2:0 gegen Benfica Lissabon Der Eintracht ist nun alles zuzutrauen

Jubel ohne Grenzen bei Eintracht Frankfurt.

(Foto: Getty Images)
  • Eintracht Frankfurt besiegt Benfica Lissabon im Viertelfinal-Rückspiel der Europa League 2:0 und steht erstmals seit 39 Jahren in einem Europapokal-Halbfinale.
  • Beim Weiterkommen haben die Frankfurter aber auch großes Glück, dass es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Videobeweis im Wettbewerb gibt - denn das erste Tor fällt aus klarer Abseitsstellung heraus.
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Von Tobias Schächter, Frankfurt

Als die Euphorie keine Grenzen mehr zu kennen schien, siegte doch noch die Vernunft. Mit 2:0 hatte die Frankfurter Eintracht gerade Benfica Lissabon besiegt und so nach dem 2:4 im Hinspiel doch noch den Einzug ins Halbfinale der Europa League geschafft. Eintracht-Vorstand Axel Hellmann sprach später von "einem großen, ja historischen Abend" für den Klub. Erstmals seit 39 Jahren stehen die Frankfurter in einem Europapokal-Halbfinale, damals, 1980 gewann die Eintracht den Uefa-Pokal - da kann die Begeisterung schon einmal überschwappen.

Direkt nach dem Abpfiff, der mit einem ohrenbetäubenden Jubel der 45 000 Eintracht-Anhänger gefeiert wurde, stürmten aus der Nordwestkurve immer mehr Fans in den Innenraum. Eine Bande hinter dem Tor fiel auf den Boden - und als seien sie selbst erschrocken, blieb diese umgefallene Bande die Grenze, die die Ultras der Eintracht nicht überschritten. Die Bande wurde wieder aufgestellt und die Feier ging dahinter weiter. Die harten Fans der Eintracht bremsten sich in letzter Sekunde und verhinderten so einen Platzsturm, der womöglich schlimme Folgen gehabt hätte. Schließlich spielt der Klub nach etlichen Verfehlungen einiger seiner Anhänger auf Bewährung. Aber die Uefa drückte schon nach Raketen aus dem Eintracht-Block beim Auswärtsspiel bei Inter Mailand alle verfügbaren Augen zu und sah von einer Sperre der Fans für Auswärtsspiele ab. Der Kontinentalverband will auf diese Bilder und diese Begeisterung, wie sie bei Spielen der Eintracht in der Europa-League zu sehen sind, anscheinend nicht verzichten. Kein Verein nimmt diesen Wettbewerb so begeistert an wie Eintracht Frankfurt, längst letzter Vertreter des deutschen Fußballs in Europa.

Es fällt schwer zu ermitteln, wer wen mehr puscht: Die Fans mit ihren enthusiastischen Gesängen und Anfeuerungen die Mannschaft, oder die Mannschaft mit ihrer Leidenschaft und Können die Fans. Egal, die Europa-Euphorie in Frankfurt geht weiter, nun wartet im Halbfinale der FC Chelsea aus London. Sportvorstand Fredi Bobic sagt: "Es wird immer härter, aber es macht auch immer mehr Spaß." Chelsea ist der bislang größte Gegner: Aber die Eintracht hat Selbstvertrauen. Trainer Adi Hütter meint, es sei vielleicht die größte Überraschung, dass die Eintracht unter den letzten Vier stehe und Chelsea sei der Favorit im Halbfinale: "Aber ich weiß auch, was in meiner Mannschaft steckt." Dieser Elf und diesen Fans ist in dieser Europapokalsaison vieles, ja alles zuzutrauen.

Das Weiterkommen gelingt etwas glücklich, aber verdient

In der Vorrunde gewann sie alle Spiele gegen Limassol, Lazio Rom und Olympique Marseille. Und in der Ko.-Phase schaltete sie nun nach Schachtar Donezk und Inter Mailand in Benfica Lissabon auch den dritten Großklub aus, der die Saison in der Champions League begonnen hatte. "Dass wir auf diesem Niveau mithalten können, macht mich stolz. Wenn das Licht hier angeht und diese Hymne gespielt wird, fühlen sich die Spieler, als wären sie in einen Zaubertrank gefallen", schwelgte Vorstand Axel Hellmann und stellte stolz klar: "Die berühmte Bella Figura werden wir auch gegen Chelsea nicht geben." Heißt übersetzt: Nur dabei zu sein, ist für diese Eintracht längst nicht mehr alles.

Das Weiterkommen gegen Benfica kam etwas glücklich zustande. Torschütze Filip Kostic stand beim 1:0 (36.) klar im Abseits. Die Portugiesen beschwerten sich völlig zurecht, forderten den Videobeweis, doch den gibt es in der Europa League erst im Finale. Es ist bizarr. Warum gilt im Endspiel eine neue Regelung, die im Wettbewerb bis dahin nicht galt? Trainer Bruno Lage wurde nach den Beschwerden von Schiedsrichter Daniele Orsato auf die Tribüne verbannt. Doch der Sieg der Eintracht war letztlich verdient, weil Benfica in der ersten Halbzeit viel zu passiv agierte und Trainer Lage den Matchwinner des Hinspiels bis zur Schlussphase auf der linken Außenbahn versteckte: Das Ausnahmetalent Joao Felix, der drei Treffer im Hinspiel aus einer Rolle im Zentrum erzielte und das Spiel vor einer Woche dominierte, bekam Donnerstagnacht links außen nur selten den Ball.