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Eintracht Braunschweig:Ein unvorhersehbarer Aufstieg

01.07.2020, xtgx, Fussball 3. Liga, Eintracht Braunschweig - SV Waldhof Mannheim, v.l. Braunschweigs Spieler feiern mit; Eintracht Braunschweig, Aufstieg

Bei Eintracht Braunschweig wird trotz Corona-Beschränungen gefeiert.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

In der Vorsaison noch fast abgestiegen, gelingt Eintracht Braunschweig nun der Sprung in die zweite Liga. Dem früheren Herzenstrainer Torsten Lieberknecht könnte der Klub damit erneut wehtun.

Von Jörg Marwedel

Am Schluss standen die Spieler von Eintracht Braunschweig nach ihrem schwer erkämpften 3:2-Sieg gegen Waldhof Mannheim Arm in Arm vor der Leinwand im Stadion an der Hamburger Straße. Denn eine Partie des vorletzten Drittliga-Spieltags war wegen einer Regenpause noch nicht zu Ende. Dort spielte der Aufstiegskonkurrent Duisburg bei Tabellenführer FC Bayern II, der MSV führte 2:1.

Doch plötzlich brachen alle Dämme in Braunschweig: Leon Dajaku hatte den Ball in der Nachspielzeit zum Münchner 2:2 ins MSV-Tor getreten. Nach diesem Unentschieden 600 Kilometer südlich können die Duisburger die Braunschweiger nicht mehr von einem direkten Aufstiegsplatz zur 2. Bundesliga verdrängen; ebenso wenig wie der FC Ingolstadt (0:2 gegen Magdeburg). Die Eintracht-Profis vergaßen danach alle Abstandsregeln: Bierduschen, Jubeltänze, Freudentränen - alles war dabei.

"Das ist ein Stück Fußball-Geschichte", sagte Tobias Rau, ehemals Nationalspieler und heute Aufsichtsrat in Braunschweig. Sportdirektor Peter Vollmann hatte zuvor "einen Herzinfarkt nach dem anderen" erlitten. Mehrere tausend Fans zündeten vor den Augen der Spieler, die an den Hinterausgängen der Haupttribüne das Spektakel verfolgten, ein Feuerwerk. So mancher Autokorso machte die Stadt unsicher, um die Rückkehr des deutschen Meisters von 1967 in die zweithöchste Liga zu feiern. Präsident Sebastian Ebel sendete den Fans ein "riesengroßes Dankeschön". Sie seien, "auch wenn die Tribünen leer waren, immer an unserer Seite gewesen".

Fußball-Geschichte ist der Aufstieg der Eintracht in mehrerlei Hinsicht. Einerseits wegen der Achterbahnfahrt des Klubs in den vergangenen drei Jahren. 2017 wäre der Traditionsklub fast in die Bundesliga zurückgekehrt (Braunschweig verlor die Relegation gegen den Nachbarn Wolfsburg), 2018 folgte der völlig überraschende Abstieg aus Liga zwei - mit Vollbluttrainer Torsten Lieberknecht, der jetzt Duisburg coacht und so am Mittwoch in einer tragenden Nebenrolle erneut mit dem Eintracht-Schicksal verknüpft war. 2019 verhinderte Braunschweig erst am letzten Spieltag mit einem glücklichen 1:1 gegen Cottbus um Haaresbreite den Sturz in Liga vier.

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