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Formel 1:Nico Rosberg beendet Formel-1-Karriere

  • Nur fünf Tage nach seinem WM-Sieg beendet Nico Rosberg überraschend seine Karriere in der Formel 1.
  • In einer ausführlichen Stellungnahme auf Facebook schreibt Rosberg von einer "großen Erleichterung".
  • Sein Rücktritt trifft auch sein Team Mercedes völlig unerwartet.

Nur fünf Tage nach dem Gewinn seines ersten WM-Titels hat Nico Rosberg seine Formel-1-Karriere beendet. Der 31-Jährige verkündete seinen Entschluss am Freitag via Facebook kurz vor der Saisonabschluss-Gala des Weltverbands in Wien. "Ich habe den Berg erklommen, ich bin an der Spitze angekommen und es fühlt sich richtig an", erklärte der gebürtige Wiesbadener.

Rosberg hatte am vergangenen Sonntag in Abu Dhabi nach der bislang längsten Saison der Formel-1-Geschichte als dritter Deutscher nach Michael Schumacher und Sebastian Vettel in der Fahrer-WM triumphiert. In einem packenden Finale genügte ihm ein zweiter Platz hinter seinem britischen Dauerrivalen und Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton, der in den beiden Vorjahren den Titel gewonnen hatte. "Am Montagabend habe ich mich dann endgültig zu diesem Schritt entschieden", sagte Rosberg.

Der Sohn des früheren Weltmeisters Keke Rosberg hatte seine Karriere in der Formel 1 im Jahr 2006 begonnen. Nach vier Jahren beim Mittelklasse-Team Williams wechselte er zum Werksteam von Mercedes und fuhr dort zunächst an der Seite von Rekordchampion Schumacher. 2012 gewann er in China seinen ersten Grand Prix. Mit Hamilton duellierte er sich dann von 2014 an dreimal nacheinander um die WM. Zweimal musste Rosberg bittere Niederlagen gegen seinen Silberpfeil-Kollegen einstecken, ehe er in diesem Jahr die Oberhand behielt. "Jetzt bin ich im Hier und Jetzt, werde den Moment noch voll genießen. Ich spüre eine große Erleichterung. In den nächsten Wochen werde ich bestimmt noch mehr verstehen, was und wie dieses Jahr alles passiert ist", sagte Rosberg.

Am Freitag sollte er bei der FIA-Gala in Wien die WM-Trophäe entgegen nehmen. Für Samstag war ein Besuch bei der Daimler-Spitze in Stuttgart geplant. "Danach werde ich das nächste Kapitel in meinem Leben aufschlagen. Ich bin gespannt, was es bereit hält für mich", sagte Rosberg.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hat Verständnis für den überraschenden Rücktritt gezeigt. "Es ist eine mutige Entscheidung von Nico und ein Beweis für die Stärke seines Charakters", wurde der Österreicher auf der Team-Website zitiert. "Er hat sich ausgesucht, auf dem Höhepunkt seiner Karriere aufzuhören. Als Weltmeister, als einer, der seinen Kindheitstraum erfüllt hat", so Wolff: "Die Klarheit, mit der er dieses Urteil gefällt hat, hat mich dazu bewegt, seine Entscheidung sofort voll zu akzeptieren, nachdem er mich informiert hatte." Auf den Schritt vorbereitet war Mercedes nicht. "Für das Team ist es eine etwas unerwartete, aber auch eine aufregende Situation. Wir stehen vor der Herausforderung, dass vor uns nun die neuen technischen Regularien liegen und wir vor der Saison ein freies Mercedes-Cockpit haben", erklärte Wolff.

Rosbergs Erklärung im Wortlaut:

"Seit 25 Jahren im Rennsport war es immer mein Traum, mein einziges, großes Ziel, Formel-1-Weltmeister zu werden. Ich musste viel dafür opfern, aber trotz all dieser harten Arbeit, dieser Schmerzen, und dem ganzen Verzicht war dies immer mein Ziel geblieben. Und jetzt ist es soweit, ich habe den Berg erklommen, ich bin an der Spitze angekommen, und es fühlt sich richtig an. Ich fühle eine tiefe Dankbarkeit für alle, die mich auf dem Weg zu diesem Titel unterstützt haben und es somit möglich gemacht haben.

Ich kann euch sagen, diese Saison war verdammt hart. Nach den großen Enttäuschungen der letzten zwei Jahre habe ich wie verrückt alles gegeben, habe jeden Stein umgedreht und nichts unversucht gelassen; diese Enttäuschungen waren der Antriebe auf ein neues Level. Ein Level, was ich bisher noch nicht erreicht hatte. Und natürlich hatte dies auch einen Einfluss auf meine Familie, die ich sehr liebe - es war ein riesiger Aufwand für uns.

Wir haben auf viele Dinge verzichtet für das eine große Ziel, alles wurde ihm untergeordnet. Ich kann meiner Frau Vivian nicht genug dafür danken. Sie war unglaublich. Sie hat verstanden, dass dieses Jahr unsere große Chance war, endlich zuzuschlagen. Sie hat mir darum alles wegorganisiert, und hat mir zwischen den Rennen möglichst viel Raum zur Erholung gegeben. Sie hat z.B. all die Nächte mit unserer kleinen Tochter übernommen. Überall stand die Weltmeisterschaft an erster Stelle in meinem Leben.

Als ich in Suzuka das Rennen gewann, war der Titel von da ab in meinen Händen. Der Druck war gestiegen und ich habe begonnen, darüber nachzudenken, den Rennsport als Weltmeister aufzugeben. Am Sonntagmorgen in Abu Dhabi, da wusste ich, dies hier könnte dein letztes Rennen sein. Und es fühlte sich alles plötzlich so klar und richtig an vor dem Start. Ich wollte jede Sekunde genießen vor dem Hintergrund, dass dieses Rennen mein letztes sein könnte ... und dann sind die Lichter der Start-Ampel ausgegangen und es wurde das intensivste Rennen meiner Karriere. Am Montagabend habe ich mich dann endgültig zu diesem Schritt entschieden. Nachdem ich den Tag über erneut abgewägt hatte, waren die ersten Menschen, denen ich meine Entscheidung mitgeteilt hatte Vivian und Georg (Nolte, von Nicos Management-Team), danach dann Toto (Wolff, Mercedes-Motorsportchef).

Das einzige, das diese Entscheidung sehr schwierig macht, ist, dass ich meine Racing-Familie jetzt in eine schwierige Position bringe. Aber Toto hat mich verstanden. Er hat sofort erkannt, dass ich total überzeugt bin von meiner Entscheidung und hat dies auch anerkannt. Ich werde auf alle Zeit sehr stolz sein, dass ich es geschafft habe, die Weltmeisterschaft im Silberpfeil mit diesem unglaublich tollen Team gewonnen zu haben.

Jetzt bin ich im Hier und Jetzt, werde den Moment noch voll genießen. Ich spüre eine große Erleichterung. In den nächsten Wochen werde ich bestimmt noch mehr verstehen, was und wie dieses Jahr alles passiert ist. Danach werde ich das nächste Kapitel in meinem Leben aufschlagen. Ich bin gespannt, was es bereit hält für mich ..."

© Süddeutsche.de/dpa/sid/schm
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