Noch ist dort, wo in etwas mehr als einem Monat eine der modernsten Sportarenen Europas eröffnet wird, vieles noch provisorisch. Auch der Konferenzraum im SAP Garden, in den der EHC Red Bull München am Donnerstag zur Pressekonferenz geladen hat, ist noch nicht final ausgestattet. Es wird noch daran gearbeitet.
Das gilt auch für die Mannschaft des EHC, die am 20. September auswärts in Iserlohn, exakt eine Woche vor dem Eröffnungsspiel gegen die Buffalo Sabres, in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) starten wird. So kurz, bevor eine neue Ära im Münchner Eishockey anbrechen soll, sitzen an diesem Donnerstag Trainer Toni Söderholm und Kapitän Patrick Hager anfangs im Konferenzraum. Manager Christian Winkler stößt kurz danach dazu, er hatte noch eine Besprechung. Es gibt eben noch viel zu tun.
Winkler, der seit mehr als 20 Jahren beim EHC tätig ist, ist besonders anzumerken, wie speziell diese Tage jetzt kurz vor der offiziellen Eröffnung sind. Nachdem aus dem „Schlauchboot“ (so bezeichnete er die alte Olympia-Eishalle) die Luft raus gewesen und das ein oder andere Abschiedstränchen verdrückt gewesen sei, „war es schon denkwürdig, das erste Mal hier reinzukommen“, erzählt er. Winkler ertappt sich immer noch dabei, manchmal in einer Ecke zu stehen, sich umzuschauen und zu fragen, „ob das jetzt wirklich so ist“. In diesen Momenten erwischt er sich hin und wieder dabei, wie sich für einen kurzen Augenblick der Gedanke breit macht, dass es ein Traum sein könnte. „Aber es ist Wirklichkeit.“
Seit dem 5. August trainieren die Münchner bereits auf den drei unterirdischen Trainingseisflächen des Gebildes – und genießen dabei die neuen Annehmlichkeiten. Die neuen Trainingsbedingungen seien „um Welten besser“ als davor, betont Hager. In der Olympia-Eishalle musste die Mannschaft regelmäßig in vier Gruppen aufgeteilt werden, wenn Krafttraining anstand, da die Größe des Fitnessraums nicht mehr hergab. „Der Koni“, (Abeltshauser, d. Red.), erzählt Hager auch, „hat nicht durch die Tür durchgehen können, ohne sich zu bücken. Wie sollst du dort Hürdensprünge machen?“ Jetzt kann die Mannschaft einfach auf eine der anderen zwei Eisflächen wechseln, wenn auf der soeben benutzten das Eis gemacht werden muss. In der alten Halle mussten da alle Spieler für 15 Minuten in die Kabine.
Ohne die CHL gebe es in dieser Saisonvorbereitung einen „etwas anderen Rhythmus“, sagt Söderholm
Vieles wird für den EHC besser und einfacher im äußersten Westen des Olympiaparks. Doch mit dem SAP Garden werden auch die Erwartungen wachsen. All die Thematiken rund um die neue Arena, das sei ein „interessanter Punkt“, sagt Verteidiger Dominik Bittner. Primär, erklärt er, interessiere einen Spieler aber nur die eigene Leistung und wie er damit seinen Beitrag zum Mannschaftserfolg leisten könne. Eigentlich, so Bittner, sei einem das „ganze Außendrum primär egal“. Aber eben nur eigentlich. Denn sekundär „ist es natürlich überhaupt nicht egal“, denn man will seine Fans begeistern, vor voller Halle spielen und „so ein Ding zur Festung machen“. Bittner nimmt die hohe Erwartungshaltung, die all das mit sich bringen kann, nicht als Druck wahr. Er dreht es um – ins Positive: Es sein ein „absolutes Privileg“, von Anfang an dabei sein zu können. Teil der ersten Generation im SAP Garden zu sein, sei ein großes Glück.
Bei all dem Brimborium um die neue Arena: Sportlich muss der EHC eine für seine Verhältnisse enttäuschende Saison vergessen machen. Hauptrundenplatz fünf und ein deutliches Halbfinalaus (1:4) gegen Bremerhaven entsprachen nicht dem Münchner Anspruch – und führten auch dazu, dass es ausgerechnet in der Eröffnungssaison des SAP Gardens erstmals nach neun Jahren keine Champions Hockey League (CHL) mit Münchner Beteiligung geben wird. „Man merkt, der Stachel sitzt immer noch“, sagt Kapitän Hager mit Blick auf die vergangene Spielzeit. Ohne die CHL gebe es in dieser Saisonvorbereitung einen „etwas anderen Rhythmus“, sagt Söderholm. „Wir nehmen uns mehr Zeit für gewisse Bereiche“, erklärt er, ein zentrales Element in der Trainingsarbeit sei, die „Aggressivität in unserem Spiel schnellstmöglich zu finden“.
Zur Suche nach der idealen Mannschaftsabstimmung, die jeder Profiklub im Sommer aufs Neue angeht, kommt bei den Münchnern die ein oder andere angenehme Unwissenheit rund um die neue Arena. Jeder der EHC-Spieler sei schon in großen Hallen aufgelaufen, sagt Hager, „was uns hier tatsächlich erwartet, wissen wir aber auch nicht“.

