EishockeyDer Abend des Einpeitschers

Lesezeit: 3 Min.

Patrick Hager (Dritter von links) mit Familie und EHC-Manager Christian Winkler (rechts) bei der Ehrung zum 1000. DEL-Spiel seiner Karriere.
Patrick Hager (Dritter von links) mit Familie und EHC-Manager Christian Winkler (rechts) bei der Ehrung zum 1000. DEL-Spiel seiner Karriere.
Heike Feiner/Eibner/Imago
  • Patrick Hager bestreitet sein 1000. DEL-Spiel und führt den EHC Red Bull München zu einem 3:2-Sieg gegen Meister Eisbären Berlin.
  • Tobias Rieder erzielt zwei Tore und bereitet das dritte vor, verzichtet kurz vor Spielende auf seinen Hattrick zugunsten von Jubilar Hager.
  • München zeigt nach dem knappen Verlust gegen Mannheim erneut eine starke Leistung gegen ein Topteam und feiert erstmals zwei Siege in Folge.
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Patrick Hager bekommt im 1000. DEL-Spiel seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt: Das Duell gegen Meister Eisbären Berlin zu gewinnen. Für den EHC Red Bull München verfestigt sich nach dem 3:2-Erfolg der Trend, sich gegen große Gegner leichter zu tun.

Von Christian Bernhard

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Patrick Hager musste an diesem Eishockeyabend nicht nur während des Spiels hellwach sein. Der Kapitän des EHC Red Bull München war vor und nach der Partie gegen die Eisbären Berlin gefordert, seinen Sohn Leon in Schach zu halten, der mit ihm aufs Eis gekommen war und vor Spritzigkeit nur so strotzte. Auch nach der Partie, als der Jubilar zum TV-Interview gebeten wurde, wirbelte der kleine Leon um seinen Papa herum. Er hatte Spaß – das war nicht nur dann zu sehen, als er beim „Humba Humba täterä“ vor der Münchner Nordkurve zusammen mit dem Vater den Einpeitscher gab.

Der Donnerstagabend im Münchner SAP Garden stand ganz im Zeichen der Familie Hager. Patrick Hager bestritt sein 1000. Spiel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), und seine ganze Familie stand auf dem roten Teppich, der vor Spielbeginn Teile des Eises bedeckte. Nach den Feierlichkeiten um Hager bescherten die Münchner Spieler ihrem Kapitän das, was er sich am meisten gewünscht hatte: einen Sieg gegen den Meister. 3:2 gewann der EHC, und feierte damit erstmals in der Saison zwei Siege in Folge. Der Dreier gelang in Patrick-Hager-Manier: Dagegen haltend, leidend, beißend. Seine Mannschaft habe sich „gut ins Spiel reingekämpft“, fand Hager.

Das Spiel gegen die Eisbären, die trotz dezimierten Personals zuvor sechsmal in Serie gewonnen hatten, war nach der knappen 3:4-Niederlage nach Penaltyschießen bei Tabellenführer Mannheim der zweite gute EHC-Auftritt gegen Topteams der Liga. Der Eindruck, der bislang unbeständige EHC tue sich gegen große Gegner leichter, verfestigte sich dadurch. Doch Münchens neuer Trainer Oliver David wehrte sich dagegen: Das Wort „leicht“ sei keines, „das du in der DEL verwenden kannst“, sagte er auf der Pressekonferenz.

Tobias Rieder bestätigte später in der Mixed Zone die erste These:  „Es schaut momentan so aus“, als ob man sich gegen die großen Teams leichter tue. „Heute war die Motivation vielleicht nochmals ein bisschen höher, wegen Hagi und gegen einen guten Gegner.“ Rieder hatte im Spiel dem Jubiläumsmann Hager die Show gestohlen: Zwei der Münchner Tore erzielte der 32-jährige Angreifer selbst, das dritte, erzielt durch Chris DeSousa, bereitete er vor. Wenige Sekunden vor Spielende, als das Berliner Tor verwaist war, hätte er seinen dritten Treffer markieren können, doch statt aufs leere Tor zu schießen, legte er quer zu Hager, um dem Jubilar einen Treffer zu ermöglichen. Dessen Abschluss ging aber ans Außengestänge. „Ich würde es immer wieder so machen“, sagte er lachend, an diesem besonderen Abend für Hager war für Rieder der Versuch, seinem Kapitän „eins aufzulegen“, wichtiger als der eigene Hattrick.

Stahl Hager mit seinen zwei Treffern fast die Show: Tobias Rieder.
Stahl Hager mit seinen zwei Treffern fast die Show: Tobias Rieder.
Ulrich Gamel/kolbert-press/Imago

Noch mehr als die zwei Tore an sich, gefiel EHC-Trainer Oliver David die Art und Weise, wie Rieder sie erzielt hatte. Sie entsprangen nicht schönen Spielzügen, sondern dem Willen des Stürmers, sich direkt vor dem gegnerischen Tor zu behaupten und die Scheibe über die Torlinie zu zwingen. „Das ist nicht ein Markenzeichen unserer Mannschaft“, sagte David. Er spreche viel mit seinen Spielern darüber, hart zu spielen, zum Tor zu ziehen, auch mal „dreckig zu werden“. Rieders Auftritt sei deshalb vorzuzeigen: „Das ist es, was es braucht.“ Rieder erklärte, es gebe Zeiten in einer Saison, „da fallen die Tore nicht so leicht“. In diesen Phasen gehe es darum, „halt auch mal vors Tor zu gehen und die dreckigen Tore zu schießen“. Er setzte das gegen die Eisbären vorbildlich um.

Hoffnungsvoll kann die Münchner, die am Freitag die Vertragsauflösung von Verteidiger Les Lancaster bekannt gaben, stimmen, dass sie in den vergangenen Partien die Anzahl der gegnerischen Konter deutlich nach unten geschraubt haben. Sahen sich die EHC-Torhüter in den ersten Saisonspielen noch regelmäßig gegnerischen Alleingängen ausgesetzt, wirkt das Konstrukt von Trainer David jetzt ausbalancierter und stabiler. „Ich will es nicht verschreien, aber es fühlt sich schon besser an als vor ein paar Wochen“, sagte Rieder. „Wir hatten in den letzten Partien Phasen, in denen wir sehr gut gespielt und dann wieder Phasen, in denen wir uns selbst ins Knie geschossen haben“, erklärte Rieder. Gegen die Eisbären habe der EHC ein „konstanteres Spiel“ gezeigt. Ob diese Konstanz auch zu sehen ist, wenn auf der anderen Seite des Eises kein Titelfavorit steht, wird sich schon am Sonntag beim Heimspiel gegen die Schwenninger Wild Wings zeigen. In Hagers 1001. DEL-Nacht.

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Eishockeyprofi Patrick Hager
:Tausend Mal geführt

Gegen die Eisbären Berlin wird der Münchner Patrick Hager seine 1000. Partie in der Deutschen Eishockey Liga bestreiten – ein Spieler, dessen Qualitäten alle loben und dessen Spielstil viele fürchten.

Von Johannes Schnitzler

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