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Abschied von Trainer und Sportvorstand:Herkulesaufgabe für die Eintracht

Hütter und Bobic verlassen Frankfurt

Zwei Baumeister, die die Eintracht verlassen: Trainer Adi Hütter (links) geht nach Gladbach, Manager Fredi Bobic zu Hertha BSC.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Trainer Adi Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic sind bald weg aus Frankfurt. Der Weg ist frei für Gespräche mit möglichen Nachfolgern - wieder fällt der Name Ralf Rangnick.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Die Zeiten liegen ein bisschen zurück, da war die Presseabteilung von Eintracht Frankfurt im Grunde ein Ein-Mann-Betrieb. Carsten Knoop hat Spieler, Trainer, Manager und Präsidenten bei der zeitweise sehr launischen Diva vom Main kommen und gehen sehen und versuchte im Alleingang zu erledigen, was mit Anfragen, Akkreditierungen und Pressemeldungen zu tun hatte. Mittlerweile ist das Personal erheblich aufgestockt, was aktuell sehr hilfreich ist. Spuckt doch die Medienabteilung in diesen turbulenten Tagen in beachtlicher Frequenz seitenlange Erklärungen mit brisantem Inhalt aus. Einen Tag nach der Bestätigung für den Weggang von Cheftrainer Adi Hütter zum Saisonende ist nun auch die vorzeitige Trennung von Sportvorstand Fredi Bobic perfekt.

Angeblich, so ist in Presseinformation 126/II zu lesen, gehe man einvernehmlich auseinander: Der bis zum 30. Juni 2023 laufende Vertrag von Bobic wird mit Wirkung zum 31. Mai dieses Jahres aufgelöst. Keinen Tag länger als nötig bleiben der auf Champions-League-Kurs liegende Klub und der Baumeister Bobic, 49, zusammen - die letzten Tage der Zusammenarbeit will man anständig zu Ende bringen. Die Höhe der Entschädigung dürfte bei der Hälfte der ursprünglich vom Verein aufgerufenen fünf Millionen Euro liegen. Bobic trat selbst als Verhandlungsführer auf, der kein böses Wort nach der Einigung verlor. Für ihn war der Weg frei zu Hertha BSC, die am Abend schon die Verpflichtung als Geschäftsführer verkündete.

Bobics Familie wohnt in Berlin, und ihn reizt die Herausforderung, an der vor ihm in jüngster Vergangenheit einige gescheitert sind: aus Hertha einen stabilen Big City Club zu machen. Allerdings muss der ehemalige Nationalstürmer in der Hauptstadt wieder genau dort anfangen, wo er 2016 als Nachfolger von Heribert Bruchhagen in Frankfurt begann: bei einem Verein, der gerade mal am Abstieg vorbeigeschrammt ist - vorausgesetzt, die Hertha bekommt endgültig die Kurve. Philip Holzer, der Aufsichtsratsvorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG, sparte nicht mit Lob für eine fünfjährige Amtszeit, die sich wie ein Empfehlungsschreiben für den nächsten Arbeitgeber liest: "Fredi Bobic hat großen Anteil an einer zuletzt sportlich und wirtschaftlich erfolgreichen Eintracht-Zeit. Er hat durch viele kluge und gelungene Personalentscheidungen die Weichen für eine systematische Verbesserung des Profikaders gestellt und optimale Arbeit geleistet."

Als mögliche neue Trainer werden Sandro Schwarz und Roger Schmidt gehandelt - aber beide sind gebunden

Ihn zu ersetzen wird eine Herkulesaufgabe - und darüber gibt es offenbar in Frankfurt bereits unterschiedliche Vorstellungen. Holzer kündigte an, "konkrete Gespräche mit potenziellen Kandidaten" zu führen. Eine Unterredung soll am Donnerstag bereits mit Ralf Rangnick, 62, erfolgen. Beim Projektarbeiter handelt es sich um seine Multifunktionslösung, er könnte anfangs den Bobic- und Hütter-Erben mimen.

Bei der Eintracht soll es aber auf Vorstandsebene einige Vorbehalte gegen Rangnick geben, während zumindest Teile des Aufsichtsrates sich den Schwaben sehr gut vorstellen können. Motto: Wenn ihn der AC Mailand, FC Chelsea, FC Schalke 04 und der Deutsche Fußball-Bund nicht wollen, dann greifen halt wir zu. Doch so einfach ist es nicht: Aus Rangnicks Umfeld sind erste Irritationen herauszuhören, dass die Kontaktaufnahme so schnell publik geworden ist. Rangnick hasst Indiskretionen, weil sie einen Vorgeschmack auf das künftige Arbeiten vermitteln. Das braucht er nicht mehr. Zudem kursieren im Umfeld der Hessen auch Namen wie Markus Krösche (RB Leipzig) und Jonas Boldt (Hamburger SV) als Manager sowie Sandro Schwarz (Dynamo Moskau, davor Mainz 05) und Roger Schmidt (PSV Eindhoven) als Trainer. Problem: Alle Kandidaten sind gebunden.

Für Holzer wird das eine knifflige Aufgabe. Der Investmentbanker vergaß nicht zu erwähnen, dass Bobic nach der überstandenen Relegation 2016 mit einem bescheidenden Budget von gerade einmal 2,8 Millionen Euro für Zugänge anfing. Ohne die Corona-Krise würde Bobic einen kerngesunden Klub übergeben. Einen Verein wie den FC Schalke 04 haben zwar auch andere überholt, aber derzeit fischt die Eintracht aussichtsreich im Revier von Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen - und steht zumindest tabellarisch viel besser da als Borussia Mönchengladbach, der künftige Arbeitgeber des bisherigen Cheftrainers. Aber all das könnte die berühmte Momentaufnahme sein, wenn die nächsten Personalentscheidungen bei Eintracht Frankfurt nicht richtig sitzen. Oder wenn die Mannschaft an den letzten Spieltagen nicht mehr so gewissenhaft schuftet wie die Medienabteilung.

© SZ/sjo/schm
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