Eintracht Frankfurt:"Marseille kann kommen"

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Eintracht Frankfurt: Der in die Startelf zurückgekehrte Lars Stindl (links) leitete mit seinem Fehlpass die Niederlage gegen Christopher Lenz und Eintracht Frankfurt ein.

Der in die Startelf zurückgekehrte Lars Stindl (links) leitete mit seinem Fehlpass die Niederlage gegen Christopher Lenz und Eintracht Frankfurt ein.

(Foto: Frederic Scheidemann/Getty Images)

Die Eintracht holt sich mit dem 3:1-Sieg gegen fehlerhafte Gladbacher Selbstvertrauen für die Champions League - auch eine siebenminütige Unterbrechung bringt die Frankfurter nicht aus dem Konzept.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Im Rheinland haben die Fußballer von Eintracht Frankfurt zuletzt Angst und Schrecken verbreitet. Binnen acht Tagen gewannen die Hessen daheim gegen Bayer Leverkusen mit 5:1 sowie am Samstagabend bei Borussia Mönchengladbach mit 3:1 (3:0). Ob sich davon auch Olympique Marseille einschüchtern lässt, dessen Heimat an der Côte d'Azur nur noch ganz leicht ans Rheinland angrenzt, wird der kommende Mittwoch zeigen. Dann gehen die Frankfurter gegen die Franzosen mit allem erforderlichen Selbstvertrauen in ein Champions-League-Heimspiel, das sie unbedingt gewinnen müssen, um sich Chancen aufs Achtelfinale zu bewahren.

"Marseille kann kommen", tönte Mittelfeldmann Sebastian Rode in Mönchengladbach nach einem Sieg, den er "wertvoll" nannte "auch für die Regeneration in diesen Wochen, in denen wir alle drei Tage ein Spiel haben". In der 77. Minute musste die Partie im Borussia-Park für knapp sieben Minuten unterbrochen werden, weil sich an der über dem Platz an vier Seilen hin- und herfliegenden TV-Kamera ein Seil gelöst hatte. Die Frankfurter brachte dies jedoch nicht mehr aus der Fassung. 3:1 führten sie zu diesem Zeitpunkt und spielten den Vorsprung in ihrem schon 18. Pflichtspiel dieser Saison souverän über die Zeit. "Phantastisch", nannte Rode überschwänglich "die Art und Weise, wie wir in Mönchengladbach gewinnen."

"Wir haben eine große fußballerische Qualität und ballsichere Spieler", sagt Frankfurts Trainer Oliver Glasner

Auch Trainer Oliver Glasner ist zurzeit mit seiner Mannschaft ziemlich zufrieden: "Wir haben eine große fußballerische Qualität und ballsichere Spieler, die immer bereit sind, auch wahnsinnig Kilometer abzuspulen." Er wisse sein Team "in guter Form für die nächsten Spiele", erklärte der Trainer nicht nur über die Alles-oder-Nichts-Partie gegen Marseille am Mittwoch, sondern auch über das Bundesliga-Topspiel am kommenden Samstagabend gegen Borussia Dortmund.

Frankfurt ist nun Tabellenvierter in der Bundesliga. Gladbachs Hoffnung auf diesen Platz wurde im Spiel gegen die Eintracht frühzeitig getrübt. Ausgerechnet der für den verletzten Jonas Hofmann in die Startelf zurückgekehrte Kapitän Lars Stindl hatte den Frankfurtern bereits in der sechsten Minute die Einladung zum Führungstreffer überreicht. Da nämlich spielte er nahe des Frankfurter Strafraums dem Eintracht-Abwehrmann Evan Ndicka den Ball so sauber vor die Füße, dass dieser flugs Kolo Muani bedienen und dieser wiederum Jesper Lindström zum 1:0 steilschicken konnte. Für derlei blitzschnelle Mittelfeld-Überbrückungen werden die Frankfurter allgemein beneidet - auch von Gladbachs Trainer Daniel Farke: "Ich bin ein Fan des Fußballs von Oliver Glasner", hatte der schon vor dem Spiel über den Eintracht-Coach gesagt. Sich direkt in dieser sechsten Minute ein Autogramm vom Kollegen zu holen, darauf verzichtete er dann doch.

Dass die Gladbacher ohne den verletzten Hofmann und ohne den verletzten Torwart Yann Sommer spielen mussten, war ein Manko; dass der am Knie schon länger verletzte Mittelfeldspieler Florian Neuhaus bei Sky offiziell mitteilte, dass er die baldige WM verpassen werde, war keine große Überraschung mehr. Der Außenverteidiger Ramy Bensebaini und der Stürmer Marcus Thuram sind zwar fit, Borussias Sportdirektor Roland Virkus dämpfte allerdings jüngst die Hoffnung, deren im nächsten Sommer auslaufenden Verträge verlängern zu können.

"Wir sind weit davon entfernt, eine Spitzenmannschaft zu sein", sagt Gladbachs Trainer Daniel Farke

An solchen Personalien ist zu erkennen, dass der erhoffte Weg der Gladbacher ins obere Tabellendrittel mit Dornen versehen ist. Genau das bläuten ihnen die erbarmungslosen Frankfurter in der 29. Minute nochmals ein, als Dina Ebimbe eine Ecke von Christopher Lenz zum 2:0 einköpfelte.

Nach Gladbachs 1:2-Pokal-Aus beim Zweitligisten Darmstadt bedeutete die Niederlage gegen Frankfurt den nächsten Dämpfer für all jene niederrheinischen Optimisten, die die Borussia kommende Saison eigentlich gerne wieder international spielen sehen würden. Doch das zu erreichen, wird schwierig: "Wir sind weit davon entfernt, eine Spitzenmannschaft zu sein", bekennt Trainer Farke eigentlich jede Woche, es ist einer seiner häufigsten Sätze. Wie zur Bestätigung ließen seine Männer den Frankfurter Lindström in der 45. Minute den Treffer zum 3:0 erzielen - was zur Pause aus den Gladbacher Fanblöcken mit Pfiffen quittiert wurde.

Ein Frankfurter Leichtsinnsfehler durch Kristijan Jakic in der 72. Minute erlaubte den Gladbachern den Ehrentreffer zum 1:3. Mit seinem achten Saisontreffer schloss Thuram immerhin zu den Liga-Besten Niclas Füllkrug (Bremen) und Christopher Nkunku (Leipzig) auf. "Der Frankfurter Sieg war verdient", schloss Trainer Farke, relativierte aber: "Was wir personell zurzeit zur Verfügung haben, ist grenzwertig, aber weil wir nicht europäisch spielen, ist unser Kader eben nicht so breit und wir versuchen, das Beste daraus zu machen."

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