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Eintracht Frankfurt:Der Fußballer als Lebensabschnittspartner

Fredi Bobic

Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic.

(Foto: Thomas Frey/dpa)

Sportchef Fredi Bobic setzt die Logik des neuen Transfermarkts bei der Eintracht bestens um: Heute holt man Spieler wie Haller, um ein, zwei Jahre später Millionen für sie zu kassieren.

Vor einem Jahr, ungefähr um diese Zeit, waren sich die Experten erstaunlich einig. Jedenfalls konnte man in einschlägigen Talkshows und Magazinen keine Originalitätspunkte sammeln, wenn man die kühne These vertrat, dass der frisch gekürte Pokalsieger in der anstehenden Saison in Abstiegsgefahr geraten würde. Tatsächlich schien diese These ja nicht kühn zu sein, sondern wirklich sehr naheliegend: Wie sollte der Pokalsieger Eintracht Frankfurt das nur verkraften? Der Torwart Hradecky: weg. Die Mittelfeldspieler Boateng, Mascarell und Wolf: weg. Und natürlich dieser Erfolgstrainer Niko Kovac: weg zum FC Bayern.

Eine kühne These wäre vor einem Jahr gewesen: Frankfurt kommt ins Europa- League-Halbfinale und scheitert da erst am FC Chelsea, im Elfmeterschießen.

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Der Angreifer wechselt zu West Ham in die Premier League - zuvor hatte bereits Luka Jovic die Eintracht verlassen.

Die Eintracht hat eine beachtliche Saison hinter sich, das sollten alle bedenken, die jetzt wieder ihre Argumente für die Talkshows zurechtlegen. Ja, Luka Jovic ist weg, zu Real Madrid. Ja, Sébastien Haller geht jetzt auch, zu West Ham. Ja, auf den Verbleib von Ante Rebic sollte man auch nur wetten, wenn einem Geld wirklich wurscht ist. Dennoch würde es Frankfurts Sportchef Fredi Bobic kaum aus der Ruhe bringen, wenn aus dem magischen Dreieck (II) über Nacht ein Nulleck geworden wäre. Bobic, einst Teil des Originaldreiecks Elber/Bobic/Balakow, würde vermutlich erst mal grinsen, wobei man sich da nicht ganz sicher sein kann. Er sieht ja immer aus, als würde er grinsen.

Für Klubs wie Frankfurt ist das Transfer-Modell die Chance, Kapital anzuhäufen

Natürlich weiß niemand, ob es Bobic wieder gelingt, aus einer guten Elf eine bessere zu machen. Bobic hat keine andere Wahl, als es zu versuchen, er lässt sich mit aller Radikalität und Raffinesse ein auf den Markt, auf dem er tätig ist. Er hat seine Eintracht zu einem Team gemacht, das die Logik des ebenso zynischen wie kreativen neuen Markts in Reinform verkörpert. Heute besitzt man Spieler wie Jovic oder Haller nicht mehr, um mit ihnen mal ein großes Team aufzubauen, wie es die Eintracht zuletzt mit Bein, Möller und Yeboah hatte - heute holt man sie, um ein oder zwei Jahre später 45 (Haller) oder 60 (Jovic; wobei ein Teil der Ablöse an Jovics Ex-Klub Benfica Lissabon fließt) Millionen für sie zu kassieren, die man dann wieder in neue Spieler steckt, die man ein, zwei Jahre später wieder ...

Die Fankurven lernen gerade, dass aus Klubs und Spielern Lebensabschnittspartner geworden sind. Man begleitet sich auf einem kleinen Weg und hat sich auch ein bisschen lieb, dann geht man im Guten auseinander. Für Klubs wie Frankfurt ist dieses unromantische Modell die Chance, Kapital anzuhäufen und mit diesem Geld das Niveau des Standorts dauerhaft anzuheben. So viele Millionen für zwei Spieler: Fredi Bobic hat der Bankenstadt Frankfurt zumindest mal vorgeführt, was ein gutes Geschäft ist.

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