Eintracht Frankfurt Mit dem nötigen Ernst

Entscheidender Moment: Frankfurts Verteidiger Martin Hinteregger überlistet beim 1:0 den Nürnberger Torwart Christian Mathenia.

(Foto: Jan Huebner/imago)

Drei Spiele in sieben Tagen - und alle siegreich: Die Eintracht bleibt auf Erfolgskurs und gewinnt auch gegen den bemüht kämpfenden Tabellenletzten 1. FC Nürnberg.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Marek Mintal, 41, hat auch am Sonntagnachmittag in Frankfurt den Platz eingenommen, der ihm qua seiner aktuellen Funktion zusteht. Er ist seit ein paar Wochen Co-Trainer beim 1. FC Nürnberg, also ließ er sich auf der Ersatzbank nieder und verfolgte ordnungsgemäß von dort aus das Spiel. Aber das, was er und die anderen Zuschauer im Waldstadion sahen, mag bei dem einen oder anderen Sympathisanten des fränkischen Traditionsklubs den Gedanken ausgelöst haben, wie es wohl wäre, wenn sich Mintal nicht auf der Bank, sondern ein paar Meter weiter weg befinden würde, auf dem Feld. "Phantom" nannten sie den Slowaken in den Nullerjahren, weil er die Fähigkeit besaß, wie aus dem Nichts aufzutauchen, wenn der Ball in den Strafraum flog, und ihn dann irgendwie ins Netz zu bringen. Aber in dieser Saison gibt es beim 1. FC Nürnberg halt niemanden, der mal aus dem Nichts auftaucht, um ein Tor zu erzielen, und an diesem Sonntag in Frankfurt merkten sie das mal wieder schmerzlich.

0:1 (0:1) unterlag der Club. Es war ein durchaus anständiger Auftritt, wie schon manches Mal in den vergangenen Wochen, aber das änderte nichts daran, dass es das 20. Bundesliga-Spiel in Serie ohne Sieg gab. Nürnberg ist weiterhin der Tabellenletzte der Liga, sieben Punkte beträgt der Abstand auf den Relegationsplatz. Die Eintracht wiederum näherte sich in der Tabelle bis auf einen Punkt den Champions-League-Rängen, und die Verantwortlichen sind nicht mehr zurückhaltend. "Wir haben eine super Ausgangslage und wollen weiter an dem Traum knabbern, da vorne reinzukommen", sagte Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic über den Kampf um den Einzug in die Königsklasse: "Wir sind Adler, also jagen wir gerne." Die Frankfurter hatten sich in einer besonderen Situation befunden. Erst drei Tage zuvor war ihnen bei Inter Mailand ein überraschender 1:0-Erfolg und damit der Einzug ins Viertelfinale der Europa League geglückt. Nun ist es schon öfter vorgekommen, dass inmitten einer solchen Europa-Euphorie ein Liga-Duell mit dem Tabellenletzten nicht mit dem nötigen Ernst bestritten wird. Und für einen Moment sah so aus, als würde auch die Eintracht ein Opfer dieser Konstellation werden. Denn die ersten Minuten und die erste Chance des Spiels gehörten tatsächlich Nürnberg: Sebastian Kerk flankte in die Mitte, wo der Kapitän Hanno Behrens den Ball knapp übers Tor köpfte (3.). Aber nach etwa zehn Minuten entwickelte sich die Eintracht zur bestimmenden Elf. Goncalo Paciencia traf den Ball nicht richtig, ein Kopfball von Luka Jovic wurde kurz vor der Torlinie abgewehrt, und nach rund einer halben Stunde gelang die verdiente Führung: Kostic stahl sich im Rücken seines unaufmerksamen Gegenspielers Robert Bauer auf der linken Seite davon und legte den Ball vor für den Abwehrspieler Martin Hinteregger, der problemlos zum 1:0 einschieben konnte. Der Club wiederum brachte kaum einen Entlastungsangriff zustande, und als er mal einen hatte, versuchte es Yuya Kubo viel zu kompliziert, anstatt geradlinig zu Ende zu spielen. Dafür wäre im Gegenzug beinahe das 0:2 gefallen. Aber Kostic traf nur an die Latte (36.), und Paciencias Nachsetzer landete zwar im Tor, wurde aber wegen einer Abseitsposition nicht gegeben. Nach der Pause lief es ähnlich weiter. Zunächst hatten die Nürnberger noch eine Chance - einen Schuss von Kubo knapp übers Tor (53.) -, aber dann war es an Frankfurt, mit Macht aufs 2:0 zu drängen. Doch mal ging ein Kopfball an die Latte (Paciencia) und mal warf sich beim Schussversuch ein Gegenspieler dazwischen (Jovic), mal fehlten ein paar Zentimeter (Danny Da Costa) und mal funkte der Video-Assistent dazwischen (Ante Rebic). So blieb es trotz vieler Chancen beim kargen 1:0, und Frankfurt hatte Glück, das sich das nicht rächte. Denn Nürnberg kam zu Kontern, aber nie gelang es, einen richtig zu Ende zu spielen - und Behrens' Schuss (83.) hielt SGE-Torwart Kevin Trapp. Und Mintal saß bis zum Schluss nur auf der Bank.