Süddeutsche Zeitung

Eintracht Frankfurt: Christoph Daum:Aus der Daum

Nach 55 Tagen ist schon wieder Schluss: Christoph Daum verkündet, dass er Eintracht Frankfurt nicht in die zweite Liga begleiten wird. Auch der Klub verspürt wenig Lust auf seinen glücklosen Übungsleiter - und plant die große personelle Neuausrichtung.

55 Tage sind relativ kurz für eine Ära, das muss selbst Christoph Daum einsehen. Er wollte Eintracht Frankfurt zunächst vom Klassenerhalt retten und anschließend in die Europa League führen. Daraus wird nun nichts: In Frankfurt ist für Daum jedenfalls schon wieder Schluss.

Am Montagnachmittag verkündete Daum auf einer extra einberufenen Pressekonferenz, dass er der Eintracht für die zweite Liga nicht zur Verfügung steht. "Eintracht Frankfurt sollte den Wiederaufstieg mit einem anderen Trainer angehen. Es gab für mich so keine Perspektive mehr, auch wenn der Verein und die Mannschaft mir sehr am Herzen liegen", sagte Daum.

Damit kam er womöglich einem ähnlichen Schritt des Vereins zuvor: Weil auch die Eintracht wenig Lust mehr auf ihren gescheiterten Retter verspürt.

Daums Bilanz bei Eintracht Frankfurt ist wenig erbaulich: Er übernahm die Eintracht auf Rang 14, führte sie auf Platz 17, holte in sieben Spielen ganze drei Punkte, nicht mal einen Sieg.

Der erfahrene Motivator Daum sollte das schwächste Rückrundenteam vor dem Abstieg bewahren, versuchte es mit Sprüchen wie "Wenn die Sonne aufgeht, musst du besser sein als jeder andere Spieler" oder "Wenn der Kopf funktioniert, ist er das dritte Bein". Die Verunsicherung seiner Spieler löste er damit nicht.

Bleiben will hingegen der ebenfalls kritisierte Vorstandsboss Heribert Bruchhagen. Der sagt: "Es muss schnell gehen, das ergibt sich alleine schon daraus, dass wir am 6. oder 7. Juni wieder mit dem Training anfangen. Die erste Entscheidung, die jetzt fällt, ist, wer neuer Trainer wird."

Bruchhagen sucht nicht nur einen neuen Trainer, sondern auch einen hauptamtlichen Manager. Als Nachfolger für Daum ist unter anderem Thomas Doll im Gespräch. Auch der Schweizer Marcel Koller wurde zuletzt gehandelt.

Dagegen gilt Jan Schindelmeiser, ehemaliger Sportvorstand bei 1899 Hoffenheim, neben Dietmar Beiersdorfer als heißester Kandidat für den Managerposten.

Ohne Gekas und Altintop

Spannend wird auch sein, mit welchen Spielern die Eintracht in die neue Saison geht. Der bisherige Kapitän Patrick Ochs wechselt für drei Millionen Euro zum VfL Wolfsburg. Keeper Ralf Fährmann hat Angebote aus England vorliegen, will aber offenbar in Frankfurt bleiben. Caio soll zurück in seine brasilianische Heimat transferiert werden.

Halil Altintop und der Brasilianer Chris, der keine Lust auf die 2. Liga hat, können ablösefrei gehen. Und der Grieche Gekas, der nach 14 Treffern in der Hinserie in der Rückrunde nur noch zweimal traf, darf sich für eine festgeschriebene Ablösesumme in unbekannter Höhe einen neuen Klub suchen.

Auch Innenverteidiger Maik Franz soll unmittelbar vor einem Wechsel zu Hertha BSC Berlin stehen, will aber zunächst am Freitag mit der Eintracht über seine Zukunft sprechen. "Ich will im Moment nichts überstürzen", sagte Franz: "Ich bin jetzt fast 30 und das wird mein letzter großer Vertrag. Und es gibt auch Anfragen von dem einen oder anderen Bundesligisten."

Angst vor der Zukunft verbreitet Bruchhagen deswegen nicht. "Dieser Verein ist stark aufgestellt und hat genügend Substanz, um den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen", sagte Bruchhagen, der auch an den direkten Wiederaufsteig 2004 unter Willi Reimann erinnerte: "Da ist uns die Rückkehr mit einer schwächeren Mannschaft gelungen. "

Zum Abschied sagte Christoph Daum noch einen Satz, wie ihn nur Christoph Daum sagen kann: "Ich bin in der Zeit etwas gescheiter geworden, aber nicht gescheitert."

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