EishockeyNoch zu viele Fehler im System

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Sichtlich angefressen: Münchens Markus Eisenschmid und seine Sturmkollegen können vorne gar nicht so oft treffen, wie sie hinten Gegentore fressen.
Sichtlich angefressen: Münchens Markus Eisenschmid und seine Sturmkollegen können vorne gar nicht so oft treffen, wie sie hinten Gegentore fressen.
Sven Laegler/Eibner-Pressefoto/Imago

Der EHC München kassiert in der Startphase der DEL-Saison zu viele Gegentore, um Spiele zu gewinnen. Offenbar kommt die Mannschaft mit der riskanten Spielidee von Trainer Oliver David bislang nicht zurecht.

Von Christian Bernhard

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Eishockey ist auch ein Spiel der Zahlen. Landauf, landab werden Statistiken um Statistiken erhoben, die nicht nur für Fans und Beobachter interessant sind, sondern auch für die Verantwortlichen im Profi-Eishockey. Im Fall des EHC Red Bull München reicht aktuell einfache Mathematik aus, um das Grundproblem zu lokalisieren: 33 Gegentore hat der EHC in seinen ersten acht Saisonspielen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) kassiert, im Schnitt sind das mehr als vier pro Partie. Das bedeutet: Der EHC muss aktuell im Schnitt fünf Tore pro Spiel erzielen, um Siege einzufahren – und das ist selbst für eine talentierte Offensive wie die der Münchner eine große Herausforderung.

Am vergangenen Wochenende wurden die Münchner Defensivsorgen besonders sichtbar. Elf Gegentore in zwei Partien waren wieder einmal zu viele, um Spiele zu gewinnen. Auf die 5:7-Heimniederlage gegen Wolfsburg folgte am Sonntag ein 2:4 bei den Schwenninger Wild Wings. Zahlen belegen auch den Münchner Fehlstart in die Saison: Von den ersten acht Spielen unter dem neuen Trainer David Oliver wurden fünf verloren, von 24 möglichen Punkten wurden neun geholt. „Für uns ist es allgemein momentan keine einfache Situation, weil wir vorne die Chancen nicht nutzen und hinten gnadenlos bestraft werden“, sagte Kapitän Patrick Hager am Sonntag. „Hinten geben wir einfach viel zu viel Tore ab. Ich glaube, wir tun gut daran, uns erst einmal auf die Defensive zu fokussieren, dass wir vorne nicht jedes Spiel vier oder fünf Tore schießen müssen.“

Die defensive Fragilität wurde besonders gegen Wolfsburg deutlich, in der 29. Minute hatte der EHC da bereits das fünfte Gegentor kassiert. „Die Anzahl der Konter, die wir zugelassen haben, hätten für eine gesamte Saison gereicht“, konstatierte Trainer David. Für einen Torhüter seien solche Situationen natürlich schwierig, „keine Frage“, sagte Mathias Niederberger – und stellte sich vor die Mannschaft, indem er sagte, er müsse das „üben“, denn das könne immer passieren. Da der EHC aber nicht zum ersten Mal in der noch jungen Saison einen Treffer nach dem anderen kassiert hatte (in Straubing und Ingolstadt waren es jeweils sechs), liegt es offensichtlich nicht nur an den Torhütern.

„Offensichtlich müssen wir uns noch finden“, sagte Nationaltorhüter Mathias Niederberger

Jeder in der Kabine müsse sich selbst an die Nase fassen, erklärte Niederberger, „der Trainer hat das schon auch so kommuniziert“. Einige EHC-Spieler haben noch Probleme mit dem aggressiven Spielsystem von David zu haben, das – wenn es greift – den Gegner unter Druck setzt und dem EHC dann gute Chancen ermöglicht. Wenn nicht, bekommt der Gegner aber sehr viel Raum, um schnell und gefährlich umzuschalten. Die vielen zugelassenen Konter gegen Wolfsburg führte Cheftrainer David auf Timing-Fehler und falsch gelesene Situationen zurück. „Offensichtlich müssen wir uns noch finden“, sagte der Nationaltorhüter, der sich hinter David und das riskante System stellte: „Der Trainer macht einen sehr guten Job, wir sind alle sehr fleißig, die Meetings sind sehr eindeutig.“ Kapitän Hager sagte am Sonntag, man brauche keine Panik machen – die „Findungsphase“, in der sich die Mannschaft befinde, dürfe aber „nicht mehr zu lang dauern“. In Schwenningen lag der EHC nach 250 Sekunden bereits mit 0:2 zurück, die Tore von Chris DeSousa und Tobias Rieder reichten nicht mehr.

Einer, der Davids System sehr gut kennt, ist Verteidiger Phillip Sinn, der im Sommer zusammen mit David aus Salzburg nach München übersiedelte. „Das System, das wir spielen, ist einzigartig, würde ich fast sagen“, erklärte er. Sinn spricht von „quasi positionslosem Eishockey“, da der Forecheck so energisch sei und die Verteidiger weit nach vorne durchschieben. Viele Spieler hätten das System noch nie gespielt, das bedeute laut Sinn: „Völlig neue Regeln, völlig neue Abläufe, neue Gewohnheiten, das ist natürlich schwierig.“

Zum Start der Saison hatte Trainer Oliver David gesagt, er wolle „klares und simples Eishockey spielen, aber: Simpel heißt nicht einfach.“ Das wurde am vergangenen Wochenende einmal mehr deutlich.

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