Zum Tod von Corrie Sanders Der Scharfschütze

Er schickte Wladimir Klitschko viermal zu Boden: Der Südafrikaner Corrie Sanders war einer der wenigen Schwergewichts-Boxer, die einen der Klitschkos besiegen konnten. Dennoch verdiente er zu wenig Geld in seiner Karriere. Er zog zurück nach Südafrika, wo er nun bei einem Überfall erschossen wurde.

Ein Nachruf von Jürgen Schmieder

Wer boxt, der bekommt irgendwann einen Spitznamen, den er dann bis zum Ende der Karriere mit sich herumschleppen muss, ob er nun will oder nicht. Meistens hat der Beiname nur wenig mit dem Boxer zu tun, er soll vielmehr ein Image transportieren. Deshalb war Henry Maske der Gentleman, Oscar de la Hoya der Golden Boy und Ralf Rocchigiani einfach nur Ralle. Ganz selten bekommt ein Boxer einen Spitznamen, der ihn wirklich beschreibt: Der Südafrikaner Corrie Sanders wurde der Sniper genannt, der Scharfschütze.

Heutzutage werden Schergewichte vermarktet, als wären sie Corrie Sanders, aber die meisten sind eher wie Axel Schulz. Sanders war kein austrainierter Athlet, von Konditionstraining hielt er so viel wie Don King von gerechten Verträgen. Er war ein technisch limitierter Boxer, mit der rechten Führhand öffnete er die Deckung des Gegners für seine linke Faust.

Wegen dieser Faust indes nannte man Sanders den Scharfschützen, er konnte damit präzise und wuchtig schlagen. Matthew Brooks, einer seiner frühen Gegner, sagte nach der K.o.-Niederlage in der ersten Runde, dass er gedacht habe, ihm wäre ein Amboss auf den Kopf gefallen.

So war es auch beim größten Kampf seiner Karriere: Es war am 8. März 2003, Sanders war bereits 37 Jahre alt und hatte in den vergangenen 20 Monaten gerade einmal drei Runden geboxt. Er sollte gegen Wladimir Klitschko antreten, den ukrainischen Weltmeister, gegen den niemand boxen wollte. Elf Kämpfer hatten gekniffen, Sanders trat trotz viel zu kurzer Vorbereitungszeit an.

Mit freundlichen Grüßen an Vitali Klitschko

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