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Eintracht Frankfurt:"Die Niederlage ist meine Schuld"

Eintracht Frankfurt - FC Ingolstadt 04

Scheitert doppelt in dieser Situation: Frankfurts Makoto Hasebe.

(Foto: dpa)

Frankfurts Hasebe übt nach dem 0:2 gegen Ingolstadt harte Selbstkritik. Doch auch der Schiedsrichter steht erstaunlich oft im Mittelpunkt.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Immerhin ein verständnisvoller Trostspender fand sich doch noch, als es kurz nach dem Abpfiff auf den Fluren des Frankfurter Stadions um die Fehlleistung des Tages ging. "Das sieht immer leichter aus, als es ist, da sind schon ganz andere Chancen vergeben worden", gab Alex Meier zu Protokoll. Vielleicht weil er generell ein verständnisvoller Mensch ist, vielleicht weil ihm noch manch eigener misslungener Schuss in Erinnerung war. Aber es gab bei der Eintracht nicht viele, die das ähnlich artikulierten. Sportdirektor Bruno Hübner tat kund, der Ball müsse einfach drin sein; Finanzvorstand Axel Hellmann befand, den hätten sogar seine Jungs beim Sonntagsmorgen-Kick reingemacht; und der Schütze selbst ging hart mit sich ins Gericht: "Es tut mir leid, die Niederlage ist meine Schuld", sagte der Japaner Makoto Hasebe.

Nun, es war nicht allein seine Schuld, dass die Eintracht an diesem Nachmittag so überraschend mit 0:2 (0:1) gegen den FC Ingolstadt und damit das erste Mal in dieser Saison vor heimischem Publikum verlor. Aber er hatte gewiss die größte Chance, die Partie in eine andere Bahn zu lenken. Nach 56 Minuten führte er beim Stand von 0:1 einen Strafstoß aus, Ingolstadts Torwart Martin Hansen parierte den schlappen Schuss, doch der Abpraller sprang Hasebe so mustergültig vor den Fuß, dass dieser nur noch ins leere Tor einschieben musste -er drosch den Ball allerdings an die Unterkante der Latte.

Es war eine Aktion, die irgendwie passte zu einem zwar nicht fußballerisch schönen, aber sehr ereignisreichen Nachmittag - und auch zum generellen Auftritt der Frankfurter. Es lief nicht recht zusammen bei ihnen, über weite Strecken wirkte die Elf ideenlos und der abstiegsgefährdete Tabellen-Siezehnte Ingolstadt couragierter und präziser. "Das war ein Spiel nicht nach meinem Geschmack. Das passiert, das kommt vor", sagte Trainer Niko Kovac: "Wenn der eine oder andere denkt, das geht nur mit Fußball, dann sieht das so aus, wie das heute ausgesehen hat."

Oft in der Hauptrolle: Schiedsrichter Guido Winkmann

So ließ sich nach der Partie also konstatieren, dass dieser Ingolstädter Auswärtserfolg durchaus verdient war. Es ließ sich aber ebenso gut konstatieren, dass auf den einzelnen Etappen dorthin ziemlich oft der Schiedsrichter Guido Winkmann im Mittelpunkt stand.

Das ging nach 26 Minuten los. Nach einem Ingolstädter Eckball flog der Ball vom Fuß des Gästespielers Tisserand ins Aus. Trotzdem gab es gleich noch einen Eckball für die Mannschaft, und weil bei dessen Ausführung sich die Frankfurter leicht schläfrig präsentierten und Romain Brégerie ganz allein ließen, stand es plötzlich 1:0 für die Gäste. Kurz danach beschwerten sich die Frankfurter das zweite Mal massiv über den Referee: Innenverteidiger David Abraham - der vor dem 0:1 am schläfrigsten wirkte - sah die rote Karte, weil er sein Bein in die Höhe wuchtete und seinem Gegenspieler in die Rippen trat. Das war zwar hart, aber vertretbar.

Die beiden nächsten kniffligen Szenen entschied Winkmann dafür pro Frankfurt. Kurz nach der Hälfte schubste Innenverteidiger Michael Hector im Strafraum Ingolstadts Dario Lezcano. Doch weil der nicht hinfiel, sondern sich irgendwie auf den Beinen halten wollte, um noch einen Torschuss zu versuchen, blieb der Elfmeter-Pfiff aus. In der 56. Minute wiederum rutschte Ingolstadts Torwart Hansen nach einem Missverständnis bei einer Rückgabe so schräg in den Ball, dass er Frankfurts Angreifer Ante Rebic zu Fall brachte. Das Ergebnis dieser Aktion: ein angeknockter Hansen und Elfmeter für Frankfurt, den Hasebe jedoch wie erwähnt doppelt vergab.

Vier hochkarätige Gegner für Ingolstadt in Serie

Und auch bei der Szene, die die Entscheidung des Tages brachte, ließ sich noch einmal diskutieren. Nach 68 Minuten foulte Hector seinen Gegenspieler Mathew Leckie im Strafraum. Das war eindeutig, aber unmittelbar zuvor hätte Winkmann wegen eines Ingolstädter Fouls abpfeifen können. So kam also Pascal Groß zur Elfmeter-Chance und schoss zum 0:2-Endstand ein. Danach gab's noch Rot für Leckie (81.), ebenfalls wegen eines Tritts mit zu hohem Bein, und hatten die Frankfurter gegen Ende der Partie in ihrer vielleicht sogar besten Phase noch die eine oder andere Gelegenheit. Aber zum Torerfolg kam es nicht mehr.

"Ich kann der Mannschaft nur ein Kompliment machen", sagte Ingolstadts Trainer Maik Walpurgis: "Sie hat die Mentalität und den Glauben, auch Rückschläge der letzten Wochen wegzustecken." So wie etwa vergangene Woche die späten Gegentreffern gegen den FC Bayern. Walpurgis' Mannschaft bleibt aber trotzdem Tabellen-Siebzehnter und schaut noch ein paar Wochen mit schweren Gegner (Gladbach, Hoffenheim, Köln, Dortmund) entgegen - ehe dann ab Anfang April direkt hintereinander die Duelle gegen die unmittelbaren Konkurrenten Augsburg, Darmstadt, Wolfsburg und Bremen anstehen.

© SZ vom 19.02.2017
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