Natürlich hatten sich die Eigner Angels Nördlingen den Auftakt in die neue Bundesligasaison anders vorgestellt. Am Ende stand mit dem 70:78 in Herne aber nicht nur die Niederlage auf dem Spielbogen, sondern es gab auch eine ernüchternde Erkenntnis: Die realistische Chance zum Auftaktsieg blieb ungenutzt. „Wir hätten dieses Spiel nicht verlieren dürfen. Wir waren eigentlich die eingespieltere Mannschaft“, sagt Vorstandsmitglied Nils Gerstmeier etwas zerknirscht. „Wir haben schöne Spielzüge gezeigt, aber wir haben einfach nicht getroffen. Herne auch nicht, aber wir eben noch weniger.“
Dabei waren die Voraussetzungen gut. In Nördlingen, einem der ältesten Bundesligavereine der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL), hat sich in der Sommerpause einiges getan: Der Verein hat einen neuen Vorstand, die Schlüsselspielerinnen Laura Schinkel und Nicole Fransson haben ihre Verträge verlängert. Neu im Team sind die britische Nationalspielerin Sam Ashby, Zweitliga-MVP Sophia Nolan und Pauline Meyer, eine sichere Werferin und gute Passgeberin. „Unser Spielstil ist variabler, das Tempo höher, mehr Spielerinnen übernehmen Verantwortung“, sagt Gerstmeier.
Und abseits des Feldes herrscht Harmonie. „Das Rundumpaket stimmt“, betont auch Laura Schinkel. Für ihre Vertragsverlängerung seien mehrere Faktoren ausschlaggebend gewesen: das familiäre Umfeld, das Vertrauen des Trainers, die Stimmung im Team – aber auch die Atmosphäre in der Hermann-Kessler-Halle. „Die Fans stärken uns den Rücken, wie sie abgehen, wie sie feiern. Man kennt sich. Das ist super wichtig für uns Spielerinnen.“ Klar, es gebe nach wie vor sportliche Baustellen: „Es dauert, bis man eingespielt ist“, sagt die Aufbauspielerin und Co-Kapitänin. „Es gibt immer noch Abstimmungsfehler. Aber wir haben viel gelernt und verstehen immer besser, was wir auf dem Spielfeld machen wollen.“
Die hohen Vorgaben der Liga haben zwei Vereine zum Aufgeben gezwungen
Während die Angels an Feinschliff, Abstimmung und Trefferquote arbeiten, kämpft die Liga um ihre Struktur. Die DBBL hat in den vergangenen Jahren hohe Anforderungen an die Vereine gestellt – sie will professioneller werden. Aber kleine Standorte – vor allem jene ohne Männer-Bundesligateam – sind davon überfordert. „Es fühlt sich ein bisschen an wie Daumenschrauben“, sagt auch Nils Gerstmeier. „Ideen zu Fonds, die eingerichtet werden sollen, bleiben auf der Strecke. Statt finanzieller Unterstützung gibt es Strafen, wenn Vorgaben nicht erfüllt werden.“
Zwei Vereine haben bereits zurückgezogen, die Liga ist so auf zehn Teams geschrumpft. Zum dritten Mal in Folge gibt es keine Absteiger. „Auch wir haben uns Sorgen gemacht, wie wir das schaffen sollen, und wo das Geld dafür herkommen soll“, sagt Gerstmeier. „Zum Glück glaubt unser Hauptsponsor auch im vierten Jahr an uns.“ Aber für die Vereine schwinden Einnahmequellen, wenn – wie vom Verband vorgesehen – Werbeflächen auf Trikots oder am Hallenboden wegfallen.
Laura Schinkel steht der Entwicklung der Liga mit gemischten Gefühlen gegenüber. „Nach außen sieht das nicht so gut aus für den Frauenbasketball in Deutschland“, sagt sie. „Das ist schade, weil wir gerade auf einem Hoch waren. Durch die Rückzüge wirkt es, als ginge es bergab.“ Sie hofft, dass die Anzahl der Teams wieder steigt. „Natürlich wollen wir, dass es professioneller wird. Aber wir Spielerinnen haben darauf wenig Einfluss.“ Man dürfe sich zudem nicht nur auf das konzentrieren, was in der Saison passiert: „Die Hallenbelegung in der Off-Season ist für viele Teams schwierig.“ Das erschwere die Vorbereitung, „gerade, weil so viele Sportlerinnen nebenbei arbeiten“.
Sie freue sich dennoch auf die Saison – auch mit zehn Teams. „Der Ehrgeiz ist trotzdem da.“ Am kommenden Sonntag findet das erste Heimspiel statt, in Hannover reist ein sportlich herausfordernder Gegner an, der vier der vergangenen fünf Begegnungen für sich entscheiden konnte. „Ich glaube, das Niveau in der Liga wird sehr ausgeglichen sein – das macht die Wettkämpfe spannender“, sagt Schinkel. Jetzt gelte es, die Fehler vom Spiel gegen Herne auszumerzen. „Wir müssen die neue Woche nutzen, um weiter daran zu arbeiten.“ Wenn dann noch die Würfe fallen, dürften die Angels eine weitere realistische Chance haben.

