Die Gänge im SAP Garden im Münchner Olympiapark sind sehr geräumig, was in dieser Woche hilfreich war, denn dort, auf dem Weg zwischen Kabinen und Eisflächen, tummelten sich jede Menge Eishockeyprofis. Die des EHC Red Bull München natürlich, die sich seit rund einer Woche gemeinschaftlich und in voller Mannschaftsstärke auf die neue Saison vorbereiten. Und eine illustre Trainingsgruppe rund um JJ Peterka, der aus München den Sprung in die NHL geschafft hat. So wie auch Maksymilian Szuber, den Peterka zusammen mit anderen jungen, in Nordamerika unter Vertrag stehenden Spielern, in München zu Trainingszwecken um sich scharte.
Am Wochenende wurde es in der Halle etwas ruhiger, denn die Münchner Profis machten sich auf den Weg in die Schweiz, um ihre ersten Testspiele zu absolvieren. Zum Test-Auftakt verloren sie am Donnerstagabend in Sursee gegen den Schweizer Rekordmeister, den SC Bern, mit 1:2. Den Münchner Treffer erzielte Jeremy McKenna, einer der zahlreichen Neuen im EHC-Kader. Am Samstag wartet in Sursee das nächste Schweizer Topteam auf den EHC: der EV Zug, Meister von 2022.
In der Vorbereitungs-Startphase gelte das Prinzip „trial and error“, sprich die Methode: etwas zu versuchen und, wenn es scheitert, zu verwerfen, um dann eine neue Herangehensweise auszuprobieren. Es gehe darum, „aus Niederlagen zu lernen“, betonte der neue EHC-Trainer David Oliver. Der 46-jährige US-Amerikaner ist vom Schwester-Klub aus Salzburg an die Isar gelotst worden und ist bereits voll in die EHC-Welt eingetaucht. Lediglich eine Woche kehrte er zwischen der alten und der neuen Spielzeit mit der Familie in die Heimat zurück, und davon habe er die meiste Zeit mit ihm am Telefon verbracht, erzählte EHC-Manager Christian Winkler schmunzelnd.
Die Fitnesswerte sind im Schnitt die besten, die es in München seit dem Einstieg von Red Bull gegeben hat
So wie der neue Trainer sind auch einige Spieler, sowohl nordamerikanische als auch deutsche, die normalerweise einen Großteil der individuellen Saisonvorbereitung in ihrer Heimat absolvieren, deutlich früher nach München gekommen, um sich dort für den Mannschafts-Trainingsstart fit zu machen. Der Trainingseifer hat sich bislang anscheinend bezahlt gemacht. Stolz berichteten Winkler und Trainer David, dass die Fitnesswerte der Mannschaft im Schnitt die besten seien, die es in München seit dem Einstieg von Red Bull gegeben habe.
David ging die ersten Testspiele locker an. Er wisse noch nicht, wie die Reihenzusammenstellung aussehen werde, sagte er vor der Abfahrt in die Schweiz. Das Überzahlspiel, die Zusammensetzung der Verteidigerpärchen, alles werde sich im Laufe der insgesamt sieben Testspiele, die der EHC bis zum Liga-Auftakt am 12. September in Köln bestreitet, ändern. Trial and error. Was er sehen möchte: eine aggressive, früh und intensiv Druck auf den Gegner machende Mannschaft. „Es gibt eine klare Fahrtrichtung“, sagte Verteidiger Konrad Abeltshauser. David vergleicht seine Grundprinzipien mit denen des Gegenpressings im Fußball. Dazu bedürfe es neben Schnelligkeit und Fitness, um dort zuzuschnappen, wo der Gegner vulnerabel ist, vor allem auch den Glauben und das Vertrauen, dass auch die Nebenleute dieselben Muster aggressiv ausführen. Auch dann, wenn man es noch gar nicht sehen kann, sondern sich darauf verlassen muss, dass die Falle kollektiv zuschnappt.
Eine gemeinschaftliche Ausführung ist dabei essenziell, denn wenn nur ein Rädchen in diesem mutigen System nicht richtig getimt zu Werke geht, tun sich unweigerlich Lücken auf, die dem Gegner gefährliche Räume geben könnten. Die Fitness sei dabei der „Differenziator“, erklärte David. „Damit wir, wenn wir nicht den Puck haben, rechtzeitig in jene Zonen kommen, wo wir hin müssen.“ David ist sich bewusst, dass die aggressive Systematik auf dem Eis bei einigen Spielern erst nach und nach einsickern wird, denn: „Es ist nicht alltäglich, wie wir spielen, speziell für die nordamerikanischen Spieler.“
Das Spielsystem sei „in der DNA der Champions, die immer noch hier sind: Hager etwa, oder Kastner und Abeltshauser“
Für jene EHC-Spieler, die schon lange in München sind, ist es ein spielsystematisches „Zurück in die Zukunft“. Das Spielsystem sei „in der DNA der Champions, die immer noch hier sind: Hager etwa, oder Kastner und Abeltshauser“, sagte David. „Sie kennen das System. Ich verwende wahrscheinlich andere Begriffe, aber wenn sie es wieder fühlen, wird es zusammenkommen.“ Verteidiger Abeltshauser bestätigt die Sichtweise des neuen Trainers. Durch die neuen Schlagwörter sei es „irgendwie gleich, aber trotzdem neu“.
Der für Münchner Verhältnisse große Umbruch, der über den Sommer vollzogen wurde – gleich zehn potenziell neue Stammkräfte wurden verpflichtet – macht sich für Abeltshauser durchaus bemerkbar. „Man spürt schon einen frischen Wind“, berichtete er. Die Problematiken, die in der vergangenen Saison dazu geführt haben, dass der EHC nur Hauptrunden-Fünfter wurde und schon im Playoff-Viertelfinale ausschied, kennen die Neuen gar nicht. „Sie gehen ganz unbefangen an die Sache heran“, sagte Abeltshauser. „Sie sind heiß auf die Aufgabe, heiß auf das Stadion, heiß auf die Stadt.“ Das erzeuge eine Energie, die auf alle überschwappe. Und diese sei „richtig schön“.
