Frankfurts Luka Jovic:Der Stürmer, der großen Klubs den Kopf verdreht

FILE PHOTO: Europa League Quarter Final First Leg - Benfica v Eintracht Frankfurt

Entschlossener Entscheider: Frankfurts Luka Jovic.

(Foto: REUTERS)
  • Im Europa-League-Rückspiel gegen Benfica Lissabon baut die Frankfurter Eintracht auf ihren Torjäger Luka Jovic.
  • Der Serbe soll den Rückstand aus dem Hinspiel mit seinen Toren wettmachen.
  • Am Mittwoch verpflichtete die Eintracht den Leihspieler per Kaufoption offiziell - vom Gegner.

Von Tim Brack

Auf dem Fußballplatz ist die Welt ganz einfach zu unterteilen: Elf spielen gegen elf, die Trikotfarben garantieren eine unverrückbare Wahrheit. Neben dem Platz ist dagegen alles oft etwas verzwickter. Da gehört der Eintracht-Stürmer Luka Jovic eigentlich dem Europa-League-Gegner Benfica Lissabon und ist nach Frankfurt nur ausgeliehen. Im Viertelfinal-Rückspiel soll Jovic dann dabei helfen, seinen eigentlichen Arbeitgeber Benfica rauszuwerfen.

Es ist von daher ganz gut, dass Frankfurt einen Tag vor dem Rückspiel für mehr Klarheit sorgte und die Kaufoption bei Jovic zog. Ab dem Sommer ist er nur noch Eintracht-Spieler, sein Vertrag läuft dann bis 2023. Der Angreifer muss sich vor einer Rückkehr nach Portugal also nicht fürchten, sollte er das entscheidende Tor schießen, was nicht so unwahrscheinlich ist. "Er ist ein Spieler mit außergewöhnlichen Fähigkeiten", lobte Bobic und sagte: "Es ist für uns wichtig, dass wir ihn an die Eintracht gebunden haben."

Dass Jovic, 21, wirklich stramm und mit Doppelknoten an die Eintracht gebunden ist, ist durch das Ziehen der Kaufoption allein nicht gesichert. Denn längst verdreht der serbische Nationalspieler europäischen Spitzenklubs den Kopf, vor allem Real Madrid und der FC Barcelona sollen dem wuchtigen Angreifer verfallen sein. Frankfurts Sportvorstand bestätigte vor dem Viertelfinal-Hinspiel bei RTL, dass "namhafte Vereine an ihm interessiert sind".

In Frankfurt wollen sie ihn natürlich halten - und bei Ante Rebic ist das nach der WM ja famos gelungen. Bobic weiß aber auch: "Wenn etwas extrem Großes um die Ecke kommt - das ist aktuell nicht der Fall - kann es schon sein, dass wir ihn verlieren." Bei einem Transfer könnte sich Jovic immerhin als eine der klügsten Frankfurter Investitionen herausstellen. Nur sieben Millionen Euro sollen fällig gewesen sein, um die Kaufoption zu ziehen. Top-Klubs würden beim aktuellen Markt wohl das sieben- bis achtfache bezahlen.

Für Jovic, das lässt sich jetzt schon sagen, ist die Symbiose mit Eintracht seit dem Beginn gewinnbringend. Zu Benfica war er als 18-Jähriger gekommen und noch zu unreif, er ließ es auf dem Platz schleifen. "Ich war unerfahren und habe dementsprechend Fehler gemacht. Ich habe kaum gespielt", sagte er einmal und räumte ein: "Das Problem lag eher im Kopf."

Jovic ist geduldig wie ein erfahrener Stürmer

Die Umstellung weg von der Heimat fiel ihm schwer. Er war fußballerisch bei Roter Stern Belgrad sozialisiert worden, sein Vater hatte ihn täglich die 150 Kilometer ins Training gefahren. Mit 16 Jahren debütierte Jovic bei den Profis, so jung wie keiner vor ihm. Der Wechsel im Winter 2016 zu Benfica kam in der Nachtbetrachtung zu früh. Trotzdem sagt Jovic: "Ich bereue es nicht, denn ich war Mitglied eines unglaublich großen Klubs wie Benfica. Das war sicherlich eine zusätzlich Erfahrung für mich."

Seine glücklose Zeit endete 2017 mit der Ankunft in Frankfurt, wo er auf Trainer Niko Kovac traf, der Jovic mit seinem Verlangen nach Disziplin zügelte. "Im Gegensatz zu der Zeit bei Benfica bin ich in Frankfurt ein richtiger Profi geworden. Ich wusste, dass das hier meine Chance ist, mich im Profifußball durchzusetzen." Kovac habe ihm "sehr viel geholfen, mich als Spieler und Typ weiterzuentwickeln".

Unter Adi Hütter erfährt er seit dieser Saison ein Kontrastprogramm mit deutlich mehr Freiheiten, die er mit Treffern dankt. In dieser Spielzeit schoss er in der Bundesliga bisher 17 Tore, im Schnitt trifft er alle 110 Minuten. Zum Vergleich: Gerd Müller traf seinerzeit alle 105 Minuten, Robert Lewandowski liegt in dieser Saison bei 119 Minuten. Dabei profitiert Jovic von seinen spielstarken Partnern Ante Rebic und Sebastien Haller, die es verstehen, Platz freizuräumen für den kompakten Stürmer. Der 21-Jährige bewegt sich in den geschaffenen Räumen dann klug, sprintet, verzögert, quetscht sich in Lücken. Er wartet darauf, dass der Pass zu ihm kommt, überhastet nicht. Diese Geduld entwickeln Stürmer oft erst später in ihrer Karriere.

Erreicht der finale Pass Jovic erst einmal, ist er schwer zu verteidigen. Sein Schuss ist mit links wie rechts gefährlich. Auch sein Kopfballspiel ist ordentlich. "Ich habe als kleiner Junge immer und immer wieder aufs Tor geschossen, das ist angeboren, das ist mein Instinkt", sagt er über sich. Wenn Jovic auf seinen Instinkt hören kann, ist auch gegen Benfica Lissabon wieder alles ganz einfach.

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