bedeckt München
vgwortpixel

Ehemaliger DFB-Trainer:Was von Klinsmann geblieben ist

Man darf das Global Playerle Jürgen Klinsmann nicht überstilisieren. Doch dieser Sportlehrer hat dem deutschen Fußball in seiner Eigenschaft als Unternehmensberater mehr hinterlassen, als viele denken. Der US-Coach gehört immer noch irgendwie zu Deutschland.

Mark Verstegen kann überhaupt nicht Fußball spielen. Er sieht trotzdem beeindruckend aus, er sieht aus wie ein etwas grau gewordener Kraftprotz, der sich jede Mühe gibt, in seinem Erscheinungsbild den Kraftprotz zu betonen. Mark Verstegen gehört aber nicht zu jenen Menschen, von denen der Volksmund sagt, sie könnten vor Kraft kaum laufen. Laufen kann er, nur eben: nicht Fußball spielen.

Es sieht etwas unbeholfen aus, wenn Mark Verstegen auf dem Trainingsplatz in Santo André versehentlich mit dem Ball in Berührung kommt. Er stupst ihn dann mit links an und legt ihn rüber auf rechts, aber man kann nicht mit letzter Sicherheit sagen, welcher Fuß nun der bessere ist. Womöglich gehört Verstegen zu jenen Menschen, die gar keinen guten Fuß haben. Mark Verstegen stört das nicht, er ist ein optimistischer Amerikaner, und immerhin erreicht sein, nun ja, Pass dann den Landsmann Shad Forsythe, der ein unwesentlich besserer Fußballer ist.

Was waren das für Bilder damals! Amerikaner in roten Jacken auf dem Trainingsplatz der deutschen Mannschaft; farbige Gummibänder; Übungen, die Fachleute schon kannten, aber nur Fachleute aus dem Bereich Schwangerschafts-Gymnastik; Schlitten, auf denen mal nicht der Hacklschorsch saß, sondern die von Sportlern gezogen wurden, die Robert Huth, Marco Engelhardt oder Andy Görlitz hießen. "Schauen Sie hier in Brasilien mal auf unseren Trainingsplatz: Jürgen Klinsmann hat Dinge angestoßen, die heute selbstverständlich sind", sagt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der damals Chef des WM-Organisationskomitees war.

Er meint damit nicht Robert Huth, Marco Engelhardt oder Andy Göritz. Er meint Mark Verstegen, Shad Forsythe, die Gummibänder und die Schlitten, die jüngst alle gemeinsam im Flieger zur WM nach Brasilien waren, die einen in der ersten Klasse, die anderen im Frachtraum.

Fußball-WM Ein zweiter Platz ist nichts für Klinsmann
USA bei der Fußball-WM

Ein zweiter Platz ist nichts für Klinsmann

Ehrgeizig, zuversichtlich, lebensfroh: US-Trainer Jürgen Klinsmann hat eine Mannschaft geschaffen, die seinem Ebenbild entspricht. Nach dem starken Auftritt gegen Portugal reicht bereits ein Unentschieden im letzten Spiel fürs Achtelfinale. Doch Klinsmann will Deutschland schlagen.   Von Thomas Hummel

Das große Baden-Württemberg-Derby zwischen Joachim Löw und Jürgen Klinsmann erregt zurzeit Badener, Württemberger und noch ein paar Volksstämme mehr, aber es ist auch nicht zu übersehen, dass der US-Coach Juergen Klinsmann immer noch irgendwie zu Deutschland gehört. Als Trainer ist er beim FC Bayern zwar in einigen Unehren entlassen worden, weshalb sich die Zeitzeugen dieser Klub-Ära, die nie eine wurde, vor dem Duell eher dezent äußern. "Wir hatten eine gute Zeit zusammen, er hat viel Schwung reingebracht, aber das ist schon ein paar Jahre her", sagt Philipp Lahm. Mit der "guten Zeit" meint Lahm eher die zwei Klinsmann-Jahre beim Deutschen Fußball-Bund (2004 bis 2006), weniger die wilden Monate beim FC Bayern in München.