Eintracht Frankfurt Ultra-Herausforderung

Frankfurt nutzt die Europa League als große Bühne: Im Achtelfinale trifft die Eintracht auf Inter Mailand. Die Freude wird durch einen schwelenden Konflikt getrübt.

Von Tobias Schächter, Frankfurt

Adi Hütter staunte. 4:1 hatte Eintracht Frankfurt gerade Schachtjor Donezk bezwungen und nach dem 2:2 im Hinspiel erstmals nach 24 Jahren wieder ein Europacup-Achtelfinale erreicht. Hütter ist seit acht Monaten Trainer der Eintracht, und Donnerstagnacht konnte sich der Österreicher nicht entscheiden, ob er mehr von der reifen Leistung seines Teams überrascht sein sollte oder von der grandiosen Stimmung auf den Rängen. Fast jeder Fan stand und sang und schrie die Eintracht während der 90 Minuten nach vorne.

Peter Fischer.

(Foto: Thomas Frey/dpa)

Es sei im Europapokal noch lauter als bei Bundesligaspielen, stellte Hütter fest: "Ein Riesenspektakel." Bei der Eintracht herrscht gerade eine Europa-Euphorie, wie sie sich Politiker für die EU derzeit nur erträumen können. Und wie keinem anderen Bundesligisten in den vergangenen Jahren gelang es den Frankfurtern, die Europa League nicht als Belastung zu beklagen, sondern als Belohnung zu feiern. Das war schon so bei ihrer letzten Teilnahme im Wettbewerb vor sechs Jahren. Damals begleiteten 12 000 Fans das Team zum Auswärtsspiel nach Bordeaux. Nun scheint es, als wollten die Fans sich selbst noch einmal übertreffen - und diese Mentalität überträgt sich auf die Mannschaft. Gegen Schachtjor schwang sich seine Elf zu ihrer "absolut besten Saisonleistung" auf, fand Hütter. Durch Tore von Luka Jovic (23.) und Sebastien Haller (27., Handelfmeter) lagen die Hessen zur Pause 2:0 vorne. Doch die starken Ukrainer schafften den Anschluss durch Junior Moraes (63.) und scheiterten danach zweimal an der Latte (70., 78.), bevor Haller mit dem 3:1 (80.) "die Erlösung" (Torwart Kevin Trapp) gelang - und der eingewechselte Ante Rebic das 4:1 (88.) draufsetzte. Es passt zur Legendenbildung, dass Hallers wegweisender Treffer zum 3:1 (mittels eines Übersteigers) wie eine Kopie des legendären Treffers von Jan Aage Fjörtoft aus dem Jahr 1999 wirkte. Damals rettete das Tor des Norwegers zum 5:1 gegen Kaiserslautern der Eintracht am letzten Spieltag den Klassenverbleib in der Bundesliga. Mehr Folklore geht kaum.

Auslosung des Europa-League-Achtelfinales

Eintracht Frankfurt - Inter Mailand

FC Chelsea - Dynamo Kiew

Dinamo Zagreb - Benfica Lissabon

SSC Neapel - RB Salzburg

FC Valencia - FK Krasnodar

FC Sevilla - Slavia Prag

FC Arsenal - Stade Rennes

Zenit St. Petersburg - FC Villarreal

Hinspiele 7. März; Rückspiele 14. März

Weitere Termine, jeweils mit Hin- und Rückspiel: Viertelfinale am 11. und 18. April; Halbfinale am 2. und 9. Mai; Finale am 29. Mai in Baku.

Dabei hatte der Tag für die Eintracht unschön begonnen. Die Polizei hatte am Nachmittag in Räumen hinter der Nordkurve der Arena nach Pyrotechnik gesucht, aber keine gefunden. Die Ultras sagten daraufhin ihre angekündigte Choreografie ab. Anlass der Durchsuchungen war ein Video vom Vortag, in dem Frankfurts Vereinspräsident Peter Fischer unter anderem sagte: "Das Stadion muss brennen, und wenn ich sage, dass das Stadion morgen brennt, dann brennt das Stadion morgen." Ein Aufruf zum Zünden von Pyrotechnik? Eintracht-Vorstand Axel Hellmann bezeichnete in einem eilig einberufenen Pressegespräch kurz vor Anpfiff die Aktion der Polizei als "rechtsstaatlich bedenklich". Fischers Aussagen seien kein Aufruf zu Gewalt oder zum Abbrennen von Pyrotechnik gewesen. Eine solche Deutung schien für Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) jedoch nahegelegen zu haben: Beuth nannte es "unverantwortlich, wenn vermeintlichen Fans seitens der Führung eines Vereins solche Signale zu gefährlichem Verhalten in Stadien ausgesendet werden". Die Eintracht wies die Anschuldigungen energisch zurück. Die Angemessenheit des Einsatzes ist tatsächlich diskussionswürdig. Zumal die Ultras behaupten, es habe bei dem Einsatz Verletzte gegeben. Die Polizei bestreitet das. Andererseits: Muss ein Präsident eines Fußballvereins, der das belastete Verhältnis zwischen Ultras und Polizei kennt, reden wie ein Ultra? Oder muss er als Verantwortlicher nicht auch damit kalkulieren, wie seine Aussagen bewertet werden? Bei den Durchsuchungen stellten die Beamten nur ein Banner sicher, das sich gegen Minister Beuth richtete. Diesem warfen die Ultras einen "privaten Kleinkrieg" gegen sie vor. Klar ist, dass das Spiel das angespannte Verhältnis zwischen Ultras und Staatsmacht nicht verbesserte.

Aber es machte trotzdem mehr Lust auf Europacup in Frankfurt. Im Überschwang meinte Verteidiger Danny da Costa, ganz Europa sei froh, dass die Eintracht mit diesen Fans noch dabei sei. Im Achtelfinale geht es gegen Inter Mailand - sportlich ein Traumlos, das am Freitag präsentiert wurde, zumindest vom Namen her. Wie es die Sicherheitsbehörden beurteilen, bleibt abzuwarten. Zunächst einmal ist es ein gutes Zeugnis, dass die Eintracht nun als eines der attraktivsten Teams im Wettbewerb eingestuft wird.