Toppmöller-Entlassung in FrankfurtEin Torfestival zu viel

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3:3 gegen den BVB, 2:3 gegen den VfB und nun 3:3 in Bremen: Nach diesen Ergebnissen muss Dino Toppmöller gehen, es ist die erste Frankfurter Trainerentlassung in einer laufenden Saison seit einem Jahrzehnt.
3:3 gegen den BVB, 2:3 gegen den VfB und nun 3:3 in Bremen: Nach diesen Ergebnissen muss Dino Toppmöller gehen, es ist die erste Frankfurter Trainerentlassung in einer laufenden Saison seit einem Jahrzehnt. (Foto: Tom Weller/dpa)
  • Eintracht Frankfurt trennt sich von Trainer Dino Toppmöller nach einer Serie von torreicheren Spielen und 39 Gegentreffern in der Liga.
  • Die Entscheidung folgte auf eine Krisensitzung am Samstag nach dem 3:3 gegen Werder Bremen am Freitag.
  • Interimsweise übernehmen Alex Meier und Dennis Schmitt, als Nachfolger gilt Marco Rose als heißer Kandidat.
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Der Rauswurf von Coach Dino Toppmöller bei der Eintracht folgt auf eine Serie wilder Partien – gerade in der Defensive kommt das Team auf teils peinliche Werte. Namen von möglichen Trainer-Nachfolgern kursieren bereits.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Niemand wird Eintracht Frankfurt vorwerfen können, sich diese Trennung leicht gemacht zu haben. Der Klub mag gerade seine ewige Komplexität wiederbeleben, aber die erste Trainerentlassung in einer laufenden Saison seit einem Jahrzehnt zog sich über ein ganzes Wochenende. Auf den nächsten wilden Auftritt beim SV Werder (3:3) am Freitagabend folgte eine Krisensitzung der Vorstände Axel Hellmann und Markus Krösche am Samstag mit dem Hauptausschuss des Aufsichtsrats. Aber erst am Sonntagmittag verkündeten die Hessen, dass Trainer Dino Toppmöller trotz eines bis 2028 laufenden Vertrags seinen Job verliert. Unter dem früheren Assistenten des heutigen Bundestrainers Julian Nagelsmann waren in den vergangenen Wochen, ja Monaten, besorgniserregende Abwehrschwächen aufgetreten, die einen internationalen Startplatz inzwischen akut gefährden. Im März 2016 musste Armin Veh noch gehen, weil der Abstieg drohte.

Spektakel ist grundsätzlich in der heimlichen Fußball-Hauptstadt Deutschlands gewollt, aber mit dem 3:3 gegen Borussia Dortmund, dem 2:3 beim VfB Stuttgart und dem 3:3 in Bremen hat sich der vor zweieinhalb Jahren installierte Toppmöller ein Torfestival zu viel geleistet. 39 Gegentore markieren einen Negativrekord in der Liga. Für einen Champions-League-Teilnehmer ein fast peinlicher Wert, zumal sich in der Königsklasse weitere 16 Gegentreffer addieren. Die Entscheidung sei denn auch „das Ergebnis einer umfassenden sportlichen und strukturellen Analyse der zurückliegenden Wochen unter Berücksichtigung der Eindrücke der ersten drei Spiele im neuen Kalenderjahr“, hieß es nun im amtlichen Pressemitteilungs-Deutsch der Eintracht.

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Man habe an Toppmöller die „fachliche Kompetenz, seine Professionalität, seine akribische Arbeitsweise und seinen menschlichen Umgang mit der Mannschaft“ sehr geschätzt. Dennoch sei man zu der Überzeugung gelangt, erklärte Krösche, „dass wir aufgrund der rückläufigen Entwicklung einen neuen sportlichen Impuls benötigen“. Dem Anspruch, „als Eintracht Frankfurt für einen dynamischen, aggressiven und kompakten Fußball zu stehen, sind wir in dieser Saison bislang nur unzureichend gerecht geworden“.

Bereits am Freitagabend hatte Krösche am Bremer Osterdeich zornig angemerkt: „Wir haben jetzt seit 17, 18 Partien immer wieder die gleichen Themen, die uns begleiten. Wir kriegen unfassbar einfache Gegentore. Wir sind im Ballbesitz viel zu hektisch und haben keine Struktur. So können wir nicht weitermachen.“ In seiner ersten Saison 2023/24 hatte Krösches Wunschkandidat Toppmöller die SGE auf Platz sechs geführt, vergangene Spielzeit folgten viele spektakuläre Partien und der gefeierte Einzug in die Königsklasse. Doch in dieser Runde wirkte der Formverlust wettbewerbsübergreifend eklatant.

Auch die Namen von Roger Schmidt und Matthias Jaissle kursieren

Vorerst übernehmen nun der bei der U19 als Trainer tätige Vereinsheld Alex Meier und U23-Coach Dennis Schmitt interimsweise die Aufgabe. Beide sollen auf der am Dienstag startenden Dienstreise nach Aserbaidschan für einen Stimmungsumschwung sorgen, wenn die Eintracht gegen Karabach Agdam ums Weiterkommen in der Champions League spielt (Mittwoch, 18.45 Uhr). Meier entschied einst in Baku mit einem Doppelschlag das Playoff-Spiel zur Europa League gegen diesen unbequemen Gegner im August 2013 im Alleingang. Auch das Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am nächsten Samstag soll das Duo wohl noch verantworten.

Danach soll in aller Ruhe ein Trainer gesucht werden, der die Position dauerhaft besetze, ließ Krösche wissen. Ein guter Draht besteht zu Marco Rose, der seit seiner Freistellung bei RB Leipzig im März vergangenen Jahres ohne Job ist. Hellmann wie Krösche können gut mit dem gebürtigen Leipziger, der offiziell noch bei den Sachsen unter Vertrag steht. Einer zeitnahen Einigung muss das nicht im Wege stehen. Auch die Namen von Roger Schmidt oder des derzeit in Saudi-Arabien arbeitenden Matthias Jaissle werden in den entsprechenden Kreisen geraunt. Kein Thema soll der bei Real Madrid entlassene Xabi Alonso sein.

Es heißt, dass Toppmöller das Team mit Informationen überfrachtet habe

Fakt ist: Der internationale Anspruch spielt bei einem Verein heutzutage mit, der mit seinem Proficamp geografisch im Herzen von Europa verortet ist. Der Klub kann es sich bei dem teuren Kader inzwischen nicht mehr leisten, den Europapokal zu verpassen. Ansprüche und Personalaufwand sind gleichermaßen schnell gewachsen. Zuletzt hatte die SGE trotz eines Umsatzes von 389 Millionen Euro einen Fehlbetrag von 8,3 Millionen vermeldet.

„Ich hätte sehr gerne mit dieser Mannschaft weitergearbeitet und mich weiter den Herausforderungen gestellt“, teilte Toppmöller mit, der auch wegen seines in den 90er Jahren für die Eintracht tätigen Vaters Klaus eine hohe Identifikation mit dem Klub besitzt. Er „akzeptiere“ die Entscheidung, hinterließ sicherheitshalber aber noch etwas Pathos: „Es war mir eine Ehre.“

Toppmöller hatte wohl schon in Bremen geahnt, dass es eng werden könnte. Die instabile Abwehr sei „ein leidiges Thema“, hatte er nach dem 3:3 eingeräumt, „und natürlich bin ich da in allererster Linie in der Verantwortung“. Im Spiel gegen den Ball fehlte dem Team seit Wochen jede Geschlossenheit, was angeblich nicht am fehlenden Willen, sondern an den taktischen Vorgaben lag. Es heißt, der aus seiner gemeinsamen Zeit beim FC Bayern und bei RB Leipzig stark von Nagelsmann beeinflusste Toppmöller habe das Team mit Informationen überfrachtet. Viele Spieler wirkten jedenfalls überfordert.

Die Bremer konnten jedenfalls nach Herzenslust stürmen, beinahe wie in besten Zeiten. Und nicht mal der glückliche Ausgleich durch Ansgar Knauff tief in der Nachspielzeit konnte Frankfurts Cheftrainer den Job noch retten.

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