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Einrad:Weltmeisterin im Stillstand

Dreifache Einrad-Europameisterin Ana Schrödinger

(Foto: Claus Schunk)

Ana Schrödinger schafft in der Einrad-Disziplin "Stillstand" mit 1:49:08 Stunden einen Weltrekord. Die zweitbeste Athletin verliert nach acht Minuten die Balance. Warum ist sie so viel besser?

Ana Schrödinger ist 22 Jahre alt, kommt aus München und ist die beste Einradsportlerin der Welt. In den Kategorien "Stillstand", "Langsam vorwärts" und "Langsam rückwärts" wurde sie gerade Europameisterin und stellte dazu noch zwei Weltrekorde auf, außerdem ist sie dreifache Weltmeisterin. Im niederländischen Sittard verbesserte sie im "Stillstand" (man muss mit dem Einrad auf einem zehn Mal 25 Zentimeter kleinen Brett stehen) ihre eigene Bestmarke um fast 44 Minuten auf 1 Stunde 49 Minuten und acht Sekunden. Die zweitplatzierte Französin Fanny Riom verlor schon nach knapp acht Minuten die Balance, für den bestplatzierten Mann war der Wettkampf nach viereinhalb Minuten vorbei.

SZ: Frau Schrödinger, warum sind Sie so viel besser als ihre Gegner?

Schrödinger: Das fragen mich meine Konkurrenten auch oft. Aber es ist klar, dass ich ihnen nicht meine Geheimnisse verrate, das wäre ja blöd. Auf was ich mich während des Wettkampfs fokussiere, wie ich trainiere - da habe ich meine eigenen Techniken, die scheinbar ganz gut funktionieren.

Was muss man denn machen, um die beste Einradsportlerin der Welt zu werden?

Ich investiere viel, damit ich erfolgreich bin, vor grossen Wettkämpfen trainiere ich jeden Tag. Immer wieder die Technik verbessern: Stillstehen, vorwärts, rückwärts - üben, üben, üben.

An was denken Sie da, wenn Sie fast zwei Stunden stillstehen wie bei der EM?

An nichts! Man muss immer konzentriert sein und man darf sich auch vom Publikum nicht ablenken lassen. Ein Wackler - und alles ist vorbei. Das hat auch nichts mit Meditation zu tun, sondern mit absolutem Fokus auf die eine Sache. Natürlich kann es auch mal langweilig werden, bei langen Trainings zum Beispiel, wenn man einfach dasteht. Aber das ist ja bei anderen Sportarten nicht anders.

Was ging nach gut eindreiviertel Stunden schief? Konzentration verloren?

Da war dann einfach die Kraft weg. Ich hab nur kurz die Balance verloren, dann ging's schnell.

Und dann am Tag danach ein böser Muskelkater?

Ja, schon. Die Arme schmerzten, die Schultern auch. Man muss ja immer wieder ausgleichen, das ist schon anstrengend. Beim Einradstehen sind Kraft und Ausdauer gefragt, richtiger Leistungssport halt.

Wie war die Stimmung bei der EM?

Es waren viele Zuschauer vor Ort, während der Versuche war es aber mucksmäuschenstill, da wird keiner angefeuert. Bei mir ging's dann halt ein wenig länger mit dem still sein.

Sie sind die weltbeste Athletin einer Randsportart.

Es stimmt schon, das Interesse ist gering. In Sittard waren aber immerhin 800 Athleten dabei, bei der WM letztes Jahr in Spanien über 1000. Für die Sieger bei der EM gabs Medaillen, aber kein Preisgeld. Dafür erhalte ich vom Verband ein bisschen was, aber bisher reichte das nicht, um davon leben zu können.

Bisher? Sie wollen Profi werden?

Naja, ich weiss schon, dass das schwierig sein wird. Aber ich bin erst 22 - schön wäre es schon, irgendwann mal Einradprofi zu sein.

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