiger Schweden 5:2 geschlagen, Norwegen 7:2 besiegt, Italien und Österreich jeweils 8:0 zertrümmert und die Letten beim 6:3 dominiert. Nur gegen Russland musste das Team von Milos Riha ein 0:3 hinnehmen. Unter den zehn besten Scorern der WM sind fünf Tschechen. Dennoch gehörte die Aufmerksamkeit vor allem den Russen um Owetschkin, Dadonow, Malkin und Kowaltschuk. "Wir alle haben uns Tschechien am meisten gewünscht", sagte der in Tschechien geborene Nationalstürmer Dominik Kahun. "Das ist besser, als gegen Russland zu spielen. Wenn wir wieder eine sehr gute Leistung zeigen wie gegen Finnland, ist das ein machbarer Gegner."

Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm

"Entscheidend ist nicht, was ich glaube, sondern was die Mannschaft glaubt. Und ich glaube, die Mannschaft glaubt jetzt an ziemlich viel."

Nach dem 4:2 gegen Finnland, dem fünften Sieg im siebten Spiel und der besten WM-Vorrunde ihrer Geschichte, gehen die Deutschen selbstbewusst ins Spiel. "Das Tiefstapeln sollten wir ablegen", sagte Kapitän Moritz Müller. "Warum nicht sagen, wir wollen ins Halbfinale?" Das Team reiste am Mittwoch mit einem Sonderzug vom Gruppen-Spielort Kosice nach Bratislava, am Nachmittag war ein freiwilliges Training angesetzt. Beine ausschütteln nach der vierstündigen Fahrt. Das letzte Mal sei er vor sieben Jahren mit dem Zug zu einem Spiel angereist, erzählte NHL-Profi Philipp Grubauer: "Aber das ist okay. Im Zug kann man sich erholen, und dann geht's wieder auf." Der angeschlagene Torhüter war gegen Finnland erstmals nach drei Spielen wieder zum Einsatz gekommen. "Zwei Wochen Pause und dann gleich Viertelfinale, das wäre schwierig geworden." Jetzt fühle er sich "super", die Bilanz sei "wow, stark". Aber die Deutschen wollen mehr. Stürmer Markus Eisenschmid meinte: "Wir sind von Spiel zu Spiel besser geworden. Und am Donnerstag müssen wir unser bestes Spiel spielen."