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Eigenbrötler der Bundesliga:Neuer führt in der Kälte Sonderliches auf

Manuel Neuer macht aus Einsamkeit den Hampelmann, Huub Stevens knurrt einen Journalisten an und Georg Niedermeier fügt sich ins Stuttgarter Chaos-Team ein.

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Manuel Neuer

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Quelle: AP

Wenn man dem Duden Glauben schenken mag, ist ein Eigenbrötler ein "Mensch, der sich absondert, seine Angelegenheiten für sich allein und auf seine Weise erledigt und anderen in seinem Verhalten merkwürdig erscheint". Ist Manuel Neuer also ein Eigenbrötler? Abgesondert stand er beim 2:0 seines FC Bayern am Samstagnachmittag im Strafraum, niemand um ihn herum, mit dem er hätte reden können. Unfreiwillig, versteht sich. Es war ja weit und breit niemand zu sehen. Dabei hatte er sich ja nach Gesellschaft gesehnt, er wollte seine Angelegenheiten nicht allein und auf seine Weise erledigen. Doch die beiden Innenverteidiger Martinez und Benatia vor ihm hielten sich gegen mauernde Berliner vornehmlich im gegnerischen Strafraum auf. Verhaltensauffällig war der Nationaltorwart allerdings schon, er hüpfte immer wieder, er machte angesichts seiner Beschäftigungslosigkeit merkwürdige Verrenkungen, den Hampelmann oder besser den Jumping Jack, wie man das heute nennt. Seine Muskulatur durfte ja nicht einfrieren, sie musste locker und möglichst warm bleiben. Neuer war kein Eigenbrötler, er war im eigenen Strafraum einfach nur isoliert. "Gerade jetzt in den Monaten, wo es kalt ist, ist es ein bisschen blöd für mich", bekannt er. Fürwahr.

(schma)

(Archivbild)

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Huub Stevens

1899 Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach

Quelle: dpa

Huub Stevens muss einen Doppelgänger haben. Ganz eindeutig sogar. Dieser muss in Stuttgart leben, in der schwäbischen Meteropole mit Herz und Dialekt, wo nur noch fehlt, dass sie Stevens ein Denkmal vor das Fußballstadion bauen, weil er den VfB vor zwei eigentlich schon feststehenden Abstiegen bewahrt hat. Dieser Doppelgänger lächelte viel und oft, erzählte Witze, war immer gut drauf. Er rockte mit seiner liebenswürdigen Art und einem aufregenden Offensivfußball die Stadt. Der richtige Stevens, der komische Kauz, der Eigenbrötler und Knurrer von Kerkrade, agiert in allen anderen Städten um Stuttgart herum. Zurzeit also in Hoffenheim. Anders ist es nicht zu erklären, dass er am Samstag nach dem 3:3 gegen Gladbach sogar einen Journalisten beleidigte, ja fast schon rufschädigend zusammenstauchte, weil sich dieser erlaubt hatte, kritisch über ihn zu berichten. "Ab und zu muss man draufhauen. Bei bestimmten. Du bist es eigentlich nicht wert", brummte Stevens. Entschuldigt hatte er sich hinterher nicht. Von seinem gutgelaunten Doppelgänger in Stuttgart könnte sich dieser Huub Stevens was abschauen.

(schma)

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Sascha Riether

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Quelle: AP

Untröstlich war Sascha Riether nach dem 1:1 gegen Bayer Leverkusen. Der Verteidiger des FC Schalke hatte seiner Mannschaft in der 85. Minute den Sieg vermasselt, mit einem Eigentor. Kein Wunder, dass sich der 32-Jährige nach dem Missgeschick in sein Trikot vergrub, niemanden mehr sehen wollte - Riether drohte kurzerhand zum Eigenbrötler zu werden. Doch seine Teamkollegen hatten etwas dagegen. So wurde kräftig auf die Schultern des Unglücklichen geklopft und viel zugelächelt. Eric Maxim Choupo-Moting wusste seinen Manschaftskameraden deswegen nach dem Spiel auf einem besseren Weg: "Er ist ein Veteran, den haut sowas nicht um. Das ist einfach Pech, er kann nichts dafür."

(tbr)

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Fabian Johnson

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Quelle: Daniel Roland/AFP

Fabian Johnsons Landsmann Joe Enochs ist Trainer beim VfL Osnabrück. Seitdem der US-Amerikaner den Drittligisten trainiert, geht es steil bergauf. Sein Credo heißt T-E-A-M: "Together Everyone Achieves More" (Übersetzt: Wenn alle zusammenhalten, erreicht jeder einzelne mehr). Im Spiel gegen die TSG Hoffenheim führte Johnson eine eigene Interpretation dieses Leitspruchs auf: "Wenn ich ausnahmsweise mal zwei Tore schieße, dann ist das auch für meine Mannschaft gut - auch wenn eines davon aus einem Solo resultiert". Nach dem Spiel ging Johnson sogar zu seinen ehemaligen Hoffenheimer Kollegen in die Kabine. Eigenbrötler? Vielleicht ein bisschen! Aber noch viel mehr: Mannschaftsspieler mit richtig gutem Tag und einem Hang zur Sentimentalität.

(mane)

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Gonzalo Castro

Borussia Dortmund v VfB Stuttgart - German Bundesliga

Quelle: REUTERS

Gonzalo Castro schien mit seinem Wechsel im Sommer von Bayer Leverkusen zu Borussia Dortmund ein seltsame Verwandlung vollzogen zu haben: Vom vielseitigen Ankurbler, der durch sein geschicktes Umschaltspiel zu einem der besten defensiven Mittelfeldspieler der vergangenen Saison gehörte, zum stillen, introvertierten Eigenbrötler. Sein Umschaltspiel zeigte Castro nur noch beim Tausch von Aufwärm-Leibchen zum Trikot. Häufig wechselte ihn BVB-Trainer Thomas Tuchel ein, selten stand er in der Startelf. Zuletzt bewies der Mittelfeldspieler aber ansteigende Form. Gegen den VfB Stuttgart glänzte der 1,72-Meter-Mann gar mit einem Kopfballtreffer - und spielte den einen oder anderen feinen Hackenpass. Castro hat seine Rolle im Tuchel-Team gefunden. Der Eigenbrötler scheint sich langsam zu öffnen.

(tbr)

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Georg Niedermeier

Borussia Dortmund v VfB Stuttgart - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Unter Alexander Zorniger war Georg Niedermeier in der Versenkung verschwunden. Nicht eine Minute spielte der Innenverteidiger während seiner Herrschaft - er war isoliert. Neuer Trainer, neue Chance. Jürgen Kramny, Nachfolger von Zorniger, beorderte den Innenverteidiger gegen Borussia Dortmund gleich in die Startelf, "weil uns Georg als Typ gefehlt hat". Statt emotionalen Beistand zu leisten, fabrizierte der Rückkehrer in der 65. Minute äußerst unglücklich ein Eigentor - das vierte der Schwaben in dieser Saison - zum vorentscheidenden 3:1. Sein Dasein als Eigenbrötler ist unter dem neuen Trainer beendet. Niedermeier unternimmt jedenfalls alles, um sich mit seinen Leistungen in das Harakiri-Team des VfB Stuttgart einzufügen.

(tbr)

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Javi Martinez

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Quelle: AP

Ein Eigenbrötler erledigt seine Angelegenheiten für sich allein und auf seine Weise. Javi Martinez tat gegen Hertha BSC genau das. Ob beim robusten Zweikampf in der Verteidigung, als Organisator im Mittelfeld oder als Vorbereiter mit viel Gefühl im Fuß für Kingsley Coman: Der Spanier spielte lustvoll auf, egal auf welche Position ihn sein Landsmann Pep Guardiola stellte. Die Berliner erlangten nie Kontrolle über den 27-Jährigen - er machte, was er wollte. Hätte Bayern-Trainer Guardiola Martinez für seinen bibbernden Torhüter-Kollegen Manuel Neuer ins Tor gestellt, wäre Martinez wohl auch das egal gewesen. Er hätte der Partie trotzdem seine Spielidee aufgezwungen - so wie es ein Eigenbrötler eben macht.

(tbr)

© Süddeutsche.de/mane/tbr/schma/dd
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